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Bildgewaltig Glänzend besetzt und umgesetzt: „Baby Driver“

Von Frank Jürgens


Osnabrück In „Baby Driver“ berauscht Edgar Wright sein Publikum mit einer spannenden Actionballade um einen Fluchtwagenfahrer und dessen Gangsterboss (Kevin Spacey).

Schon im zarten Knabenalter von zwölf Jahren stahl Baby ( Ansel Elgort) leidenschaftlich gerne Autos. Eines davon gehörte Gangsterboss Doc Kevin Spacey („House of Cards“). Dadurch ist Doc viel Geld durch die Lappen gegangen. Seitdem muss der talentierte Fahrer Baby seine Schulden als Fluchtwagenfahrer abarbeiten.

Nun, als junger Mann, glaubt er, seinen unfreiwilligen Job endlich an den Nagel hängen zu können, um mit seiner frischgebackenen Freundin Debora ( Lily James) ein neues Leben anfangen zu können. Allerdings muss er schnell feststellen, dass er die Rechnung ohne den erpresserischen Doc gemacht hat. Dann geraten die Dinge für alle Beteiligten gründlich aus dem Ruder...

Mit seinem neuesten Film „Baby Driver“ hat sich der detailversessene Perfektionist Edgar Wright (Buch und Regie) noch einmal neu erfunden. Während er bisher mit Vorliebe auf absurde Situationen und schräge Figuren setzte, die in der sogenannten „Cornetto-Trilogie“ mit den Genre-Persiflagen „Shaun of the Dead“, „Hot Fuzz“ und schließlich „ The Word’s End „ markante Höhepunkte fanden, präsentiert er nun einen schnörkellosen Action-Thriller, der einen wahren Bilderrausch entfesselt.

Luftgitarre

Ähnlichkeiten und Unterschiede zu Nicolas Winding Refns arg unterkühltem Thriller „Drive“ werden gleich in der Eingangssequenz herausgestellt. In beiden Filmen bleiben die Kameras bei ihren Protagonisten, während die Fahrgäste ihren Raubüberfall begehen. Doch während der Fahrer bei Refn in konzentrierter Ruhe verharrt, reagiert sich Wrights Titelfigur zu den Klängen von „Bellbottoms“ der Jon Spencer Blues Explosions erst einmal an der Luftgitarre und anderen imaginären Musikinstrumenten ab. Dann dient die Musik Baby aber vor allen Dingen als Taktgeber für den minutiös durchgeplanten Überfall nebst anschließender Fluchtfahrt. Gerät etwas aus dem Takt, dann muss das Stück auf dem iPad halt ein wenig zurückgefahren werden.

Schwierige Szene: Kaffee holen

Sowieso spielen in „Baby Driver“ die Musik und der Rhythmus eine übergeordnete Rolle, sind weitaus mehr, als nur Selbstzweck. Der zeitlose Soundtrack enthält Rock bis Pop von den Beach Boys über The Damned bis zu Blur. Und Wright unterwirft sämtliche Szenarien dem Takt der jeweiligen Musik. Das gilt nicht nur für aufwändige Verfolgungsjagden („Radar Love“ von Golden Earring), sondern auch für eigentlich vollkommen unspektakuläre Szenen wie die herausragende Titelsequenz. Die erhält ihren ganz besonderen Reiz dadurch, dass sie zu den Klängen von Bob & Earls „Harlem Shuffle“ als mitreißend choreographierte Plansequenz ohne einen Schnitt auskommt. Kein Wunder, dass diese Szene, in der Baby eigentlich nur Kaffee holen geht, insgesamt 28 mal gedreht werden musste, bevor sie im Kasten war.

Bei all den detailversessenen und bildgewaltigen Spektakeln geraten die handverlesenen Darsteller beinahe ein wenig ins Hintertreffen. Stars wie Jon Hamm („Mad Men“) als misstrauischer Gegenspieler von Baby, Jamie Foxx („Django Unchained“) als völlig durchgeknallte Type und – Ehrensache bei einem Film, in dem es um so viel Musik geht – Flea von den Red Hot Chili Peppers fallen trotz ihrer Prominenz kaum ins Gewicht. Was dem rauschhaften Sog des Filmes aber keinen Abbruch tut.