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14.07.2017, 17:23 Uhr

Terrorfinanzierung mit Kunst: Einfuhrverbot reicht nicht aus

Kommentar von Johannes Giewald

Auf dem Schwarzmarkt sollen mit dem Handel von antike Kulturgütern zwei bis fünf Milliarden Euro umgesetzt werden. Foto: Norbert Försterling/dpaAuf dem Schwarzmarkt sollen mit dem Handel von antike Kulturgütern zwei bis fünf Milliarden Euro umgesetzt werden. Foto: Norbert Försterling/dpa

Osnabrück. Mit dem Verkauf von Raubkunst finanzieren sich Terrororganisationen wie der Islamische Staat. Ein EU-weites Einfuhrverbot von Kulturgütern ist trotz neuer Richtlinien nicht effektiv genug, findet unser Kommentator.

Wenig einfallsreich hat sich die EU bei der Bekämpfung des illegalen Kunsthandels bislang gezeigt. Zwar ist die Einfuhr von Kulturgütern aus dem Irak und Syrien verboten, wegen unterschiedlicher Anwendung des Verbots ist dies aber einfach zu umgehen. Das hätte längst auffallen müssen. Die Regelung für den Irak gibt es schließlich schon seit 2003.

Mit der Festlegung von einheitlichen rechtlichen Bestimmungen korrigiert die EU ihre Nachlässigkeit. Damit ist es aber noch nicht getan. Den Handel mit Raubkunst nennt Interpol ähnlich lukrativ wie den Drogen- und Waffenhandel. Brüssel muss daher damit rechnen, dass Schmuggler auch hier Schlupflöcher suchen und finden werden. Es gilt daher, gerade Länder wie Italien und Griechenland zu unterstützen. Wo die Grenzbehörden mit der großen Zahl ankommender Flüchtlingen überstrapaziert sind, könnten Schmuggler den einfachsten Zugang zur EU finden.

Gleichzeitig sollte innerhalb der Europäischen Union – ähnlich wie bei Drogen – Besitz und Handel solcher Kulturgüter stärker geahndet werden. Damit könnte die Nachfrage sinken. Wer um strikte Strafverfolgung weiß, wird vorsichtiger vor einem Kauf.


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