Neues Comic von Daniel Clowes „Patience“ – melancholischer Sci-Fi-Krimi von Daniel Clowes

Von Daniel Benedict

Der Moment, der alles ändert: Jack Barlows Frau Patience wird ermordet. Szene aus Daniel Clowes Comic „Patience“, das im Reprodukt Verlag erschienen ist. Abbildung: Clowes, ReproduktDer Moment, der alles ändert: Jack Barlows Frau Patience wird ermordet. Szene aus Daniel Clowes Comic „Patience“, das im Reprodukt Verlag erschienen ist. Abbildung: Clowes, Reprodukt

Berlin. Mit „Ghost World“ wurde der Comic-Zeichner Daniel Clowes berühmt. Jetzt liegt sein neuer Band „Patience“ in den Buchläden, eine Mörderjagd mit den Mitteln der Zeitreise.

Im Kino läuft gerade die Verfilmung von Daniel Clowes Comic „Wilson“; in den Buchläden liegt schon sein neues Buch „Patience“ aus. Was taugt die Sci-Fi-Geschichte um eine Mörderjagd mithilfe von Zeitreisen?

Worum geht‘s in Daniel Clowes‘ „Patience“?

Gerade als Jack Barlow erfahren hat, dass er Vater wird, bringt ein Unbekannter seine Frau Patience um. Ohne das Kind und die Frau, die seinem Dasein eine Richtung hätten geben können, treibt Jack durch seine Existenz – bis er 17 Jahre später von einem Mann erfährt, der in der Garage eine Zeitmaschine gebaut haben soll. Er beschafft sich das Gerät, um den Moment, der sein Leben zerstörte, rückgängig zu machen. In seinem Comic „Patience“ kombiniert der preisgekrönte Autor Daniel Clowes klassische Science-Fiction-Paradoxa mit einer Liebesgeschichte, in der ein White-Trash-Underdog nach langer Suche einen Sinn in der eigenen, entwerteten Existenz findet. Damit wird Jack zum Verwandten von Clowes‘ „Wilson“, den Woody Harrelson gerade auf der Leinwand verkörpert. Und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch die neuen Figuren dieses regelmäßig verfilmten Comic-Zeichners ins Kino kommen. (Daniel Clowes‘ „Wilson“: Was unterscheidet Woody Harrelsons Figur vom Original?)

Sie kennen Daniel Clowes noch nicht?

Vom Eisner-Award bis zum Gastauftritt bei den „Simpsons“ hat Daniel Clowes alles erreicht: Im Bereich des Indie-Comics ist er ein Star. Immer wieder erzählt der Autor Außenseiter-Geschichten, das aber in ständig wechselnden Genres: vom surrealen Noir-Thriller „Like a Velvet Glove Cast in Iron“ über die Nerd-Komödie „Wilson“ bis hin zum aktuellen Sci-Fi-Krimi. Den größten Popularitätsschub verdankt der heute 56-jährige Amerikaner seinem Buch „Ghost World“, einer entstandenen Coming-of-Age-Story aus den 90er Jahren, die Clowes wie die meisten seiner Werke als Fortsetzungsserie in der Zeitschrift „Eightball“ veröffentlichte. 2002 adaptierte der Autor das Buch gemeinsam mit dem Regisseur Terry Zwigoff fürs Kino; der Film mit Scarlett Johansson, Thora Birch und Steve Buscemi brachte ihm eine Nominierung für den Drehbuch-Oscar ein. Zwigoff inszenierte auch die zweite Verfilmung eines Clowes-Comics: „Art School Confidential“ (2006) mit John Malkovich und Anjelica Huston. Gerade angelaufen ist in den Kinos die Komödie „Wilson“, in der Woody Harrelson als monomanischer Misanthrop seine Umwelt aufmischt. Die große Liebe Hollywoods zu den Stoffen von Daniel Clowes belegt auch eine Räuberpistole aus der Filmwelt: Vor einigen Jahren identifizierte sich der „Transformers“-Star Shia LaBeouf so intensiv mit einem Clowes-Stoff, dass er ihn als seinen eigenen ausgab und einen Kurzfilm daraus machte – den er aus dem Netz entfernen musste, nachdem das Plagiat aufgeflogen war.

Daniel Clowes: „Patience“. Reprodukt Verlag. 180 Seiten. 29 Euro. Hier geht‘s zur Verlagsseite von Daniel Clowes.


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