Adam Szymczyk erfindet Format neu Documenta in Athen: Neue Karte unserer Welt

Meinung – Dr. Stefan Lüddemann | 27.03.2017, 18:43 Uhr

Die Documenta in Athen: Adam Szymczyks Konzept hat für Unmut gesorgt. Dabei setzt der Kurator nur eine Documenta-Tradition fort - indem er das Format neu erfindet.

Wird Kassel die Documenta geklaut? Adam Szymczyk lässt seine Ausgabe des weltweit berühmtesten Ausstellungsformates für zeitgenössische Kunst erstmals an einem anderen Standort beginnen. Diese Idee hat in Kassel Kritik und Irritation ausgelöst. Manchmal verbirgt sich hinter Unmut aber auch Kleinmut. Erst seit 1999, also nach zehn Documenta-Ausgaben, führt Kassel den Namen der Kunstschau als offizielle Stadtbezeichnung. Dem späten Bekenntnis entspricht ein offenbar wenig gefestigtes Selbstwertgefühl. Hier weiterlesen: Von der Klassik zur Krise? So wird die Documenta 2017. 

Dabei wird das Konzept der zwei Orte die Documenta nicht schwächen, sondern stärken. „Museum der 100 Tage“: Das Format hat seine klare Kontur, die mit jeder seiner Ausgaben neu erfunden wird. Kontinuität und Wandel: In dieser paradoxen Konstellation steckt das Geheimnis jener Kreativität, die inzwischen zur kulturellen DNA der Documenta gehört. Adam Szymczyk setzt fort, was seine Vorgänger begonnen haben. Catherine David machte aus der Documenta 1997 ein Diskurs-Marathon, Okwui Enwezor baute sie 2002 mit „Plattformen“ zum globalen Format aus, Carolyn Christov-Bakargiev bespielte erst 2012 die größte aller bisherigen Documenta-Flächen. Hier weiterlesen: Von Athen lernen - Documenta plant den Kunsttransfer. 

Eine gelungene Documenta trägt dazu bei, unsere Karte von der Welt, ihre Probleme und Chancen neu zu vermessen. Adam Szymczyks Athen-Projekt hätte das Zeug dazu, weil es die Geschichte der Documenta mit dem Mythos Europa kurzschließt. Das klingt nach spannendem Energieaustausch. Hier weiterlesen: Böse Pointen - Düsseldorf zeigt Documenta-Klassiker Marcel Broodthaers.