Künstler am Meer: Rony Barrak Groovemaschine des Osnabrücker Morgenland Festival spielt in Beirut

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Proben in der Homebase: Rony Barrak probt mit Dima Orsho fürs erste Konzert der Morgenland All Star Band in seiner Heimatstadt Beirut. Foto: Andy SpyraProben in der Homebase: Rony Barrak probt mit Dima Orsho fürs erste Konzert der Morgenland All Star Band in seiner Heimatstadt Beirut. Foto: Andy Spyra

Beirut. Beirut ist eine verrückte, pulsierende Metropole am Mittelmeer. Hier lebt der Perkussionist Rony Barrak, die Groovemaschine des Morgenland Festivals Osnabrück.

Am Donnerstagabend ist Rony Barrak ein bisschen nervöser, als er es sonst vor Auftritten ist. Denn er weiß nicht, wie die Musik der Morgenland All Star Band ankommen wird, hier in Beirut, vor seinen Freunden und Verwandten, vor den Menschen, die ihn als libanesischen Musiker kennen. Die Musik dieser Formation ist anders als die, mit der ihn sein Publikum hier verbindet: Ein „Bouquet“ nennt er den Mix, der sich aus den persönlichen Stilen von Individualisten aus aller Welt zusammensetzt, und seine Art, die arabische Trommel Darbouka zu spielen, ist nur eine von zehn Blüten. Umso gelöster ist Barrak nach dem Konzert über die Wirkung der Musik auf die Menschen: Das Al Madina, ein Theater mitten im Beiruter Ausgehviertel Hamra, war begeistert, und seine Freunde auch.

Die erste Darbouka

Seit 2002 zwei lebt Rony Barrak hier. Er hat hier sein Studio, in dem er komponiert, probt, am Klavier sitzt, mit Blick aufs Meer. Nach Jahren in Griechenland, Spanien, England ist er in den Libanon zurückgekehrt, hat im Stadtteil Jouneih seine „Homebase“, wie er es nennt. „Es herrscht hier ein bisschen Chaos“, sagt er und lächelt dabei sein jungenhaftes Lächeln, „aber es ist meine Heimat“. Der Platz, an dem seine Familie wohnt, der Platz, an dem er sich „umarmt“ fühlt.

Geboren ist Rony in Sidon im Südlibanon, einer Jahrtausende alten Phönizierstadt, die er auf arabisch „Saidá“ nennt. Hier hat ihm sein Vater die erste Darbouka gekauft, als er vier Jahre alt war. Aus der gleichen Zeit stammen seine ersten Erinnerungen ans Meer. „Ich trage ein Bild in mir, wie wir am Wochenende am Strand waren, unter einem Sonnenschirm saßen und weißen Käse und Melonen gegessen haben. Das ist ganz tief in mir, und jedesmal, wenn ich irgendwo in der Welt einen Sandstrand lang spaziere, erinnert mich das an die Kindheit.“

Wanderleben

Danach setzte Ronys Wanderleben ein; zunächst aus einer Tragik heraus: Sidon ist im Libanonkrieg 1982 schwer beschädigt worden, und die Familie hat alles zurückgelassen, um nach Beirut zu fliehen. Rony hat dann begonnen, seine Musikerkarriere aufzubauen: erste Fernsehauftritte, mit 17 gewinnt er in einem Fernsehwettbewerb die Goldmedaille, als erster Darbouka-Spieler überhaupt. Er studiert in London, arbeitet mit Musikern unterschiedlichster Art zusammen, entwickelt seinen Personalstil, sein energetisches, hochvirtuoses, rasant präzises Darbouka-Spiel. Damit erarbeitet er sich Ruhm in seiner Heimat und in der Welt, unter anderem wird das Morgenland Festival Osnabrück auf ihn aufmerksam, das er seit dem Start 2005 fast jedes Jahr besucht. Er spricht beiläufig von Konzerten mit dem österreichischen Perkussions-Star Martin Grubinger oder mit dem London Symphony Orchestra in Paris, aber in der dunkeln Stimme schwingt schon ein gewisser Stolz mit: Rony Barrak weiß, was er kann und wer er in der Musikwelt ist. Weiterlesen: Die Morgenland All Star Band 2016 in Osnabrück

Aber nach Konzerten in aller Welt zieht sich auch ein Energiebündel wie er mal in seine Komfortzone zurück, in seine Homebase Beirut. „Ich muss hier keine langfristigen Verabredungen treffen“, sagt er. „Man ruft sich an und trifft sich eine halbe Stunde später im Restaurant oder in einer Bar.“ Gern besucht er die Verwandten in Sidon leben; als Musiknomade ist Barrak in der ganzen Welt unterwegs, aber im Innersten ist er ein Familienmensch, der seine Heimat liebt. Deswegen ihm ein Konzert beim diesjährigen Morgenland Festival sehr am Herzen: Er spielt da, zusammen mit Oud-Spieler Elie Khoury und Kontrabassist Carlos Bouchabki Musik aus seiner Jugend: Lieder, „die den alten Geschmack des Libanon in sich tragen“, auch den des Meeres (Weiterlesen: Rony Barrak beim Morgenland Festival). Und natürlich verbringt er seine Freizeit mit Freunden am Strand - oder er sitzt in seinem Studio am Klavier, mit Blick aufs Mittelmeer.


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