Maler mit dem Rakel Künstler Karl Otto Götz mit 103 Jahren gestorben


Osnabrück. Karl Otto Götz ist tot. Der Meister der informellen Malerei starb im Alter von 103 Jahren. Götz prägte die Kunst nach 1945, auch als Lehrer von Kunststars wie Gerhard Richter und Sigmar Polke.

Jedes Bild ein Sturm, jeder Malakt eine Explosion: Karl Otto Götz war der deutsche Action Painter. Als prominenter Vertreter des Informel prägte der 1914 in Aachen geborene Maler die deutsche Kunst nach 1945 maßgeblich mit. Götz hatte auch als Lehrer großen Einfluss. Der Künstler, der von 1959 bis 1979 Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie war, bildete eine ganze Reihe späterer Kunststars aus, darunter die Malerstars Gerhard Richter, Sigmar Polke, Gotthard Graubner wie auch den umtriebigen Aktionskünstler HA Schult. Wie die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. in Bonn am Montag, 21. August 2017 unter Berufung auf die Familie des Künstlers mitteilt, ist Götz am Samstag, 19. August 2017 im Alter von 103 Jahren gestorben. Hier weiterlesen: „Jonction“ - das Bild zur Deutschen Einheit.

Malverbot im Dritten Reich

Sein hohes Alter machte Götz ebenso wie den inzwischen 97 Jahre alten Pierre Soulages zu den letzten Vertretern und Zeitzeugen des Neustarts der Kunst nach 1945. Der Künstler hatte ab 1932 die Kunstgewerbeschule in Aachen besucht, ab 1933 seine ersten, in der Nachfolge des Surrealismus stehenden abstrakten Bilder gemalt, bevor die Nationalsozialisten Götz mit einem Malverbot belegten. Der Künstler hielt Kontakt zu den revolutionären Tendenzen seiner Zeit, besuchte Willi Baumeister, der mit seinem Buch „Das Unbekannte in der Kunst“ (1947) zu einem wichtigen Stichwortgeber der Abstraktion avancierte, und wurde einziger Deutscher Mitglied der internationalen Künstlergruppe CoBrA. Der Maler gehörte mit Künstlern wie Emil Schumacher und Bernard Schultze zu den wichtigen Vertretern des deutschen Informel. Götz war auf wichtigen Ausstellungen vertreten - von der Documenta 1959 bis zu der großen Retrospektive, die ihm 2013 in der Neuen Nationalgalerie in Berlin ausgerichtet wurde. Hier weiterlesen: Karl Otto Götz - Maler mit 103 Jahren.

Bilder zum Mauerfall

Götz perfektionierte über die Jahre seine sekundenschnelle Maltechnik mit großen Raklen, mit denen er die Farbe über Leinwände schleuderte und Weißräume einfügte. Götz verfuhr dabei nach genau kalkulierten Entwürfen, die er dann in eruptiven Malakten umsetzte. Seine turbulent bewegten Bildschöpfungen avancierten zu dem Markenzeichen des Künstlers Karl Otto Götz. Unpolitisch waren seine gegenstandslosen Bilder hingegen nie. Götz verarbeitete in Bildern wie „Moga“ 1977 den Terror der RAF, er reflektierte 1990/1991 in seiner Serie „Jonction I-III“ die deutsche Wiedervereinigung als Zusammenprall heftiger sozialer Energien. Zuletzt reagierte der hoch betagte Künstler mit Bildern noch auf die Terroranschläge vom 11. September 2001.

Der zuletzt erblindete Götz blieb bis an sein Lebensende produktiv. In seinem Atelier im Westerwald fertigte der Künstler zuletzt Serien von Keramiken sowie Stahlreliefs. Seine intensiv bewegten Bildsprache blieb er dabei treu. Götz gehöre zu jenen Künstlern, die Deutschland nach 1945 „die kulturelle Würde“ zurückgegeben hätten, sagte Walter Smerling, Direktor des Museums Küppersmühle in Duisburg, in einer ersten Reaktion.


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