Roman von Elena Ferrante Dritter Teil der Tetralogie „Meine geniale Freundin“ erscheint

Von Verena Hoenig

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Berlin. Die Romantetralogie „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante, dem Pseudonym einer italienischen Autorin, ist international enorm erfolgreich, bei Kritikern wie Lesern. Am 28. August erscheint in Deutschland der dritte Teil unter dem Titel „Die Geschichte der getrennten Wege“.

Voller Scharfsinn und Dramatik erzählt die italienische Autorin Elena Ferrante in ihrer Tetralogie „Meine geniale Freundin“ von der ambivalenten Freundschaft der beiden neapolitanischen Mädchen Lila und Lenù. Die Saga setzt in den 1950er Jahren ein und endet im Jahr 2010 mit dem spurlosen Verschwinden der 66-jährigen Lila. Für Lenù der Anlass, sich auf die Suche nach ihr und ihrer gemeinsamen Vergangenheit zu machen.

Der 28. August wird ein Freudentag für die große, stetig wachsende deutsche Leserschaft sein, denn dann erscheint die Übersetzung des dritten Bandes, „Die Geschichte der getrennten Wege“. Von Band Eins und Zwei sind zusammen auf dem deutschsprachigen Markt bisher über 750000 Exemplare verkauft worden.

Die zwei überdurchschnittlich intelligenten Mädchen wachsen im Rione auf, einem von Armut, dem organisierten Verbrechen und Familienfehden geprägten Vorstadtviertel Neapels. Bereits als Kinder beschließen Lila und Lenù, diesem Milieu zu entfliehen und müssen sich etlichen Herausforderungen stellen. So darf die Schusterstochter Lila zum Beispiel keine weiterführende Schule besuchen und heiratet mit 16 Jahren. Obwohl ihre Freundschaft oft auf die Probe gestellt wird, bleiben sie einander die wichtigsten Menschen. Im neuen Teil bekommen sie, inzwischen junge Frauen, Kinder und ringen weiter um sozialen Aufstieg, Erfolg – und Liebe. Unglücklicherweise verzehren sich Lila und Lenù nach dem gleichen Mann.

Kritiker wie Leser, darunter viele Prominente, übertreffen sich in ihren Lobeshymnen. Hillary Clinton findet die Romane „hypnotisch“, es ist vom „ersten wahren Klassiker des 21. Jahrhunderts“ die Rede, manche rufen lautstark nach dem Literaturnobelpreis. Die Autorin selbst bleibt der Öffentlichkeit fern. Bei Elena Ferrante handelt es sich um ein Pseudonym. Ist „die große Unbekannte der Weltliteratur“, wie sie nicht nur von ihrem deutschen Verlag genannt wird, ein Marketing-Coup? Mitnichten, denn Elena Ferrante benutzt bereits seit 25 Jahren diesen Namen. Ruhm sei ihr zuwider, hat sie in schriftlichen Interviews erklärt und die Fixierung auf den Autor schade nur dessen Büchern. Das ändert jedoch nichts daran, dass sie als eine der wichtigsten italienischen Gegenwartsautorinnen gilt.

Im Herbst 2016 behauptete der Journalist Claudio Gatti, hinter Ferrante stecke die römische Übersetzerin Anita Raja. Seine sensationsheischende Enthüllung, die Ferrantes Wunsch nach Anonymität offenkundig nicht respektiert, haben viele verurteilt. Ferrante bestätigte die Aufdeckung ihrer Identität, bat aber darum, weiterhin in Ruhe schreiben zu können.

Den meisten Lesern, unter denen erstaunlich viele Männer sind, wird das Geheimnis um die Autorschaft herzlich egal sein. Sie wollen einfach wissen, wie es mit Lila und Lenù weitergeht und werden, kaum dass sie den dritten Band gelesen haben, den vierten herbeisehnen. An diesem arbeitet die preisgekrönte Übersetzerin Karin Krieger gerade mit Hochdruck. Das Finale der Romantetralogie erscheint voraussichtlich am 5. Februar 2018. Die Geschichte der ungleichen Freundinnen wird als Serie verfilmt werden. Ferrante schreibt zwar nicht das Drehbuch, ist aber in ständigem Kontakt mit den Produzenten.

Deutschland hat den Ferrante-Hype erst einmal verschlafen. Während er in den USA und anderen Ländern schon 2013 begann, ging er hierzulande erst vor elf Monaten, mit Erscheinen des Auftaktbandes, los.


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