Künstler arbeiten mit Dürersammlung „Dürer + Ich“: Ausstellung in Osnabrück

So sieht Melancholie heute aus: Mäzen Hans-Wolf Sievert (links) und Museumsdirektor Nils-Arne Kässens zeigen ein Bild von Sascha Boldt und Ann Schomburg, das in der Ausstellung „Dürer + Ich“ zu sehen ist. Foto: Swaantje HehmannSo sieht Melancholie heute aus: Mäzen Hans-Wolf Sievert (links) und Museumsdirektor Nils-Arne Kässens zeigen ein Bild von Sascha Boldt und Ann Schomburg, das in der Ausstellung „Dürer + Ich“ zu sehen ist. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Was sagt uns Albrecht Dürer heute? Zwölf Künstlerinnen und Künstler zeigen jetzt im Kulturgeschichtlichen Museum Werke, die in Auseinandersetzung mit der Osnabrücker Dürer-Sammlung entstanden sind.

Der Mann hatte einfach tolles Haar. Peter Möller hat Albrecht Dürers wallende Mähne filigran mit Bleistift gezeichnet. Er ist auch sonst vom Nürnberger Meister nicht losgekommen. Vor der Zeichnung hat er im Kulturgeschichtlichen Museum sein Atelier wie einen Versenkungsort ausgebreitet. Fast-Food-Tüten, Zeichenblock, allerlei Künstlerchaos, der Dürer-Bildband: Dürer hat ihn. Und wie. Hier weiterlesen: Kulturgeschichtliches Museum hat ein Dürer-Labor.

Zwölf Positionen ausgesucht

Als „spannenden Prozess der Aneignung“ stellt Museumsdirektor Nils-Arne Kässens das Projekt „Dürer + Ich“ vor. Gemeinsam mit Kurator Thorsten Heese und Julia Schuster vom Strabag Kunstforum Wien hat er aus 35 Einsendungen zwölf Positionen ausgesucht, die nun gemeinsam mit ihrem Anreger gezeigt werden. Neben den Gemälden, Zeichnungen, Objekten und Installationen der zeitgenössischen Künstler, von denen fünf aus der Region Osnabrück kommen. Unter ihnen findet sich auch Peter Möller aus Melle. Hier weiterlesen: Künstlerprojekt zu den Grafiken Albrecht Dürers.

Museum als Labor

Das Museum als Labor, die durchlässige Sammlung: Nils-Arne Kässens konkretisiert mit dem Dürer-Projekt Stichwörter, mit denen er sein Konzept für das Museumsquartier umreißt. Jetzt geht es darum, die Osnabrücker Dürer-Sammlung aus ihrer Vergessenheit zu holen. Das Ergebnis des „abenteuerlichen Projektes“ sei gut, sagte Sven Jürgensen vom Presseamt der Stadt als Initiator des Projektes. Die Ergebnisse fallen denkbar gegensätzlich aus. Dabei liefern Sascha Boldt und Ann Schomburg aus Berlin die wuchtigsten Werke. Auf wandfüllenden Gemälden beschwören sie die Apokalypse, der Dürer einen seiner berühmten Bilderzyklen widmete, als Gewimmel aus katastrophischen Internetbildern von Vulkanausbruch bis Schiffsuntergang. Das der Melancholie gewidmete Gemälde meint nicht mehr Dürers Bildformel von kreativer Versenkung, sondern zielt ganz direkt auf die Todessehnsucht junger Leute von heute. Hier weiterlesen: Nicht nur der Dürer-Hase - Tiere in der Kunst.

Einheitliche Weltsicht?

Dürer regt an. Das ist angesichts dieser Ausstellung sicher. Aber er begründet heute keine einheitliche Weltsicht mehr. Der Meister des Kupferstichs lebte in einem Vorstellungsuniversum, das von Spiritualität und dem Aufbruch in eine neue Ära selbstbewussten Lebens gekennzeichnet war. Das gibt es heute so nicht mehr. Den besten Beleg dafür liefert Marion Tischler, die die Welt der Cosplayer mit Gestalten in Fellüberzügen zitiert. Der Mensch als Zwitter aus Ich und mythisch überhöhter Rolle – ob das mit Dürer zu tun hat? Die positive Antwort auf diese Frage gibt in dieser Ausstellung nicht den Ausschlag. Denn man kann nah an dem Meister bleiben, wie Rosa Jaisli aus Bremen, die Motive aus Dürers Kosmos in filigrane Papierschnitte übersetzt, oder dem Nachhall seiner Werke lauschen. Dazu verhilft nun Hans Castrup aus Osnabrück, der Dürers Apokalypse in drei hoch aufragende Gemälde und eine düstere Klangcollage übersetzt. Hier weiterlesen: Zum Weltkatzentag - Katzensprung durch die Kulturgeschichte.

Neue Einrichtung

Mit 35000 Euro hat die Sievert-Stiftung das Projekt ermöglicht. Teil zwei des Dürer gewidmeten Vorhabens soll laut Kässens gegen Jahresende folgen. Dann wird die Dürer-Sammlung neu eingerichtet – wohl ohne die bisher genutzten Möbel Daniel Libeskinds. Der Architekt des Felix-Nussbaum-Hauses galt bislang als Hausheiliger.


„Dürer + Ich“: Die Künstlerliste

Sascha Boldt (Berlin), Hans Castrup (Osnabrück), Nikola Dicke (Osnabrück), Marianne Garbe (Oldenburg), Linda Günther (Bremen), Ricarda Hoop (Leipzig), Rosa Jaisli (Bremen), Hao-Peng Liang (Dalian/China), Peter Möller (Melle), Ann Schomburg (Berlin), Marion Tischler (Osnabrück), Christine Wamhof (Osnabrück)

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