Von Pierre Huyghe bis Ayse Erkmen Skulptur Projekte Münster 2017: Die fünf Highlights

Kleines Arkadien an der Promenade: Nicole Eisenmans „Skizze für einen Brunnen“. Eine der Figuren wurde inzwischen von unbekannten Tätern beschädigt.  Foto: Michael GründelKleines Arkadien an der Promenade: Nicole Eisenmans „Skizze für einen Brunnen“. Eine der Figuren wurde inzwischen von unbekannten Tätern beschädigt. Foto: Michael Gründel

Münster. Fünf Werke, die wir nicht vergessen werden: Die Münsteraner Skulptur Projekte 2017 begeistern mit Abraumskulptur und Wassersteg. Ein Blick auf die Highlights der Skulpturenschau.

Kunst im Asia-Laden: Mika Rottenbergs Installation in der Gartenstraße. Foto: Michael Gründel

Videowelt im Asia-Laden

Wo bleiben die Alternativen? Mike Rottenberg weist Wege zu neuer Hoffnung, ausgerechnet in einem abgewickelten Asia-Laden an der Gartenstraße. An Billigregalen, Nippesfiguren und Schwimmreifen vorbei geht es durch das Labyrinth der Ladenkammern in einen Videoraum. Das Video zeigt die Grenzmauer, die Amerika und Mexiko trennt und mit der sausenden Fahrt durch einen imaginären Tunnel ein Röhrensystem, das Billigläden und Asia-Restaurants zum Netz einer alternativen Globalisierung verbindet. Diese neue Vernetzung bringt kleine Ladenbesitzer und Händler zusammen. Konzerne bleiben bei diesem subversiven Kontaktsystem außen vor. Rottenberg deutet eine Neugründung der vernetzten Wirtschaftswelt an. Die argentinische Installationskünstlerin macht aus dem ganzen Lädchen eine Installation, die das Bild einer Wirtschaft von unten entwirft. Hier weiterlesen: Was sind eigentlich die Skulptur-Projekte? Ein Porträt in Fragen und Antworten.

Foto: Henning Rogge

Roboter an die Macht?

Bei Hito Steyerl werden Roboter darauf trainiert, das Regiment zu übernehmen. Techniker testen mit Schubsern und Tritten ihre Stressresistenz. Und ihre Fähigkeit, sich immer besser selbst zu steuern. Früher ein Blechkasten, heute auf dem Weg zum Menschenersatz - Hito Steyerl inszeniert im Gebäude der Landesbausparkasse West an der Himmelreichallee mit ihrer Videoinstallation den Beginn einer Evolution, die den Menschen nicht mehr braucht. Die künstliche Intelligenz kommt. Davon erzählt Steyerl, österreichische Medienkünstlerin und absoluter Hype unter Kunstkuratoren, in ihrer Installation „HellYeahWeFuckDie“. Den Titel ihrer Zukunftsvision hat sie aus den fünf in den englischsprachigen Hits der letzten zehn Jahre am häufigsten verwendeten Wörter zusammengesetzt. Von Hölle bis Tod - weniger Hoffnung geht kaum. Aus Monitoren, Stahlrohren und Blechen baut Steyerl ihre Medienskulptur, die von Utopieverlust erzählt, und stimmt sie perfekt auf das kühle Bankfoyer ab. Hier weiterlesen: Wie entstehen die „Skulptur-Projekte 2017? Ein Werkstattbericht.

Foto: Michael Gründel
 

Kunst als große Zeitdiagnose

Mit der Frage nach dem Zustand des öffentlichen Raumes visieren die Münsteraner Skulptur Projekte, ähnlich wie die Kasseler Documenta, in regelmäßigem Abstand die große Zeitdiagnose an. Im öffentlichen Raum kreuzen sich die Einflusslinien von Politik und Ökonomie, von Verwertung und Protest. Die Skulpturen wirken in diesem Raum wie Störaktionen - fremd und erhellend zugleich. Kunst sickert in den Raum der Stadt ein, schafft unerwartet neue Situationen. Die letzte Ausgabe der Skulptur Projekte präsentierte sich vor zehn Jahren politisch, bisweilen kämpferisch. Kunst bezog Position gegen Unterdrückung, Vergessen, Fremdbestimmung. Doch die Kampflinien von 2007 sind unscharf geworden. 2017 schauen Künstlerinnen und Künstler schon wieder weiter. Sie sehen die Welt wirklich am Scheideweg. Und machen die passende Kunst dazu. Hier weiterlesen: Die Skulptur Projekte Münster 2017 - das Kunstereignis in der Kritik.

Pierre Huyghes „After ALife Ahead“ in der Ehemaligen Eissporthalle. Foto: Michael Gründel
 

Riesenskulptur aus Abraummaterial

Schollen mit scharfen Kanten, Hügel aus feuchtem Lehm, dazwischen Tümpel, in denen die Ursuppe einer noch ungewissen neuen Schöpfung schwappt: Pierre Huyghe hat die alte Eissporthalle in ein genau kalkuliertes Chaos verwandelt. Huyghe liefert mit „After ALife Ahead“ die Chiffre auf eine Welt in Auflösung. Seine Abraumwüste kann als gigantische Skulptur gelesen werden, die gerade in ihrer massigen Präsenz Formlosigkeit zum irritierenden Erlebnis macht. Diese Urlandschaft im Abrissgebäude wird als wuchtigster Klotz der fünften Skulptur Projekte in Erinnerung bleiben. Und als Symbol eines Raumes, der dem Menschen nicht mehr gehört, sondern nur noch einer ungewissen Zukunft, die womöglich ohne Menschen auskommen wird. Der französische Künstler Pierre Huyghe lässt an Kratern Krebszellen wuchern, über der künstlichen Einöde Bienen brummen. Dieses Kunstwerk markiert einen absoluten Grenzpunkt. Das macht es so eindrucksvoll. Hier weiterlesen: Eine Stadt wird Kunst - mit dem Fahrrad zu den Skulptur Projekten in Münster.


Skulptur Projekte Münster 2017: Die Infos

Das Format

Skulptur Projekte Münster 2017

10. Juni – 1. Oktober 2017

www.skulptur-projekte.de

mail@skulptur-projekte.de

T +49 (0) 251 5907500

Der Eintritt ist frei. Die meisten Projekte sind im Außenraum frei zugänglich.

Das Museum

LWL-Museum für Kunst und Kultur

Domplatz 10, 48143 Münster

Öffnungszeiten

Mo bis So 10-20 Uhr

Freitag 10-22 Uhr

Infopoints

Service-Point am Hauptbahnhof Münster

Infopoint am LWL-Museum für Kunst und Kultur

Infopoint am Pumpenhaus, Gartenstraße 123, 48147 Münster

Informationen zu Touren und Workshops

T +49 (0) 251 2031 8200

service@skulptur-projekte.de

Online-Buchung möglich unter: www.skulptur-projekte.de

Fahrradverleih (am LWL-Museum für Kunst und Kultur)

Online-Buchung möglich unter: www.skulptur-projekte-bybike.de

Apps zu den Skulptur Projekten

Skulptur Projekte App: apps.skulptur-projekte.de

Eine Navigations-App zu den Werken der Skulptur Projekte 2017. Kostenlos für Android und iOS.

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