Teenager-Film „Spider-Man: Homecoming“: Superheld mit Welpen-Charme

Von Felicitas Kleiner

Als jüngster Zuwachs des „Marvel Cinematic Universe“ verbeißt sich Peter Parker mit Welpen-Charme in die Aufgabe, ein richtiger Avenger zu werden. Bild: Sony PicturesAls jüngster Zuwachs des „Marvel Cinematic Universe“ verbeißt sich Peter Parker mit Welpen-Charme in die Aufgabe, ein richtiger Avenger zu werden. Bild: Sony Pictures

Berlin. Superhelden-Synergien: Als jüngster Zuwachs des „Marvel Cinematic Universe“ verbeißt sich Peter Parker mit Welpen-Charme in die Aufgabe, ein richtiger Avenger zu werden.

Er ist schon arg strapaziert worden, der ikonische rot-blaue Ganzkörperanzug mit dem Spinnenemblem auf der Brust: Zwischen 2001 und 2007 machte Sam Raimi den Marvel-Helden „Spider-Man“ in Gestalt von Tobey Maguire zu einem der ersten Stars des gerade einsetzenden Comicfilm-Booms; 2012 und 2014 kämpfte sich Andrew Garfield durch einen redlichen, aber überflüssigen Reboot. Die Figur nun schon wieder an die umkämpfte Sommerblockbuster-Front zu schicken, wäre ein ziemliches Wagnis, wenn diese Neuauflage nicht auf Superhelden-Synergien setzen könnte: „Spider-Man: Homecoming“ ist nicht einfach nur ein weiterer „Spider-Man“-Film, er ist Teil des „Marvel Cinematic Universe“ um die „Avengers“, die „Guardians of the Galaxy“ und Co., das sich seit 2008 zu Hollywoods derzeit größtem Erfolgsmodell entwickelt hat. Nachdem Peter Parker/Spider-Man (Tom Holland) in „Captain America: Civil War“ (2016) einen vielversprechenden Einstand bei den „Avengers“ feierte, konnte er sich mit „seinem“ Film am letzten Wochenende mit 117 Mio. Dollar Einspielergebnis souverän an die Spitze der Kinocharts setzen.

Nicht unverdient: Regisseur Jon Watts hat sein Bestes getan, damit die Gags und Actionszenen so gut sitzen wie Spideys Spandex. Dabei orientiert er sich an dem komödiantischen, leichtherzigen Tonfall, mit dem die Figur in „Civil War“ eingeführt wurde: „Spider-Man: Homecoming“ ist vor allem ein Teenager-Film, der den Überschwang seiner jugendlichen Figur kongenial umsetzt – bis hin zu einer liebevollen Reverenz an die finale Szene aus John Hughes Klassiker „Ferris macht blau“ (1986), in der der Held einen rasanten Hindernis-Sprint durch diverse Straßen, Vorgärten und Hinterhöfe hinlegt. Das Drehbuch bemüht sich, Redundanzen zu den älteren „Spider-Man“-Filmen zu vermeiden, und konzentriert sich gleichzeitig auf einen Plot, der im Vergleich zu den letzten Marvel-Filmen „Guardians of the Galaxy Vol 2“ und „Doctor Strange“ fast bodenständig daher kommt. Spidey wird im New Yorker Stadtteil Queens als „Local Hero“ verortet, der nach seinen Abenteuern in „Civil War“ auf die nächste Chance brennt, sich als Held zu beweisen. Und der Bösewicht Vulture, der ihm dabei unfreiwillige Schützenhilfe leistet (nach „Birdman“ erneut im Vogel-Kostüm: Michael Keaton), ist kein überkandidelter Möchtegern-Weltzerstörer, sondern ein auf Abwege geratener Kleinunternehmer, der mit illegalen, mit Alien-Technologie gepimpten Waffen dealt. Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey jr.), der mehr schlecht als recht den Mentor für den Nachwuchs -Avenger abgibt und ab und an in die Handlung hereinschneit, wirkt da im Kontrast wie eine richtige Diva.

Angesichts dieser bewussten Schlichtheit ist es dem inszenatorischen Einfallsreichtum von Regie-Neuling Watts (der nach dem Horrorstreifen „Clown“ hier seinen zweiten Kino-Langfilm vorlegt) überlassen, für „Wow“-Momente zu sorgen. So zum Beispiel zu Beginn, wenn Peter Parkers Erlebnisse in „Civil War“ nochmal als irrwitziges Wackelkamera-Homemovie rekapituliert werden. Oder in den Actionsequenzen, die immer wieder charmant damit spielen, dass Spidey ziemlich grün hinter den Ohren ist und die Dinge nie so unter Kontrolle hat, wie ihm das lieb wäre. Womit der Film die großen Erzählbögen des „Marvel Cinematic Universe“ zwar nicht weiterspinnt, aber allemal Lust auf weitere „Spider-Man“-Einsätze bei den Avengers macht.


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