Final Fack Fack ju Göhte 3: Plötzlich pädagogisch

Es ist vollbracht: Elyas M‘Barek spielt zum letzten Mal den Aushilfslehrer Zeki Müller. Sandra Hüller springt für Karoline Herfurth ein. Jella Haase und Max von der Groeben sind noch einmal als Problemschüler Chantal und Danger zu sehen. Fotos: Constantin FilmEs ist vollbracht: Elyas M‘Barek spielt zum letzten Mal den Aushilfslehrer Zeki Müller. Sandra Hüller springt für Karoline Herfurth ein. Jella Haase und Max von der Groeben sind noch einmal als Problemschüler Chantal und Danger zu sehen. Fotos: Constantin Film

Berlin. Am Ende kommt der Bildungshunger: Mit „Fack ju Göhte 3“ beendet Bora Dagtekin die erfolgreichste Filmreihe im jüngeren deutschen Kino. Nach zwei Komödien der forcierten Leistungsverweigerung feiert das Finale nun den Wert der guten Ausbildung.

Ein musisches Projekt? Chantal ist empört! Musisch? Sie ist immer noch Christin! Mit Culture-Clash-Witzen wie diesem, mit einem Trump-Pissoir und Gags auf Kosten der AfD wird das Finale der „Fack ju“-Trilogie richtig politisch. Zu Recht. Nichts widerlegt die populistisches These von islamischen Parallelgesellschaften besser als die 15 Millionen Kinokarten, die allein die ersten zwei Filme verkauft haben. Die Helden auf der Leinwand heißen Zeki und Zeynep, Biggi und Burak. Die Zuschauer im Saal sind genauso divers und lachen seit 2013 gemeinsam über Elyas M’Barek, Katja Riemann – und über Uschi Glas, die noch einmal die Späße des Lümmel-Kinos der 60er abliefert. („Fack ju Göhte 3“: Fun Facts zum Final Fack)

Mit „Fack ju Göhte“ triumphiert eine humoristische Tradition, deren unglaubliche Integrationsleistung den Wandel eines halben Jahrhunderts überbrückt. Komischer Höhepunkt ist diesmal eine Slapstick-Nummer, in der M‘Barek mit nacktem Hintern aufs Pult gefesselt ist, um Jella Haase ein Riesenzäpfchen ins Haar zu furzen. Das fühlt sich an, als hätte man eine historische „Pauker“-Filmrolle in ein Klo von heute fallen lassen und mit allem, was hängen bleibt, noch einmal abgespielt.

Neben den sympathischen Witzen über das Alter der ledrigen Uschi Glas hat „Fack ju Göhte“ den Klamauk-Klassikern vor allem sein Rollenverständnis voraus: Im Lümmel- und Lederhosen-Zeitalter waren Männer notgeil, Frauen verfügbar und Gastarbeiter gaga. Jetzt wimmelt es von starken Frauen. Eine davon ist Sandra Hüller, die im Kollegium die sang- und klanglos verschwundenen Lise Schnabelstedt ersetzt. (Karoline Herfurth hatte keine Zeit, die bisherige Hauptfigur noch mal zu spielen.) Ebenfalls neu ist Irm Hermann. In den 60ern war sie als Fassbinder-Star noch die Antwort auf Opas Kino; jetzt gibt sie die schrille Omi und mischt Chantals Cybersex mit Keks-Zoten auf. („Ich steck dir einen rein.“)

Ist „Fack ju Göhte 3“ wirklich der Final Fack?

„Fack ju Göhte 3“ wird als „Final Fack“ beworben, und der Regisseur und Autor Bora Dagtekin beteuert, dass die Reihe nun wirklich beendet ist. Man spürt es in jeder Zeile des Drehbuchs, nicht nur, weil am Ende alle Problemschüler das Abi bestehen. Nachdem Teil 2 als schwächste Episode auf der Stelle trat, wird der Grundkonflikt nun aufgelöst: Zeki Müller(M‘Barek), der sich eigentlich nur als Lehrer ausgegeben hatte, um die Beute eines Bankraubs unter der Schule auszugraben, akzeptiert seine pädagogische Berufung. Und die Leistungsverweigerer aus der 11b erkennen den Wert der Bildung. Nach einem Tag bei der Frau vom Berufsinformationszentrum („Doktor Specht“-Star Corinna Harfouch) treibt die Angst vor einem Leben als Altenpfleger sie durch alle Klausuren. (Wie spielt man überzeugend eine Tussi? Jella Haase über ihre „Fack ju“-Rolle Chantal)

Ojemineh! „Fack ju Göhte“ wird pädagogisch wertvoll!

Das bleibt nicht ohne Folgen für den Tonfall. Zum Geschrei und Gestammel von Danger, Chantal und der Asperger-Karikatur Ploppi kommen diesmal: inspirierende Reden. So schwer es fällt, das zu schreiben: „Fack ju 3“ ist engagiertes Kino: Neben dem Plädoyer für eine gute Ausbildung klärt Dagtekin über Mobbing auf; im Zentrum dieser Argumentation steht eine Schulversammlung, bei der mit Zeki, Chantal und einem Opfer gleich drei Autoritäten für Empathie werben. Das Hashtag gegen Ausgrenzung im Netz liefert der Film gleich mit: #StopWebShaming.

Überhaupt nimmt sich diese Komödie erstaunlich ernst – von der prekären Kindheit, die Jella Haases Chantal angedichtet wird, bis hin zu den warmen Worten, mit denen das Team am Ende den Fans für die gemeimsamen Jahre dankt. Die klavieruntermalte Feierlichkeit solcher Szenen ist ein krasser Bruch – mit dem anarchischen Klamauk der Filmreihe, aber auch mit ihrem Menschenbild: Schließlich wird Zeki gerade deswegen als ehrlicher Erzieher geliebt, weil er an der Tafel Bier trinkt und seine Schüler mit dem Motivationsgenie eines Dieter Bohlen als Arschlöcher und verpasste Abtreibungen anspricht. Aber auch darin ist „Fack ju Göhte“ sehr deutsch: Eine Hand hebt den Mittel-, die andere den Zeigefinger.

„Fack ju Göhte 3“. D 2017. R: Bora Dagtekin. D: Elyas M’Barek, Katja Riemann, Jella Haase, Max von der Groeben, Sandra Hüller. 119 Minuten, ab 12 Jahren.


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