Aufzucht und Pflege Haustier in Bayreuth: Wagners Hund lebt

Von Ralf Döring | 26.07.2012, 15:06 Uhr

Die Bayreuther Festspiele starten. Unser Musikkritiker Ralf Döring freut sich so richtig auf große Oper – und hat doch auch ein paar mulmige Gefühle. Gerade hat er Wagners Hund getroffen.

Russ ist schon lange tot. Seit seinem Ableben liegt der Neufundländer hinter der Villa Wahnfried begraben, und weil die Wagner-Gemeinde einen Hang zum Pathos hat, steht auf einem Stein „Hier ruht und wacht Wagners Russ“. Nun tut er das seit ein paar Jahren nicht mehr nur im Garten von Wahnfried, sondern in der ganzen Stadt. Zum Beispiel auch im Biergarten einer Bayreuther Wirtschaft, in der ich gestern mit einer Kollegin den Schlummertrunk nahm. Neben dem Eingang zum Lokal wacht Russ – freilich nicht der echte, sondern eine der vielen Russ-Skulpturen, mit denen der Künstler Ottmar Hörl 2004 ganz Bayreuth pflasterte.

Nun kann man von der Kunstaktion halten was man will – auf jeden Fall hat Hörl die Viecher lebensecht gestaltet. Deshalb meinten ein paar Bayreuther Lümmel, den Kneipen-Russ entführen zu müssen –, was niemand merkte, bis Russ in Begleitung der Jugendlichen und einer Polizeistreife zurückkehrte. „Wir ham ned amol g’merkt, dass er weg wor“, kommentierte der Wirt die Rückholaktion, und die Jugendlichen durften nach ein paar Ermahnungen seitens der Polizisten ihrer Wege gehen, nachdem sie das Versprechen „Naa, mir machen etz nix mehr“ abgegeben hatten. Der Wirt kommentierte die ganze Sache mit „Die hom’ nern halt Gassi g’führt. Na ja, i konn’s scho versteh’, is halt a Bledsinn. I wor ja a mol jung.“ Fränkische Gelassenheit. Noch ein Bier, bitte!