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13.10.2017, 14:33 Uhr GEORGIEN IST GASTLAND 2018

Ehrengäste der Frankfurter Buchmesse: Kultur trifft Politik

Kommentar von Elke Schröder

Eine Besucherin greift auf der Buchmesse in Frankfurt nach einem Buch eines georgischen Verlages. Georgien ist 2018 das Gastland der Buchmesse Frankfurt. Foto: dpaEine Besucherin greift auf der Buchmesse in Frankfurt nach einem Buch eines georgischen Verlages. Georgien ist 2018 das Gastland der Buchmesse Frankfurt. Foto: dpa

Osnabrück. Ausblick auf die Frankfurter Buchmesse 2018: Das nächste Ehrengastland Georgien will den Auftritt auf der weltgrößte Buchmesse nutzen, sich wieder mit der „europäischen Familie“ zu vereinen, sagt Georgiens Kulturminister Mikheil Giorgadze. Mit dem Prestigeprojekt wurde von den Gastländern schon immer mehr als Literaturvermittlung verbunden.

Große Geschäfte mit dem Kulturgut Buch und große Politik gehen von jeher auf der Frankfurter Buchmesse Hand in Hand. Mal etwas weniger, mal etwas mehr ausgeprägt – wie in diesem Jahr. Das gilt vor allem für die Gastländer. So gewann der Auftritt des aktuellen Gastes Frankreich an Brisanz durch die Äußerungen seines neuen Präsidenten Emmanuel Macron zur Zukunft und zum Zusammenhalt Europas.

Zehn Jahre zuvor präsentierte sich die Region Katalonien selbstbewusst an diesem Ort als eigener Kulturraum. Im Vorfeld hatte dies einen heftigen „Sprachenstreit“ ausgelöst: Spanisch schreibende katalanische Autoren warfen den katalanischen Organisatoren vor, bei der Auswahl katalanisch Schreibende vorzuziehen. Angesichts des aktuellen Unabhängigkeitsreferendums in Katalonien wird nun im Rückblick deutlich, welch gesellschaftlicher Zündstoff damals in diesem Gastlandauftritt schlummerte.

Georgien dagegen bringt 2018 nicht nur sein eigenes Alphabet mit, sondern den Wunsch, sich mit der „europäischen Familie“ wieder zu vereinen. Beim Gastlandauftritt geht es also nicht nur um Übersetzungen, Kulturvermittlung und Prestige. Der Subtext ist immer auch ein gesellschaftspolitischer.


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