Konzert im Osnabrücker Blue Note Pianist Ethan Iverson über seine Zeit nach The Bad Plus

Meine Nachrichten

Um das Thema Kultur Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Eine Trio, das Furore macht: The Bad Plus – in der noch gültigen Besetzung. Denn Pianist Ethan Iverson (links) wird seine beiden Kollegen Reid Anderson (Bass, mitte) und Dave King (Schlagzeug) verlassen. Foto: Josh GolemanEine Trio, das Furore macht: The Bad Plus – in der noch gültigen Besetzung. Denn Pianist Ethan Iverson (links) wird seine beiden Kollegen Reid Anderson (Bass, mitte) und Dave King (Schlagzeug) verlassen. Foto: Josh Goleman

Osnabrück. Für den Jazzclub Blue Note ist es sicherlich ein Höhepunkt, wenn am kommenden Mittwoch The Bad Plus gastiert. Zumal Pianist Ethan Iverson die Band Ende des Jahres verlässt. Deshalb spricht er im Interview auch weniger über die Band, als über seine Zukunft.

Mr. Iverson, Sie haben im Vorfeld unseres Gesprächs gesagt, Sie möchten nicht über The Bad Plus sprechen...

...ja, weil ich die Band verlasse.

Was werden Sie ab 2018 machen?

Mit Bad Plus war ich 17 Jahre „on the road“. Ich will in Zukunft einfach mehr Zeit haben, um nachzudenken und zu üben. Ich bin auch Autor, und ich hoffe, dass ich mehr Zeit zum Schreiben haben werde. Zum Beispiel arbeite ich an einem Buch.

Zu welchem Thema?

Jazz. Außerdem betreibe ich einen Blog...

Sie betätigen sich dort auch als Journalist, machen Interviews. Werden Sie auch da stärker tätig werden?

Exakt. Ich will mich als Journalist, Autor und Klavierspieler betätigen.

Auch als Klavierspieler decken Sie ein breites Spektrum ab, von der Klassik über Jazz bis zur Avantgarde. Haben Sie Schwerpunkte?

Ich spiele im Duo mit (dem Saxofonisten, d. Red.) Mark Turner; wir haben eben eine Platte für ECM aufgenommen, die nächstes Jahr auf den Markt kommen wird. Wir touren dann auch durch Europa und Amerika. Er ist einer meiner Lieblingsmusiker, mit dem ich seit Jahren zusammenspiele, unter anderem im Quartett des Schlagzeugers Billy Hart. Es ist immer aufregend, mit Mark zu spielen. Das war schon so, als wir zusammen bei Billy gespielt haben: Unsere Duos fühlten sich spannend an. Ich freue mich deshalb darauf, nur zu zweit zu spielen und zu spüren, was sich entwickelt. Weiterlesen: Vijay Iyer im Osnabrücker Blue Note

Diese Spontanität ist ihnen wichtig?

Ja.

Auf Ihrem Blog widmen Sie sich aber auch der klassischen Musik. Wie bedeutend ist das für Sie?

Sehr wichtig. Ich übe regelmäßig Bach und Chopin, und nächstes Jahr werde ich ein Klavierkonzert schreiben für das American Composers Orchestra. Da ist jeder Ton notiert; anders gesagt: Es gibt keine Improvisation.

Macht es Sie traurig, The Bad Plus nach 17 Jahren zu verlassen?

Ich mache mir natürlich Gedanken über meine Zukunft, darüber, ob ich genug Arbeit habe. Aber ich bin bereit, zu gehen.


Wer die TV-Serie „Stromberg“ kennt, kennt „The Bad Plus“. Denn „Flim“, die schräge Erkennungsmelodie des noch schrägeren Bürochefs hat eine Band um den Drummer Martell Beigang von The Bad Plus gecovert, die den Song wiederum von Aphex Twin adaptiert haben. Seit 2000 elektrisiert The Bad Plus die Jazzwelt mit Coverversionen, Eigenkompositionen und mit einer Adaption von Igor Stravinskys „Sacre du Printemps“; die Spannbreite reicht von Pop bis Avantgarde. Oberstes Prinzip von Pianist Ethan Iverson, Bassist Reid Anderson und Drummer Dave King lautet dabei: absolute Gleichberechtigung. Dafür zollen Kritiker und Fans der Band höchstes Lob. Ende des Jahres geht allerdings eine Ära zu Ende: Iverson verlässt die Band, um sich eigenen Projekten zu widmen.

Vorher spielt The Bad Plus in Osnabrück: Mittwoch, 19. Juli, 20.30 Uhr. Vorverkauf: 0541/ 600650

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN