Präsentation im Picasso-Museum Rolf Escher: Neue Grafiken zu Nervals Orientreise

Von Dr. Stefan Lüddemann


Münster. Musterbeispiel der Buchkunst: Rolf Eschers Grafiken zu der Orientreise von Gérard de Nerval wurden jetzt im Picasso-Museum in Münster vorgestellt.

Kann sich ein Künstler ein schöneres Kompliment wünschen? „Die Zeichnung ist die Redlichkeit der Kunst“, sagt Markus Müller, Direktor des Kunstmuseums Pablo Picasso, über den Zeichner und Grafiker Rolf Escher, der am Freitag, 10. November 2017, in dem Münsteraner Museum sein neues Künstlerbuch vorstellt. 30 Lithographien verbinden sich mit einem Text von Gérard de Nerval (1808-1855), einem Freund Heinrich Heines, zu einem faszinierend stimmigen Buch, das in der Bayreuther The Bear Press des Verlegers und Buchgestalters Wolfram Benda erscheint. Das auf handgeschöpftem Bütten gedruckte, in nur 120 Exemplaren erscheinende Werk verbindet literarischen Text und künstlerische Grafik zu einem buchkünstlerischen „Gesamtkunstwerk“, wie Benda sagt. Seit 1979 ediert der Literaturwissenschaftler von der Universität Erlangen-Nürnberg kostbare, grafisch gestaltete Bücher. Hier weiterlesen: Rolf Escher - eine Werkschau im Haus Opherdicke bei Dortmund.

Wichtiger Grafiker

Rolf Escher, das ist der Meister des Suspense in den Medien der Zeichnung und der Grafik. Seine Darstellungen stiller Räume und abgelegter Objekte haben eine ganz eigene Stimmung, einen regelrechten Sound, der sich jedem Betrachter sofort einprägt. Escher gehört zu den wichtigsten deutschen Grafikern und Zeichnern. Über Jahrzehnte hat der Künstler mit Ateliers in Essen und Berlin die Ausdrucksmöglichkeiten dieser Medien exemplarisch vorgeführt. Zu seinem Werk gehören auch Grafikserien für bibliophil gestaltete Bücher. Mit dem Buch „Constantinopel bei Nacht“ bringt der Künstler in der Bear Press schon sein drittes Buch heraus. Nach Bänden mit literarischen Texten zu Paris von Wolf von Niebelschütz und Venedig von William Beckford geht es nun um Istanbul. Hier weiterlesen: Beschädigte Archivschätze - Rolf Eschers Kölner Zeichnungen

Text neu übersetzt

„Ich habe die Stadt zum ersten Mal 1993 in wundervollem Licht kennengelernt“, erzählte Escher bei der Vorstellung des Buches, zu der er die originalen Lithographien mitgebracht hatte. Jahre vor der krisenhaften Zuspitzung der politischen Situation in der Türkei hatte sich der Künstler ganz der kulturellen Faszination der Metropole auf der Grenze von Europa und Asien überlassen können. Von diesem Kontakt der Kulturen berichtete auch der französische Schriftsteller Nerval in seiner 1843 erschienenen „Orientreise“. Ein Auszug aus diesem Buch über Nervals Erlebnisse im heutigen Istanbul bildet den Text der Publikation, für die Verleger Benda den französischen Text eigens übersetzte. Teile der Auflage erscheinen als Vorzugsausgabe mit sämtlich kolorierten Lithographien oder in besonderer Ausstattung. „Nervals Text zeigt viel von Geheimnis und Doppelbödigkeit Istanbuls“, sagte Escher. Hier weiterlesen: Dichterorte - Werke von Rolf Escher im Münsteraner Stadtmuseum.

„Ich inszeniere Texte“

Dabei versteht sich Wolfram Benda nicht einfach nur als Verleger oder Herausgeber. „Ich inszeniere Texte“, sagte Benda, der an der Universität im Fach Anglistik lehrt. Seinen ersten Band habe er 1979 seinem Lieblingstext, „Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch“ von Jean Paul gewidmet. Seitdem hat Benda eine ganze Reihe weiterer Bücher publiziert, in denen jeweils ein wichtiger literarischer Text und Zeichnungen oder Grafiken ausgewählter Künstler zusammengebracht sind. Auf diese Weise entstehen einzigartige Buchkunstwerke, die in ausgewählten Schrifttypen auf kostbaren Papieren gesetzt werden. Vorzugsausgaben werden mit Originalgrafiken ausgestattet und in besonderen Einbänden gefasst. Wie zu hören war, planen Benda und Escher ein weiteres Buch. Dieses Mal soll die künstlerisch gestaltete Reise, nach Bänden über Paris, Venedig und Istanbul, nach Rom führen.