Werbe-Verbot in Bus und Bahn Ist der „Fikkefuchs“ sexistisch? Streit um Filmplakat

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Berlin. Weil das Motiv anstößig sei, boykottieren die Verkehrsbetriebe von München und Frankfurt das Plakat zum Kinofilm „Fikkefuchs“. Wie sexistisch ist die stilisierte Zeichnung eines Unterleibs wirklich?

Kein Unterleib in der U-Bahn: Die Verkehrsgesellschaften von München und Frankfurt stören sich am Plakat zur Kinosatire „Fikkefuchs“. Wie die „Bild“ berichtet, darf das Motiv an den Bus- und Bahnhaltestellen der Städte nicht präsentiert werden. Das Poster zeigt einen stilisierten weiblichen Unterleib, über dessen Schamdreieck ein Fuchskopf prangt. In München ordnen die Verantwortlichen das Motiv dem Blatt zufolge als Verstoß gegen die guten Sitten ein und verweisen auf den Schutz von Kindern. In Frankfurt wittern die Verkehrsbetriebe demnach sogar Sexismus und Frauenfeindlichkeit in dem Motiv.

Was sagt Pinkstinks zum „Fikkefuchs“-Plakat?

Was sagt eine Expertin dazu? Die Frage geht an Stevie Schmiedel, die sich in dem Verein „Pinkstinks“ unter anderem gegen Sexismus in der Werbung engagiert: „Wir würden das Plakat als stereotyp, aber nicht sexistisch einordnen“, sagt die promovierte Genderforscherin. „Schade, dass mit einem perfekt geformten Unterleib ein Film beworben wird, der offensichtlich Männlichkeitsklischees demontiert. Damit werden nach außen hin auf jeden Fall keine neuen Sichtweisen verkauft. Trotzdem ist dies kein Sexismus – die Frau selbst könnte ja der Fuchs sein, der vögeln möchte: Die Adressaten sind nicht definiert.“ (Mehr zur Pinkstinks-Kampagne gegen sexistische Werbung erfahren Sie hier)

Fikkefuchs: Worum geht‘s im Film zum Plakat?

In „Fikkefuchs“ erzählt Regisseur und Hauptdarsteller Jan Henrik Stahlberg die Geschichte des angejahrten Playboys Rocky, der plötzlich erfährt, dass er einen erwachsenen Sohn hat. Mit einem Themenspektrum vom Stehpinkeln über Sexsucht bis hin zu Pick-up-Artists – der Begriff meint professionelle Aufreißer – widmet sich der Film der Krise der Männlichkeit. Als Initialzündung nennt Drehbuch-Autor Wolfram Fleischhauer im Presseheft Eve Enslers weltweit erfolgreiches Theaterstück „Die Vagina-Monologe“ (1996), dem er ein männliches Pendant gegenüberstellen wollte. Regisseur Stahlberg schlägt mit dem Plädoyer für einen Film über Männerprobleme in dieselbe Kerbe: „Feministische Filme gibt es schon seit 20 bis 30 Jahren im deutschen Kino, da hat sich glücklicherweise etwas bewegt. Da ist man den Männern voraus.“ Um keine Abstriche beim Humor machen zu müssen, wurde „Fikkefuchs“ ohne Fördermittel und TV-Beteiligung per Crowdfunding realisiert.

(Gendermarketing: Hier erfahren Sie, wie Firmen an alten Geschlechterbildern verdienen)


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