Prägend für die Rockmusik Ein Gitarrengott: Vor 75 Jahren wurde Jimi Hendrix geboren

Prägte Generationen von Gitarristen: Jimi Hendrix gilt als der einflussreichste Gitarrist der Rockgeschichte.Foto: imago/LFIPrägte Generationen von Gitarristen: Jimi Hendrix gilt als der einflussreichste Gitarrist der Rockgeschichte.Foto: imago/LFI

Osnabrück. Am 27. November 1942 wurde in Seattle John Allen Hendrix geboren. Als Jimi Hendrix revolutionierte er die Musikwelt – und starb viel zu früh im Alter von 27 Jahren.

Wirkt es sich auf die musikalische Kreativität eines Heranwachsenden positiv aus, wenn man ihm ein Instrument schenkt, das in seiner Funktionalität extrem eingeschränkt ist? Im Fall von Jimi Hendrix darf man in Betracht ziehen, dass die Antwort „ja“ lautet. Vermutlich lauerte das Tier, das man „Experiment“ nennt, schon in dem 13-jährigen James Marshall, als sein Vater ihm eine einsaitige Ukulele schenkte, die er in seiner Garage gefunden hatte. Während die meisten Kids die kleine, amputierte Minigitarre vermutlich gelangweilt, wütend oder gekränkt in die Ecke geschmissen hätten, dürfte der, der später als Jimi Hendrix zum Weltstar avancierte, schon stundenlang versucht haben, auf der Ukulele kleine Rockkompositionen zu erfinden.

Spekulation? Klar. Aber das Zusammenwirken von Aufmüpfigkeit und erfinderischem Geist machte Jimi Hendrix schließlich zum allein herrschenden Gitarrengott. Und kein Mensch weiß, wozu der Amerikaner noch in der Lage gewesen wäre, wenn er nicht unter tragischen Umständen am 18. September 1970 viel zu früh in einem Londoner Hotel ums Leben gekommen wäre.

Man sieht ihn förmlich noch vor sich, wie er auf der Bühne mit seiner Gitarre kämpft, sie quält, sie beißt, sie mit Feuerzeugbenzin anzündet. Er war es, der sein Instrument über den Kopf hob, um es auf dem Rücken blind weiterzuspielen. Er war es, der mit seiner Fender Stratocaster in die Knie ging und Bewegungen ausführte, als wäre sie ein Werkzeug des Liebesspiels. Er war es, der seine Zunge an die Saiten der Gitarre legte, um sie zum Stöhnen zu bringen. Und er war es, der sein ein und alles liebte – und opferte.

Bilder im Kopf

Doch das war alles nur seine Show, sind nur Bilder im Kopf, die zwar für sich schon spektakulär sind, die aber ohne die Klänge, die Jimi Hendrix gleichzeitig erzeugte, nur halb so gut funktionieren würden. Denn das, was aus seinem Verstärker dräute, war eine musikalische Revolution, die Generationen von Gitarristen prägte. So, wie Hendrix aus der amerikanischen Armee entlassen wurde, weil er nicht bereit war, Befehlen zu folgen, so handhabte er seine Gitarren frei von Konventionen. Daher wurde sein Stil von konservativen Zeitgenossen als „Tortur“ bezeichnet. Er schreckte nicht davor zurück, die Saiten mithilfe des Vibratohebels qualvoll aufheulen zu lassen, mit dem Wahwah-Pedal zu verfremden, mit dem Fuzz-Effekt zu verzerren und die Rückkopplung, den Feind eines jeden Musikers, virtuos in sein Spiel zu integrieren. So entstand seine ganz eigene Manifestierung des Antiautoritären, die von jeher zum Naturell des Rock ’n’ Roll gehört.

Da Hendrix aber nicht nur ein genialer Klangexperimentator war, sondern sich auch für Politik und Gesellschaft interessierte, sorgte er für Momente, die in die Geschichte eingingen. Zum Beispiel in Woodstock, wo er die amerikanische Nationalhymne zum Protestsong gegen den Vietnamkrieg werden ließ. Zwischen Maschinengewehrsalven und dem Geräusch explodierender Bomben und Granaten, die er mit seiner Gitarre und verschiedenen Effektgeräten simulierte, schredderte er die Melodie der Hymne, bei der sich ein amerikanischer Bürger normalerweise ehrfürchtig erhebt und salutiert.

Innere Zerrissenheit zwischen Genie und Wahnsinn

Vermutlich war es die innere Zerrissenheit zwischen Genie und Wahnsinn, die ihn schließlich zugrunde richtete. Der Musiker flüchtete in den Drogenexzess, seine Auftritte entglitten zusehends. Am 4. September 1970 trat Jimi Hendrix zum letzten Mal öffentlich auf: beim „Love and Peace“-Festival auf der Ostseeinsel Fehmarn. Nach seiner Rückkehr nach London jammte er zwar noch mit Eric Burdons Band War, doch am 18. September erstickte er im Appartement seiner Lebensgefährtin Monika Dannemann an seinem eigenen Erbrochenen, so lautete die offizielle Todesursache.

Ohne Jimi Hendrix hätte sich die Musikwelt anders entwickelt. Allein die Tatsache, dass ein anderer genialer Innovator, Miles Davis, mit dem Gitarrengott gejammt hat und diese Zusammenarbeit als sehr inspirierend dargestellt hat, lässt vermuten, was da noch auf uns hätte zugekommen können, wäre Jimi Hendrix nicht schon so früh in die ewigen Rockgründe eingegangen.


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