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12.07.2017, 17:51 Uhr KOMMENTAR: ABGESETZTES BALLETT

Blamables Verschweigen

Kommentar von Christine Adam

Der russische Tänzer, Choreograf und Ballettdirektor Rudolf Nurejew. Foto: dpaDer russische Tänzer, Choreograf und Ballettdirektor Rudolf Nurejew. Foto: dpa

Osnabrück. Es ist erschütternd, wie momentan an den Rändern von Europa Toleranz bröckelt. Die russische Kulturpolitik glaubt, mit Verboten Homosexualität ausblenden zu können. Doch damit schürt sie nur den Widerstand – ein Kommentar.

Es ist erschütternd, wie momentan an den Rändern von Europa Toleranz bröckelt. Die russische Kulturpolitik glaubt, mit Verboten Homosexualität ausblenden zu können. Doch damit schürt sie nur den Widerstand. Wer sich wegen seiner sexuellen Orientierung ungerecht behandelt fühlt, wird mit seiner Kritik daran nicht hinterm Berg halten.

Es nützt auch nichts, Wahrheiten ausblenden zu wollen. Der weltberühmte Tänzer Rudolf Nurejew war nun einmal schwul. Ein Ballett über ihn abzusetzen, das das nicht verschweigt, ist blamabel. Genauso wie der Versuch, die Romanze des russischen Thronfolgers Nikolaus mit der polnischen Ballerina Matilda Kschessinsjkaja unter den Tisch zu kehren. Dessen Heiligsprechung hat diese Affäre schließlich auch nicht verhindert.

Was verschwiegen wird, das gibt es nicht – diese Vogel-Strauß-Politik nutzen autoritäre Regierungen immer wieder, um Unliebsames loszuwerden. Und schüren mit Erfolg eine Stimmung in der Bevölkerung, die Homosexualität wieder stigmatisiert oder gar zur Krankheit degradiert. Wie manipulierbar Volkes Meinung da ist, gehört zu den wirklich erschreckenden Phänomenen.

Selbst die übelsten Fehler der Geschichte wiederholen sich, wenn man nichts dagegen unternimmt. Wer das nicht glaubt, braucht sich nur umzuschauen.


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