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Back to the Rhyme Max Herre kehrt zum Hip-Hop zurück: das neue Album „Hallo, Welt!“

Von Henning Richter


Berlin. Mit einem neuen Album meldet Max Herre sich zurück. Mit dem schlichten Motto „Hallo Welt“ findet er zum Rap zurück.

Auf dem Dach eines Wohnhauses irgendwo in Berlin steht eine Bretterbude, aus der eine mächtige Antenne ragt. In der Bude befinden sich ein Regal mit zahllosen Vinylplatten, zwei Plattenspieler, ein Mischer und Max Herre. Der Set dient als Motiv des Plattencovers des neuen Albums „Hallo Welt!“. „Die Idee mit der Radiostation kam mir vor einem Jahr. Was ist das, was du da machst? Du machst dein eigenes Programm. Wie verbindet man das? Man geht auf Sendung“, erläutert Herre sein Konzept. „Ein Piratensender lässt sich nicht formatieren. Er sendet wann er will und was er will.“ Die Bude hätten er und seine Freunde eigenhändig gezimmert, und natürlich wird seine Piratenradiobude auch auf Konzertbühnen und in Videos zu sehen sein.

Bei Bob Marley klauen

Nachdem er für sein letztes Werk „Ein geschenkter Tag“ (2009) zur Gitarre griff, ist die neue Scheibe eine Rückkehr zum Rap, mit Max Herre als Frontmann und MC. „Damals hatte ich eine introvertierte Phase. Es ging viel leiser zu in mir. Da wäre es nicht wahrhaftig gewesen, eine Rap-Platte zu machen“, blickt der Wahl-Berliner zurück. Es stört ihn nicht, dass man beim Hören der neuen Scheibe des Öfteren an seine alte Band Freundeskreis denkt oder ans Solodebüt „Max Herre“ von 2004. Originalität sei in der populären Musik nicht wichtig, erklärt er sein Credo. „Was in der Kunst die Postmoderne ist, ist in der Musik der Hip-Hop. Es ist eine Zitatenmusik, so hat es angefangen, mit der Sampling-Kultur. Die Kunst bestand darin, aus diesen Versatzstücken etwas Neues entstehen zu lassen.“ Folglich erkennt der Hörer auf dem Album immer wieder mal Zitate von Bob Marley, Billy Preston, Rakeem, Nas und anderen. Mit „Nicht vorbei (bis es vorbei ist)“ covert Herre sogar einen Song von Lenny Kravitz.

Anderseits gebe es eine Weiterentwicklung seines Stils, „ich hab noch nie so schnell gerappt wie bei „Jeder Tag zu viel“. Und ich zählte zu den Ersten, die in Deutschland double rhymes und triple rhymes benutzten“, stellt er fest. In der Tat rappt niemand so kunstvoll und intellektuell wie Max Herre. In Sachen Musik ist sein Slogan „Hallo Welt!“ ernster zu nehmen als je zuvor, Herres Geschmack ist global. „Die Welt steht mir offen, es kann Klezmer sein an einem Tag oder thailändische Musik der 70er-Jahre oder eine äthiopische Hochzeitsplatte am nächsten Tag. Impulse von außen beeinflussen mich, das kann ich nicht abstreiten.“

Bereits im Alter von 15 Jahren hatte Herre seine erste Band, mit 19 sein erstes Hip-Hop-Projekt Agit Jazz. 1993 gründete er den Freundeskreis, dem 1997 mit dem Hit „A-N-N-A“ eines der schönsten deutschen Liebeslieder der 90er gelang. Inzwischen zählt es zu den Evergreens der Popmusik. Freundeskreis brachten mit „Quadratur des Kreises“ (1997) und „Esperanto“ (1999) zwei höchst erfolgreiche Studioalben heraus. 1999 lernte Herre bei Aufnahmen die deutsche Soulsängerin Joy Denalane kennen, die er später heiratete. Die beiden haben zwei Söhne. Vier Jahre später startete er seine Solo-Karriere.

Zusammen mit Philipp Poisel singt Max Herre die neue Single „Wolke 7“. „Hier beschreibe ich das Zweifeln und Hadern mit unserem Leben. Zugleich bin ich mir darüber bewusst, dass wir von Luxusproblemen reden. Und ich empfinde Scham darüber“, beurteilt er den Inhalt des Lieds, das auf einem respektablen Platz sechs in die Charts einstieg.

Asoziale Netzwerke

Schlägt sein „Wolke 7“ eher sanfte Töne an, zeigt Max mit „Einstürzen Neubauen“ (feat. Samy Deluxe), dass er auch anders kann. „Irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem muss man kaputtmachen, was einen kaputtmacht. Dazu muss man kein Anarchist sein“, sagt er und ist stolz darauf, dass er in dem Lied gleich auf zwei wichtige deutsche Bands anspielt, nämlich TonSteineScherben und Einstürzende Neubauten. In der Nummer rappt er unter anderem von „asozialen Netzwerken“. „Auch ich bin Mitglied und füttere Facebook. Als Künstler genieße ich die direkte Ansprache an die Fans ohne Vermittlung durch die Medien“, nennt er den Vorteil des Internets. „Asozial wird es, wenn Leute anonym ihren Müll im Netz liegen lassen. Man kann mit ihnen keine Konfrontation eingehen, die auf Augenhöhe stattfindet.“ Für seine persönliche Kommunikation greift Herre jedoch auf ein altes Hilfsmittel zurück: „In bin Telefonierer, in dem Punkt gehöre ich zur alten Schule.“

Max Herres neues Album „Hallo Welt!“, erscheint am Freitag, 24. August 2012.


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