Folkrock aus Kalifornien „Flogging Molly“ lassen niemanden kalt

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Lädt zum Mitgröhlen ein: „Flogging Molly“-Sänger Dave King. Foto: Swaantje HehmannLädt zum Mitgröhlen ein: „Flogging Molly“-Sänger Dave King. Foto: Swaantje Hehmann

  Osnabrück. „Flogging Molly“ sind das, was früher einmal die „Pogues“ waren: die Messlatte für prima Folkrock. Am Freitag heizten die Kalifornier im ausverkauften Hyde Park dem Publikum ein.

Folk Rock geht ja immer; es ist die Art von Musik, mit der sich jede noch so müde Party in Gang bringen lässt. Und als der US-Ire Dave King vor mittlerweile auch schon 20 Jahren beschloss, dass das Ganze mit rockigem Schub noch besser klingt, war das vielleicht keine neue, aber vor allem auch keine ganz schlechte Idee. Auf der letzten Deutschland-Station ihrer aktuellen Tour verwandelten „Flogging Molly“ am Freitagabend den bis an die Grenzen des physikalisch Möglichen gefüllten Hyde Park in eine Partylocation, in der die Tanzfläche mal eben bis zu den Tresen und dem Parkplatz ausgedehnt wurde.

Warum auch nicht: Die Formation um King, der mit seinen 55 Jahren immer ein bisschen wirkt wie ein Hochschullehrer, der sich an den Wochenenden als Singer/Songwriter in Kneipen austobt – was der Wahrheit ja auch recht nahe kommt, da die Band ihren Namen Kings Stamm-Pub namens Molly Malone’s verdankt –, zog ein solides und ein Stück weit auch routiniertes Programm durch, das vom Publikum unter Zuhilfenahme sämtlicher Gliedmaßen abgefeiert wurde. Es gibt schlechtere Arten, die Woche ausklingen zu lassen.

„Kommt mir bekannt vor“

Was macht es da, wenn man - seien wir ehrlich - spätestens ab dem fünften oder sechsten Song durchaus das deutliche Gefühl bekommt, das alles so ähnlich doch schon mal gehört zu haben, und das vermutlich erst vor zehn Minuten. Aber egal; das Zappeln setzt trotzdem ganz automatisch ein – beim schnellen, mitunter punkrockigen Beat von „Flogging Molly“ ist es schwer bis unmöglich, sich nicht zu bewegen. Die Gleichung Geige plus Banjo plus Flöte plus Akkordeon plus klassischer Rockbesetzung gleich Stimmung geht wie immer auf, das würde sie vermutlich auch in jedem beliebigen Bierzelt. Denn auf die Musik von Flogging Molly können sich alle einigen – nicht weil sie, wie Chart-Radio-Pop, oberflächlich genug wäre, sondern weil sie schlicht Laune macht.

Auch wenn, was kaum jemand mitbekommt, die Texte von „Flogging Molly“ mitunter geradezu herzzerreißend traurig sind, etwa bei „Laura“. Macht nichts, von so was lässt sich der feierwütige Folkfan nicht die Stimmung verhageln, auch Melancholisches lässt sich zum „Flogging Molly“-Sound prima mitgröhlen. Immerhin heißt die Tour – wie auch das jüngste Album – ja auch „Life is good“. Dieser Freitagabend war es auf alle Fälle.


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