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18.10.2017, 18:13 Uhr KOMMENTAR

Langermann-Sammlung: Gründe für Antisemitismus wissenschaftlich prüfen

Kommentar von Christine Adam

Erst 1961, dem Jahr des Eichmann-Prozesses erfuhr Holocaust-Überlebender Arthur Langermann vom Schicksal seiner Eltern. Im Bild NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann (2.v.l) während seiner Vernehmung am ersten Prozesstag vor dem Bezirksgericht in Jerusalem. Foto: dpaErst 1961, dem Jahr des Eichmann-Prozesses erfuhr Holocaust-Überlebender Arthur Langermann vom Schicksal seiner Eltern. Im Bild NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann (2.v.l) während seiner Vernehmung am ersten Prozesstag vor dem Bezirksgericht in Jerusalem. Foto: dpa

Osnabrück. Die Gründe für Antisemitismus anhand der Zerrbilder aus der Langermann-Sammlung wissenschaftlich zu überprüfen, ist sicherlich ein Gebot der Stunde – ein Kommentar.

Die riesige Sammlung von Zerrbildern, die der belgische Holocaust-Überlebende Arthur Langermann zusammengetragen hat, wirft Fragen auf. Wie ist ein so massiver Antisemitismus geschichtlich entstanden, und warum wächst er jetzt gerade wieder an?

Für das angeblich Andersartige der Juden und ihre soziale Isolation war die mittelalterliche Gesellschaft mitverantwortlich, indem sie Juden den Zugang zu den Handwerkszünften verwehrte. Fremdes schürt aber leicht Ängste, wie schließlich die monströsen Verschwörungstheorien der Nationalsozialisten zeigten.

Diese und andere negativen Emotionen nun anhand der Langermann-Sammlung wissenschaftlich zu untersuchen ist sicherlich ein Gebot der Stunde. Denn Vorurteile gegenüber ohnehin Ausgegrenzten und Stigmatisierten halten sich zäh über viele Generationen – weil der gesellschaftliche Druck fehlt, sie zu überprüfen und zu korrigieren. Auch Homo- oder Transsexuelle können ein Lied davon singen.

Fremdenhass hat viele Facetten, reale und irreale. Sie beide genau zu kennen heißt, ihnen entgegenwirken zu können.