Anschläge veränderten die Welt Der 11. September 2001: Eine brutale Zäsur

Von Berthold Hamelmann


Osnabrück. Im September 2001 entführen Al-Kaida-Selbstmordattentäter in den USA vier Passagierflugzeuge und setzen sie als fliegende Bomben ein. 3000 Menschen sterben.

Der 11. September 2001 war ein Dienstag. In Deutschland schreckt um 14.56 Uhr die Eilmeldung der Deutschen Presse-Agentur die Menschen auf: „Flugzeug ins World Trade Center abgestürzt.“ Kurze Zeit später verkündet eine weitere Eilmeldung den Einschlag eines zweiten Flugzeugs in den bislang unbeschädigten Zwillingsturm des World Trade Center in New York. Schnell machen auch die entsetzlichen TV-Bilder der brennenden und schließlich einstürzenden 110-stöckigen Türme, die um den Globus gehen, jedem klar: Die Welt verändert sich gerade. Es dauert Stunden, bis das ganze Ausmaß der beispiellosen Terroraktion klar war, zu der auch ein Flugzeugangriff auf das Pentagon in Arlington (Virginia) bei Washington zählte. Die vierte Maschine mit Kurs auf Washington D.C. stürzt bei Shansville (Pennsylvania) ab. Passagiere hatten vergeblich versucht, die Entführer zu überwältigen.

Terror erreicht die USA

US-Präsident George Bush spricht Stunden später von einem „offensichtlichen Terroranschlag“ und einer „nationalen Tragödie“. Insgesamt sterben bei den Anschlägen mehr als 3000 Menschen, doppelt so viele werden verletzt. Offiziellen Quellen zufolge können sich etwa 15100 der 17400 Personen, die sich zum Zeitpunkt des Anschlags im New Yorker World-Trade-Center-Komplex aufhalten, aus den Gebäuden retten.

Die Anschläge bilden eine entscheidende Zäsur und veränderten die internationalen Beziehungen massiv. Die Ereignisse dieses Tages, die in Kurzform als 11. September, Nine-Eleven oder 9/11 bezeichnet werden, und die Reaktionen auf diesen terroristischen Massenmord halten die Welt bis heute in Atem. Die Bedrohungslage durch den islamistischen Terror entspannte sich in der Folgezeit nicht. Im Gegenteil – der islamistische Terror ist allgegenwärtig.

Nato-Bündnisfall

Unter dem Eindruck der Anschläge reagierte als Erstes die Weltmacht USA, die den Kampf gegen den Terror zum zentralen Ziel ihrer Außenpolitik erklärte und schnell Ernst machte. Zum ersten und bisher einzigen Mal wurde der Nato-Bündnisfall mit Verweis auf Artikel fünf des Nato-Gründungsvertrags ausgerufen. Der Nordatlantikrat stellte damals den Bündnisfall fest, da es sich nach seiner Einschätzung um einen Anschlag aus dem Ausland auf die Vereinigten Staaten handelte. Das Taliban-Regime in Afghanistan wurde als Schutzmacht der Terroristen identifiziert. Am 7. Oktober 2001 marschierten Nato-Truppen unter amerikanischer Führung in Afghanistan ein. Zwar schlossen sich Nato-Mitglieder wie Deutschland und Großbritannien dem von den USA geführten Kampfeinsatz an, einen kollektiven Nato-Einsatz gab es jedoch nicht. Die Nato übernahm erst nach dem Sturz der Taliban die Führung der Schutztruppe Isaf.

Einmarsch in den Irak

Osama bin Laden, Drahtzieher der Flugzeugattentate und Kopf des Terrornetzwerks Al-Kaida, wurde am 2. Mai 2011 in seinem Unterschlupf im pakistanischen Abbottabat von US-Spezialkräften erschossen.

Knapp zwei Jahre nach dem Start des Afghanistan-Krieges marschierten die USA und ihre Verbündeten allerdings ohne UN-Mandat im März 2003 in den Irak ein – angeblich ein präventiv geführter Einsatz im Rahmen des „Kriegs gegen den Terror.“ Da sich alle Vorwürfe und angeblichen Beweise über Massenvernichtungswaffen des Irak als unwahr entpuppten, hält bis heute die Diskussion um die Notwendigkeit dieses Einmarsches an, der den Irak in einen blutigen Bürgerkrieg stürzte. Unter der Regierung von US-Präsident Barack Obama erfolgte die Abkehr von der Doktrin „Kampf gegen Terror“. Als amtierender US-Präsident setzt Donald Trump wiederum auf militärische Härte im Kampf gegen islamistischen Terror und kündigte etwa für Afghanistan ein neuerliches, stärkeres Eingreifen an.


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