IHK-Leihgabe im Felix-Nussbaum-Haus Schlüsselbild bald nicht mehr im Museum?



lü Osnabrück. Das Osnabrücker Felix-Nussbaum-Haus zeigt eine neue Dauerausstellung. Mit dabei: Ein Bild aus dem Bestand der IHK, das die Kammer verkaufen möchte.

„Sehen Sie den Ausdruck seiner Augen? In diesen Augen sehen wir, was in seiner Welt gerade passiert“, erklärt Nils-Arne Kässens und geht einen Schritt weiter auf das Gemälde „Selbstbildnis mit Geschirrtuch“ zu, das vor ihm an der Wand hängt. 1936 porträtierte sich Felix Nussbaum auf diesem Bild als Ritter von sehr trauriger Gestalt mit einer Suppenschüssel als Helm und einem Geschirrtuch als Panzer. Der Maler zeige seine ganze Verletzlichkeit, sagt Museumsdirektor Kässens weiter. Ob er es weiterhin präsentieren kann, ist ungewiss. Das Gemälde ist eine Dauerleihgabe der Osnabrücker Industrie- und Handelskammer (IHK). Gemeinsam mit zwei weiteren Bildern Nussbaums will sie auch das „Selbstporträt mit Geschirrtuch“ verkaufen. Hier weiterleiten: IHK will Nussbaum-Bilder verkaufen und in Osnabrück halten.

Neue Präsentation

Neben dem Bild von 1936 steht mit dem „Selbstbildnis mit Hut“ gleich eine weitere IHK-Dauerleihgabe zum Verkauf. Das dritte Bild, das veräußert werden soll, ist das „Stillleben mit Zinnteller“. Wie wichtig gerade die Selbstbildnisse für das Werk des 1944 in Auschwitz ermordeten Künstlers sind, belegt Nils-Arne Kässens in der von ihm neu eingerichteten Sammlungspräsentation des Felix-Nussbaum-Hauses. Gerade wenige Monate im Amt, hat der junge Kunsthistoriker und Kurator seinem Haus einen ganz neuen Auftritt verordnet. Weniger Bilder, klare Sichtachsen, eine Dramaturgie, die Themen und nicht einfach der Biografie des Künstlers folgt – das Museum präsentiert sich übersichtlicher als zuletzt. Hier weiterlesen: IHK verkauft Bilder von Holocaust-Opfer Felix Nussbaum.

Augenkontakt mit dem Maler

Kässens stellt vor allem die Selbstbildnisse Nussbaums in den Mittelpunkt. Jeder Ausstellungssaal trägt nun einen thematischen Titel und bezieht seine inhaltliche Struktur und Richtung aus einem der Selbstbildnisse des Malers. Augenkontakt mit Felix Nussbaum: Hier wird das zum leitenden Prinzip. Der Museumsdirektor will die Lebensthemen des Malers mit den Fragen heutiger Besucher verbinden. Wie stehe ich in der Welt? Was ist meine Identität, mein Weg? Felix Nussbaum habe sein Leben unbedingt bejaht, Widerstand geleistet, sein schweres Schicksal sogar mit Humor gesehen. Hier weiterlesen: Kunstskandal in Osnabrück? Der Kommentar.

Klare Sichtachsen

Nils-Arne Kässens entdeckt diese Qualitäten immer wieder im direkten Kontakt mit den Gemälden. Den will er auch den Besuchern eröffnen. Kässens hat dafür klare Orientierungen geschaffen, Schlüsselbilder wie „In der Synagoge“ und „Triumph des Todes“ auf den beiden Ebenen des zentralen Aufganges in die Sichtachsen gehängt. Und er hat die Zahl der Werke reduziert. Das einzelne Bild soll sich in seiner Wirkung mehr entfalten können und auf diese Weise besser wahrnehmbar werden – so seine Philosophie. Hier weiterlesen: Der Nussbaum-Verkauf - erste Reaktionen.

Titel für jeden Raum

Der Besucher kann nun lange unbeachtete Werke wie „Der wandernde Jude“ neu entdecken und prominente Bilder in neuen Konstellationen erleben. Dazu gehört auch das „Selbstbildnis mit Judenpass“, das mit dem „Selbstbildnis an der Staffelei“ und dem „Orgelmann“ im letzten Ausstellungsraum eine Trias von hoher Intensität bildet. Von „Widerstand“ bis „Zerstörung“ reicht die Skala der Raumtitel. Während der Museumsdirektor den Neuaufbruch der Sammlung inszeniert, bleibt die Zukunft wichtiger Schlüsselbilder ungeklärt. Die IHK hält an ihren Verkaufsabsichten fest. Kunst zu besitzen sei nicht Aufgabe einer IHK. Dabei bleibt es wohl.


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