Philosophie mit Kalauern René von Sydow begeistert bei Kultur im Innenhof

Von Marie-Luise Braun

Bissig: René Sydow. Foto: Hermann PentermannBissig: René Sydow. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Erstmals ist der Kabarettist René Sydow in Osnabrück aufgetreten. Er begeisterte bei „Kultur im Innenhof“ mit seinem Programm „Warnung vor dem Munde.

Osnabrück. Licht an und los geht‘s: In den ersten zwei Minuten seines Auftritts im Haus der Jugend gibt René Sydow die Richtung vor, an die sich der Kabarettist den gesamten Abend halten wird: Bissigster Spott, der auf tiefen Gedanken fußt und für kurze Momente in den Kalauer abdriften kann. Und vor allem: Tempo, Tempo, Tempo.

„Warnung vor dem Munde“ ist das Programm betitelt, das den 37-Jährigen erstmals nach Osnabrück führt. Er denkt und spricht so schnell, dass das Publikum an manchen Stellen mit seiner Reaktion hinterherhoppelt. Manche Pointen müssen erst ihren Weg in die Köpfe finden, so dass Applaus und Gelächter zeitverzögert einsetzen. Anderes rutscht ansatzlos ins Zwerchfell und sorgt dort für kleine und größere Erdbeben.

Er habe sich das Wahlprogramm der AfD durchgelesen, sagt Sydow und merkt an: „Man sollte Frauke Petry in den Bildungsurlaub schicken. Aber um braun zu werden, kann man auch in Sachsen bleiben“, schießt er gegen die Partei, die sich in ihrer Ausrichtung natürlich von der NPD unterscheide: „Durch das Gründungsdatum.“

Tagespolitische Ereignisse reißt René Sydow nur kurz an. Ihm geht es um Tieferes – und so landet er oftmals beim Gesamtgesellschaftlichen, bei Grundsatzfragen, in der Philosophie des Alltags und bei der Moral. Dabei nimmt er dem Gesagten schon allein durch sein Tempo jeglichen Anflug von Schwerfälligkeit oder Langeweile. Und er lockert das Gesagte dadurch auf, dass er urplötzlich Kalauer oder flache Witze einbastelt – für die er sich umgehend entschuldigt und den Unschuldigen mimt. Denn mehrfach schlüpft Sydow in Rollen fingierter Gesprächspartner, die allesamt versuchen, ihm Witze für sein Bühnenprogramm mit auf den Weg zu geben.

Seine Motivation erläutert der Künstler, noch bevor er die Bühne betritt: „Und dann sitzt der Kabarettist hinter der Bühne und fragt sich, was ist denn heute alles so passiert.“ Er nennt den Dieselgipfel und andere Beispiele, um dann fortzufahren: „Unterdessen wurden heute drei Tierarten ausgerottet, 70.000 Hektar Regenwald wurden vernichtet und 100.000 Menschen sind verhungert. Und dann denkt er sich, das kann man ja nicht so stehen lassen. Da muss man ja irgendwas sagen, irgendwas tun.“ Währenddessen betritt er in Schlips und Kragen die Bühne.

Gottesfurcht heiße es, und Heidespaß erwähnt der bekennende Agnostiker kurz vor dem Ende des kurzweiligen Abends bei „Kultur im Innenhof“. Deshalb habe er sich für Letzteres entschieden, sagt René Sydow und: „Ich hab‘s gern lustig.“ Was für eine Bereicherung für das Kabarett!


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