Nussbaum-Förderer reagieren entsetzt IHK Osnabrück verkauft Bilder von Felix Nussbaum

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lü Osnabrück. Die Osnabrücker IHK will drei Gemälde von Felix Nussbaum verkaufen. Als Dauerleihgaben sind sie im Felix-Nussbaum-Haus zu sehen. Nussbaum-Förderer reagieren entsetzt auf diesen Schritt.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim wird drei Bilder des Osnabrücker Malers Felix Nussbaum (1904-1944) aus ihrem Besitz verkaufen. Das bestätigte die IHK auf Anfrage in einer Mitteilung. Der Beschluss fiel in der Vollversammlung der IHK bereits im März 2017. Der Mitteilung zufolge ist es „eine rechtliche Frage, ob eine IHK nach heutigen Maßstäben Kunst besitzen darf, um sie in Museen auszustellen“. Auf „kritische Hinweise“ des Landesrechnungshofes und des Niedersächsischen Wirtschaftsministeriums hin, habe sich die IHK zu dem Verkauf entschlossen. „Ich bin nicht erfreut darüber, dass die Bilder verkauft werden sollen“, sagte Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) auf Anfrage. Die Bilder waren dem Felix-Nussbaum-Haus als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt worden. Die IHK und der Oberbürgermeister sind sich nach ihren Mitteilungen darin einig, dass die Bilder an ihrem Standort bleiben sollen. Griesert deutete Gespräche über das weitere Vorgehen an. Offenbar hoffen der Oberbürgermeister wie auch die Verantwortlichen der IHK auf einen privaten Käufer, der die drei Werke dem Museum weiter zur Verfügung stellt. Hier weiterlesen: „Triumph des Todes“ - ein Hauptwerk des Holocaust-Opfers Felix Nussbaum.

Drei Bilder stehen zum Verkauf

Um welche Werke Felix Nussbaums geht es genau? Das 65 mal 50 Zentimeter große „Selbstbildnis mit Geschirrtuch“ entstand laut Werkverzeichnis 1936. Als einziges der drei jetzt zum Verkauf stehenden Gemälde ist es derzeit in der Sammlungspräsentation des Museums für Besucher zu erleben. Nur ein Jahr später fertigte Nussbaum das ungefähr gleich große „Selbstbildnis mit Hut“ an. Beide Gemälde sind mit Ölfarben auf Sperrholz gemalt. Das dritte Bild ist das 1926 entstandene „Stillleben mit Zinnteller“, ein 83 mal 52 Zentimeter großes Ölgemälde. Die Selbstbildnisse wurden nach Angaben der IHK in den siebziger Jahren erworben. Das Stillleben kam im Jahr 2000 hinzu. Laut der Sitzungsvorlagen zur Vollversammlung im März veranschlagt die IHK für die drei Bilder in ihrer Bilanz Anschaffungskosten von 38.000 Euro. Der aktuelle Marktwert dürfte weit höher liegen. Hier weiterlesen: Ein Lebensthema: Museumsleiterin Inge Jaehner und Felix Nussbaum

Selbstbildnisse im Zentrum

Als Maler des Exils ist der in Osnabrück geborene Felix Nussbaum inzwischen weltberühmt. Der Künstler wurde gemeinsam mit seiner Frau Felka Platek 1944 in Auschwitz ermordet. Das von Stararchitekt Daniel Libeskind erbaute Felix-Nussbaum-Haus bewahrt einen großen Teil von Nussbaum. Sein Werk ist durch viele Selbstporträts wie das berühmte „Selbstbildnis mit Judenpass“ geprägt. Deshalb sind gerade die beiden Selbstbildnisse aus dem IHK-Bestand hoch einzuschätzen. Zum Vergleich: 2007 erst wurde das auch als Selbstbildnis zu verstehende Gemälde „Mann mit Blume“ für das Osnabrücker Museum bei einer Versteigerung in der Berliner Villa Grisebach erworben. Ohne die Mithilfe der Kulturstiftung der Länder und des damaligen Kulturstaatsministers Bernd Neumann wäre die Ankaufssumme von insgesamt 400.000 Euro kaum zu stemmen gewesen. Das Münchener Auktionshaus Ketterer hat in den letzten Jahren Stillleben Nussbaums jeweils zu Preisen zwischen 20.000 und 30.000 Euro versteigert. Hier weiterlesen: Prekäre Erinnerung? Gedächtnis braucht Arbeit der Lebenden.

Nussbaum-Gesellschaft protestiert

„Ich hätte nie erwartet, dass eine öffentlich-rechtliche Institution mit Sitz in Osnabrück das Thema Felix Nussbaum so auf die Agenda setzen würde“, zeigt sich Hans-Jürgen Fip vom IHK-Beschluss entsetzt. Alle Menschen, die sich jahrelang für das Andenken Nussbaums eingesetzt hätten, müssten sich nun desavouiert vorkommen, sagte der ehemalige Osnabrücker Oberbürgermeister und Ehrenvorsitzende der Nussbaum-Foundation sowie der Felix-Nussbaum-Gesellschaft weiter. Deren Vorsitzende Karin Jabs-Kiesler hat der IHK nach eigenen Worten vorgeschlagen, die drei Bilder zum alten Ankaufspreis zu übernehmen, um sie dann dem Museum zu schenken. „Der Gedanke, dass hier Schlüsselwerke aus der Sammlung des Felix-Nussbaum-Hauses zur Disposition gestellt werden, hat uns erschrocken und zugleich sprachlos gemacht“, heißt es in einem Schreiben. Eine eine Antwort der IHK steht nach den Worten von Karin Jabs-Kiesler aus. Hier weiterlesen: 30 Jahre Felix-Nussbaum-Gesellschaft - Feier im Friedenssaal.

Streit um das Eigentum

Fip wie Jabs-Kiesler verweisen auf Nussbaums zentralen Stellenwert für das Holocaust-Gedenken. Diese gemeinsame Verpflichtung habe die Osnabrücker IHK mit ihren Nussbaum-Ankäufen unterstützt, so Fip und Jabs-Kiesler. Hinzu kommt, dass die Frage nach dem Eigentum an dem „Selbstbildnis mit Hut“ offenbar „strittig“ ist. So formuliert es Gotthard Czekalla, stellvertretender Vorsitzender des Osnabrücker Museums- und Kunstvereins (MuK). Nach seinen Worten ist das Bild 1975 mit Mitteln der IHK für den Verein erworben worden. Der MuK werde immer wieder als Leihgeber genannt, so Czekalla. „Wir hoffen auf eine gütliche Einigung“, sagt der Vorsitzende und schlägt vor, das umstrittene Bild der Stadt zu schenken. Hier weiterlesen: Osnabrücker Kunstskandal - der Kommentar.


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