Kommentar: Auschwitz-Prozess Hoher Erinnerungswert als Welterbe

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Ein Überlebender des Konzentrationslagers Auschwitz nahm im Juli an einer Gedenkveranstaltungauf dem Gelände des ehemaligen deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau teil. Foto: Andrzej Grygiel/PAP/dpaEin Überlebender des Konzentrationslagers Auschwitz nahm im Juli an einer Gedenkveranstaltungauf dem Gelände des ehemaligen deutschen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau teil. Foto: Andrzej Grygiel/PAP/dpa

Osnabrück. Der Frankfurter Auschwitz-Prozess soll ins Weltdokumentenerbe aufgenommen werden. Eine sinnvolle Nominierung für das Menschheitsgedächtnis – ein Kommentar.

Ins Welterbe gehören die herausragenden, also positiven Leistungen auf dieser Erde, möchte man meinen. Doch nun soll auch der 1. Auschwitz-Prozess vom Anfang der sechziger Jahren ins Dokumenten-Erbe aufgenommen werden, der den Blick in die tiefsten Abgründe der Menschheit eröffnet. Ist das sinnvoll?

Ja, muss die Antwort lauten. Denn nicht nur das Töten von Auschwitz-Häftlingen liegt präzise dokumentiert vor. Vor allem auch die unsagbar tapferen Aussagen von Überlebenden sind protokolliert. Sie mussten sich den eigenen quälenden Erinnerungen stellen und dazu der Skepsis der Befrager.

Zu welchem Maß an Grausamkeit und Gleichgültigkeit eine Diktatur und ihre Träger fähig sind, hat leider einen hohen Erinnerungswert für die Nachwelt. Doch wird mit einer Aufnahme ins Welterbe nicht etwa deutsche Schuld aufs Podest gehoben, die andere Nationen noch mehr als bisher je nach Bedarf bemühen dürfen. Nein, dieser Prozess hält für die gesamte Menschheit fest, wie tief diese sinken kann – und es in Abwandlungen weiterhin tut. Wenn sich die Unesco-Kommission positiv entscheidet, darf man jedenfalls sehr auf ihre Begründung gespannt sein.


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