Historiker schreiben Stücke Geschichte auf die Bühne gebracht

Von dpa

Die Bremer Shakespeare Company spielte in Delmenhorst das Geschichtsthema „Prunk und Pleite einer Unternehmerdynastie. Der Konkurs der Nordwolle und die Bankenkrise 1931“. Foto: Martina I. MeyerDie Bremer Shakespeare Company spielte in Delmenhorst das Geschichtsthema „Prunk und Pleite einer Unternehmerdynastie. Der Konkurs der Nordwolle und die Bankenkrise 1931“. Foto: Martina I. Meyer

Bremen. Die Geschichte schreibt oft die besten Geschichten. Historische Dokumentationen in Film, Fernsehen und Literatur erfreuen sich großer Beliebtheit. Auf der Theaterbühne sind sie in Deutschland dagegen noch wenig vertreten. Vorreiter ist das Bremer Projekt „Aus den Akten auf die Bühne“, bei dem Historiker und Schauspieler seit zehn Jahren zusammenarbeiten.

Elf Produktionen sind auf diese Weise bisher entstanden. Die Geschichtswissenschaftlerin Eva Schöck-Quinteros von der Universität Bremen rief das Projekt 2007 ins Leben. „Damit sind wir die Pioniere in Deutschland“, sagt sie. „Auf diese Weise wollen wir wichtige Themen des 20. Jahrhunderts einer breiten Öffentlichkeit vermitteln.“ Dafür geht sie mit ihren Studenten in Archiven zu bestimmten Themen auf Spurensuche. Hunderte Seiten historische Dokumente, Briefe und Zeitungsartikel kommen dabei zusammen.

Akten sprechen lassen

Aus diesen erarbeitet die Bremer Shakespeare Company später eine szenische Lesung, in der die Schauspieler allein die Akten sprechen lassen. „Die Quellen werden auf der Bühne nicht direkt kommentiert“, erläutert Schöck-Quinteros das Konzept. Ein ganzer Berg von historischem Material steht am Anfang jeder Produktion, durch die sich Regisseur Peter Lüchinger arbeiten muss. „Die größte Herausforderung ist, das auf wenige Seiten herunterzubrechen“, sagt er.

Auf eine Fassung von etwa zweieinhalb Stunden kürzt Lüchinger das Material. Wichtig ist ihm dabei, dass die Zuschauer keine Vorbildung brauchen, um dem Stoff folgen zu können. Für die, die tiefer in die Thematik einsteigen wollen, bringen die Bremer Historiker ein Begleitheft mit wissenschaftlichen Aufsätzen heraus, die aber ebenfalls allgemein verständlich geschrieben sein sollen.

Ganz unterschiedliche Aspekte der deutschen Geschichte haben die Bremer in den Inszenierungen bisher beleuchtet: vom Radikalenerlass im Jahr 1972 über die Ausländerpolitik in der Weimarer Republik bis zur Pleite des einst größten europäischen Wollkonzerns, der Bremer Nordwolle. Mit den Inszenierungen sind die Bremer auch schon in Gedenkstätten, Museen und Schulen in Deutschland aufgetreten.

Ein Stück haben die Universität und die Theaterwerkstatt in Heidelberg inzwischen übernommen und etwas adaptiert.

In Berlin inszeniert das Historikerlabor seit 2012 ebenfalls historische Stoffe als Dokumentartheater. Dabei stehen jedoch keine Schauspieler auf der Bühne. Vors Publikum treten nach Angaben des Vereins die Historiker selbst, sie tragen in kritischer Distanz ihre Quellen vor.

Die Bremer Produktionen führt die Shakespeare Company anlässlich des Jubiläums ab dem 1. November bis 18. Dezember noch einmal auf.