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07.12.2017, 18:39 Uhr

Immaterielles Kulturerbe: Beliebig, aber nicht nutzlos

Kommentar von Markus Pöhlking

Die Unesco hat den Orgelbau auf die Liste der Immateriellen Kulturgüter der Menschheit gesetzt. Foto: Sebastian Gollnow/dpaDie Unesco hat den Orgelbau auf die Liste der Immateriellen Kulturgüter der Menschheit gesetzt. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Osnabrück. Betrachtet man den Schatz an Fähigkeiten, Wissen und Traditionen im kulturellen Gedächtnis der Menschheit, stellt sich die Frage: Was gehörte eigentlich nicht auf eine Liste für Immaterielle Kulturgüter? Die ist nämlich beliebig und ohne konkreten Nutzen – aber immerhin nicht ganz nutzlos. Ein Kommentar.

Die Pizza, die Orgel, die Fastnacht – dahinter stehen Jahrhunderte währende schöpferische Prozesse, um beide ranken sich zahlreiche spezifische Gebräuche und Traditionen. Sie sind fraglos große Errungenschaften menschlichen Schaffens. Gehören sie deswegen aber auf einer Liste für Immaterielle Kulturgüter vermerkt, wie die Unesco nun beschlossen hat?

Es gibt gute Gründe, die für diese Entscheidung sprechen. Und Gründe dagegen, wie die Gegenfrage zeigt: Was nämlich gehörte eigentlich nicht auf eine Liste der Immateriellen Kulturgüter? Mit einigem Recht ließe sich, frei von Polemik, schließlich auch die Aufnahme vom Almabtrieb in den Alpen und Fangesängen im Fußballstadion fordern. Vielleicht finden die sich irgendwann gar darauf wieder, wie etwa bereits das Schützenfest.

Was sie aber kann, ist Bewusstsein schaffen: Der Mensch gibt längst teils grundlegende Kulturtechniken und Fähigkeiten an Maschinen und Algorithmen ab. Die Folgen dieser Entwicklung sind kaum absehbar,aber längst einschneidend. Dem Menschen klarzumachen, welche Schätze sein kulturelles Gedächtnis beinhaltet und wie bedroht diese sind, ist in diesem Fall Verdienst genug.


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