Ausstellung in zwei Museen Fat Car: Bildhauer Erwin Wurm in Duisburg

Von Dr. Stefan Lüddemann


lü Duisburg. Bitterböse und lustig: Erwin Wurm ist ein Bildhauer mit Spaßfaktor. In Duisburg zeigen gleich zwei Museen seine Werke, von Fat Car bis Riesenpullover.

Der Künstler hat die Welt verschluckt. Nun steht er als bewegungsunfähige Kugel da. Und der knallrote Porsche hat Fett angesetzt. Richtig schnell wird er nun nicht mehr sein. Bei Erwin Wurm steht die Welt kopf, aus Prinzip. Vor Jahren hat der österreichische Künstler mit seinen deformierten Objekten überrascht. Inzwischen gehört er mit Skulpturen, die Fortschrittseuphorie und Konsumwahnsinn veralbern, zum satirisch zugespitzten Spaßprogramm der Kunst. Wurms Pointen sitzen. Zugleich sind sie vorhersehbar. Hier weiterlesen: Eine Stadt wird Kunst - Die Skulptur Projekte in Münster.

90 Meter Pullover

In Duisburg breiten nun gleich zwei Museen Wurms skurriles Riesenreich aus. Das Museum Küppersmühle am Binnenhafen und das Lehmbruck-Museum in der City teilen sich eine Werkschau, die selbst jenem Wachstumswahn erlegen zu sein scheint, den Wurm doch kritisch vorführen möchte. In der Küppersmühle wölben sich aus grüner Wandbespannung Rollkragen heraus, schlappen Ärmel herab. 90 Meter misst dieser Riesenpulli für ein Ausstellungshaus. Und im Lehmbruckmuseum hat der Bildhauer nicht weniger als fünfzig Bronzen aufgesockelt, um seine Heimat, das „Land der Berge“, auf die Schippe zu nehmen. Die Wände hat der Künstler hier gleich tapeziert – mit seinem Porträt als verschlungener Endlosschleife. Hier weiterlesen: Bildhauer Michael Kienzer in Bremen.

Pavillon auf der Biennale

Eine solche Ausstellung braucht keinen Titel, sie darf einfach so heißen wie der Künstler: Erwin Wurm. Der 1954 geborene Bildhauer, der derzeit auch den Pavillon seines Heimatlandes auf der Biennale von Venedig bespielt, ist sein eigenes Markenzeichen. Fat Car, Ballonmensch, Besucher als sprechende Skulpturen – Erwin Wurm funktioniert als sein eigener Kosmos von Ideen, die in die Popkultur eingegangen sind. Das gilt auch für den kritischen Impuls dieser Kunst, der sich unterdessen auf seinen Unterhaltungswert reduziert zu haben scheint. Hier weiterlesen: Was ist eigentlich die Documenta? Ein Porträt in Fragen und Antworten.

Showrooms im Museum

Wurms Witz geht schnell ins Blut und in den Kopf. Entsprechend reißen sich die Kuratoren um ihn. Die Deichtorhallen in Hamburg, das Städel in Frankfurt, das Wolfsburger Kunstmuseum und nun Duisburg – jeder hatte in den letzten Jahren seine Ausstellung mit Erwin Wurm. Kein Wunder, dass Walter Smerling, Chef der Küppersmühle, gleich von „Showrooms“ spricht, wenn er Ausstellungsräume meint. Hier weiterlesen: Trügerische Oberflächen - „On Surface“ im Lehmbruck-Museum.

Am Rand der Ausstellung

Wer hier den anarchischen Erwin Wurm wiederfinden will, muss dieses Flächenwunder einer Ausstellung von seinen Rändern her erkunden. Die Fotoserie „Anleitung zum Müßiggang“ mit den Selbstporträts eines Künstlers als verlottertem Nichtskönner zeigt, wie bösartig Wurms Witz sein kann. Und die „One Minute Sculptures“, leere Podeste, auf denen der Besucher selbst für Sekunden zur Skulptur wird, erinnern an Wurms Kunst als Angebote zum Mitmachen mitten im Museumsraum. Hier weiterlesen: Das Duisburger Lehmbruck-Museum wird 50.

Jeder Mensch ein Künstler

Sicher, Erwin Wurm hat die Skulptur der Gegenwart lustigen Zerreißproben unterzogen. Bei ihm steht die Welt kopf. Der Betrachter darf schmunzeln. Joseph Beuys sagte, dass jeder Mensch ein Künstler sei. Erwin Wurm hat dieses revolutionäre Konzept popularisiert. Auch das muss man ihm erst einmal nachmachen. In Duisburg gibt es nun den ganzen Wurm von Fat Car bis „The Artist who swallowed the world“. Jeder darf staunen, schauen, lachen. Und darüber nachsinnen, wie aus der Provokation von gestern das Amüsement von heute wird. Der Kunstbetrieb hat Erwin Wurm längst geschluckt – Wulstauto und Riesentapete inklusive. Hier weiterlesen: Was sind eigentlich die Skulptur-Projekte? Ein Porträt in Fragen und Antworten.