„Monsieur Pierre geht online“ Willkommen in Neuland: Charmante Komödie mit Pierre Richard

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Verwechselungsgefahr nur online: Pierre (Pierre Richard, links) gibt sich auf einer Dating-Plattfom als Alex (Yaniss Lespert) aus. Foto: Tom Trambow/Neue VisionenVerwechselungsgefahr nur online: Pierre (Pierre Richard, links) gibt sich auf einer Dating-Plattfom als Alex (Yaniss Lespert) aus. Foto: Tom Trambow/Neue Visionen

Osnabrück. Die französische Verwechslungskomödie „Monsieur Pierre geht online“ lebt von ihrem tollen Ensemble mit Altstar Pierre Richard als tragikomische Figur.

Betrug ist eine Grundvoraussetzung beim Online-Dating. Wer bei seinem Profil nicht mindestens ein bisschen mogelt, hat keine Chance. Frauen schummeln vorzugsweise bei ihrem Alter, ihrer Größe und natürlich ihrem Gewicht. Männer hingegen übertreiben extrem gerne mit Statussymbolen wie Job, Einkommen und Besitztümern. Aber so sehr getäuscht, gelogen und betrogen wie in der französischen Verwechslungskomödie „Monsieur Pierre geht online“ wird im wirklichen Leben dann zum Glück doch eher selten.

Der turbulente Reigen nimmt seinen Lauf, als die besorgte Sylvie ( Stéphane Bissot) ihrem griesgrämigen Vater Pierre ( Pierre Richard) einen Laptop schenkt. Damit Pierre das Ding auch benutzt, verdonnert sie Alex (Yaniss Lespert), den neuen Freund ihrer Tochter Juliette (Stéphanie Crayencour), dazu, Pierre Nachhilfe in diesem komischen Neuland namens Internet zu erteilen.

Lügengespinste

Zunächst sträubt sich der alte Zausel noch ein wenig. Aber dann stolpert der seit dem Tod seiner geliebten Frau verbitterte Pierre über eine Dating-Plattform – und meldet sich mit dem Profil und Foto von Alex an. Es dauert nicht lange, und eine gewisse Flora (Fanny Valette) aus Brüssel zeigt ihr ehrliches Interesse. Natürlich stimmt Pierre einem Treffen mit der viel zu jungen Frau zu und überredet Alex, für ihn einzuspringen. Aus diesem und weiteren Lügengespinsten entwickelt sich eine unmögliche Dreiecksbeziehung, von der die arme Flora am wenigsten ahnt.

Drehbuchautor und Regisseur Stéphane Robelin setzt in seiner Komödie vor allem auf sein extrem spielfreudiges Ensemble. Im Mittelpunkt steht hier natürlich Richard, der seine tragikomische Figur nuanciert zwischen Trauer, Einsamkeit und Lebenslust anlegt. Dabei entwickelt Robelin von Anfang an ein Szenario, das späteren Verwechslungen und Missverständnissen Tür und Tor öffnet.

Zentrale Frage wird kaum beantwortet

Aber die zentrale Frage hinter dieser Geschichte lautet natürlich, wie die Betrogene mit der Situation umgeht, nachdem dieser ganze Betrug auffliegt. Welche Konsequenzen die von ihrem jungen Leben stark mitgenommene und verletzlich wirkende Flora daraus zieht. Dass die beiden Männer da eine ganz miese Nummer abziehen, ist zumindest Alex von Anfang an klar. Was so ein Betrug aber tatsächlich anrichten könnte, wird hingegen viel zu oberflächlich thematisiert. Da macht es sich Drehbuchautor und Regisseur Robelin leider etwas zu bequem, nur um seine Komödie in Wohlgefallen auflösen zu können.

Aber diese leichte Schwäche wird überstrahlt durch das erneute Zusammenwirken von Regisseur Robelin mit Altstar Richard, der bereits vor sechs Jahren in Robelins Komödie „Und wenn wir alle zusammenziehen?“ mitwirkte. Der in Würde gealterte Schauspieler, dessen internationale Karriere 1972 mit der unvergesslichen Verwechslungskomödie „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ einen ordentlichen Schub bekam, spielt auch diese Komödienrolle wieder mit dem notwendigen Ernst einer Charakterrolle, die seiner Filmfigur Glaubwürdigkeit und Charme verleiht.


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