Ohne Anfang und Ende „Loop-Pool“-Projekt zeigt Kunstperfomance

<em>Langzeitperformance: </em>Durch permanente Berührungen verändert die kolumbianische Künstlerin Diana Milena Vega die Skulptur. Foto: Gert WestdörpLangzeitperformance: Durch permanente Berührungen verändert die kolumbianische Künstlerin Diana Milena Vega die Skulptur. Foto: Gert Westdörp

Wallenhorst. Künstlerische Prozesse in Aktion werden Besucher am kommenden Wochenende im und rund um das Ruller Haus erleben können. „Loop-Pool“ nennt sich das Projekt, an dem zwölf Künstler und ein Musiker beteiligt sind, die ihre Arbeiten vor den Augen des Publikums entstehen lassen.

Der Begriff Loop wird in der Musik benutzt, wenn Tonfolgen und Klangsequenzen in einer Endlosschleife ständig wiederholt werden. Bezogen auf die Kunst sind damit Schaffensprozesse gemeint, die ohne Anfang und ohne Ende aufgenommen und wieder fallen gelassen werden. Diesem Durchschleifen werden die Künstler, die an dem Kunstfestival teilnehmen, auf die Spur kommen. So jedenfalls wünscht es sich Elisabeth Lumme, die das Konzept für das Aktionswochenende entworfen hat. „Wir wollen künstlerische Werke als Kreislauf zwischen Entstehen und Vergehen präsentieren“, sagt Lumme.

Dafür hat sie internationale Künstlerinnen und Künstler eingeladen. Zum Beispiel Karin Kopka-Musch, die in der „Schulmeisterstube“ des Ruller Hauses mit feuchtem Tuch oder Pinsel auf eine Schultafel malt. Nach kurzer Zeit verschwinden die dunklen Spuren, hinterlassen vielleicht zaghafte Kalklinien. Gegen diese verdunstende Kunst malt Kopka-Musch während ihrer Performance pausenlos an. Ende offen.

Akt der Zerstörung?

Schon jetzt hat die Kolumbianerin Diana Milena Vega mit einer Aktion begonnen, mit der sie religiöse Riten ihrer Heimat hinterfragt.

In Lateinamerika ist es üblich, Jesus-Figuren nach dem Gebet zu berühren. Das tägliche, hundertfache Anfassen hinterlässt natürlich Spuren, sodass die Skulpturen nach einer gewissen Zeit restauriert werden müssen – zum Beispiel in der Werkstatt ihres Vaters in Bucaramanga. Von dort stammt die Gipsfigur, die Vega jetzt an fünf Tagen stetig anfasst, abreibt – bis zur Unkenntlichkeit. Ein Akt der Zerstörung?

Besucher involviert

Endlosschleifen, mit einer zufällig gelochten Matrix auf einer Spieluhr generiert, benutzt der Osnabrücker Musiker Joachim Raffel. Die minimalistischen Melodiefolgen multipliziert er, variiert sie mit einem präparierten Flügel und lässt die Klänge auf die niederländische Künstlerin Marjan Verkerk wirken.

Die setzt die Töne gleichzeitig in Malerei auf riesigen Papierbahnen um.

Sichtbar in den Ort begeben sich am Samstag die Mitglieder der Kunstgruppe Nartur. Sie gestalten Anhänger für Autos, die sie abwechselnd auf einen Rundparcours durch Rulle schicken. „Viele Aktionen und Performance sind so konzeptioniert, dass die Besucher in den Schaffensprozess involviert werden, selbst aktiv werden können“, sagt Elisabeth Lumme, die so einen „pulsierenden Ort der Kunst“ schaffen will.

Auch für Kinder ist dieser Ort ein Erlebnis. Sie können sich „ohne Ergebniszwang“ an einer Loopstation spielerisch-künstlerisch betätigen. Entspannung findet der Besucher in einem Gartencafé.

Die „Loop Pool“-Eröffnung ist am Freitag, 16. August, um 19 Uhr.

Weitere Informationen: Ort der Veranstaltung ist im Ruller Haus (Klosterstraße 4, in Wallenhorst): „Loop-Pool: ohne Anfang ohne Ende“. Festival für Performancekunst mit Aktionen und Musik in der Endlosschleife“ mit Susanne von Bülow, Angelika Höger, Karin Kopka-Musch, Marjan Verkerk, Diana Milena Vega, Annika und Bastian von den Eichen, Joachim Raffel, Ruppe Koselleck, Nartur Kunstgruppe. Am Freitag, 16. August, gegen 19 Uhr wird es unter anderem Gespräche mit Künstlern geben und das aktuelle EMAF-Filmprogramm besprochen, Samstag, 18. August, 14-18 Uhr, Sonntag, 18. August, 12-16 Uhr.


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