Karrierestart in Osnabrück: Dirigent Marcus Bosch Wagners „Ring“ in wilden Rheinschluchten

Von Pedro Obiera

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Flims. Marcus Bosch hat eine typische Dirigentenkarriere hingelegt: Als Korrepetitor hat er Sängern ihre Rollen beigebracht, erste Opern dirigiert. Mittlerweile leitet er die musikalischen Geschicke im Staatstheater Nürnberg, veranstaltet ein Festival in der Schweiz, eröffnet die kommende Spielzeit der Hamburgischen Staatsoper. Ihren Ausgang nahm die Karriere aber in Osnabrück.

Eigentlich sind Theaterferien. Doch nicht für Marcus Bosch. Vor drei Wochen sind die von ihm geleiteten Opernfestspiele in Heidenheim zu Ende gegangen, vor ein paar Tagen die Waldhaus Konzerte im schweizerischen Flims. Und während er in Graubünden in schwüler Sommerhitze für seine Konzerte probte, schmiedete er weitere Pläne. Die malerische Felsenlandschaft der Rheinschlucht regt ihn an, direkt am Rhein in wilder Landschaft Wagners „Ring des Nibelungen“ aufzuführen. Den Ganzen natürlich.

Das ist freilich Zukunftsmusik. Nicht so der „Ring“ an Marcus Boschs zentraler Wirkungsstätte, dem Bayerischen Staatstheater Nürnberg. Im November geht es mit dem „ Rheingold “ los. Zuvor steht an der Hamburgischen Staatsoper noch eine Aufführungsserie von York Höllers Oper „ Der Meister und Margarita “ bevor.

Auf Ochsentour

Die zweijährige Tätigkeit am Osnabrücker Theater unter Generalmusikdirektor Jean-François Monnard behält der 44-jährige Dirigent in besonders guter Erinnerung. Wurden hier doch Weichen für die weitere Entwicklung des damals 25-jährigen Musikers gestellt. „Ich war von 1994 bis 1996 in Osnabrück als Solo-Repetitor mit Dirigierverpflichtung engagiert. Ich durfte Kalmans ‚Gräfin Maritza‘ und ein interessantes Ballett-Programm mit Werken von Barber und Janácek dirigieren. Es war eine anstrengende, aber sehr fruchtbare Zeit, in der ich viel gelernt habe.“

Aber nicht nur das: „Ich habe überhaupt eine schöne Zeit in Osnabrück verlebt. Es war meine erste feste Stelle, ich habe angenehm gewohnt und einen guten Freundeskreis gewonnen.“ Umso mehr freut er sich über die Einladung zu einem Gastkonzert in Osnabrück 2015.

Er erinnert sich noch an die schlaflosen Nächte, die ihm die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung in Osnabrück bereiteten. Letztlich brach er auf zu einer „Ochsentour“ als Kapellmeister, die ihn über Wiesbaden und Halle nach Saarbrücken führte. Dort wurde man in Aachen auf ihn aufmerksam, wo er zehn Jahre lang als Generalmusikdirektor das desolate Musikleben aufmöbelte. Die Besucherzahlen konnte er vervierfachen, durch etliche Sonderreihen das Aachener Sinfonieorchester fest im städtischen Leben verankern und mit zahlreichen CD-Einspielungen, darunter alle Bruckner-Sinfonien, internationale Reputation erzielen.

Vor drei Jahren wechselte er in gleicher Funktion an das Bayerische Staatstheater Nürnberg, das er zwar nicht in einem so tristen Zustand wie das in Aachen vorfand, dessen Qualität und Akzeptanz er dennoch mit viel Engagement verbessern konnte.

Festival in Graubünden

Das füllt Marcus Bosch allerdings nicht aus. Seit vier Jahren leitet er die Opernfestspiele seiner württembergischen Heimatstadt Heidenheim an der Brenz. Und bereits zum vierten Mal richtete er in diesem Jahr die Waldhaus Konzerte in Flims aus, einem pittoresken Ort inmitten der Graubündner Alpen.

Das zweiwöchige Fest wird unterstützt von fünf ansässigen Hotels, angeführt vom „Waldhaus Flims Mountain Resort & Spa“, einer Fünf-Sterne-Hotelanlage mit dem Belle-Époque-Charme des späten 19. Jahrhunderts, vier Häusern und einer 200000 Quadratmeter großen Parklandschaft.

Ein Jugendstil-Festsaal mit sorgfältig restaurierten Stuckdecken bildet den Hauptschauplatz der Waldhaus Konzerte. Mit seinen knapp 400 Plätzen eignet er sich besonders für Kammermusikabende, dennoch verzichtet Bosch nicht auf größer besetzte Konzerte. In den letzten Jahren sind dafür die Sinfonieorchester aus Aachen und Nürnberg angereist. In diesem Jahr gastierte die „Cappella Aquilea“, ein Orchester mit Stammsitz in Heidenheim, das von Musikern aus verschiedenen deutschen Orchestern verstärkt wird. Das Orchester gestaltete zusammen mit drei Gesangssolisten das lockere Abschlusskonzert mit Ausschnitten aus Opern von Mozart, Bizet und Rossini. Zu den Höhepunkten des Abends zählten Arien aus Mozarts „Don Giovanni“ und „Figaros Hochzeit“, gesungen von der jungen Sopranistin Michaela Maria Mayer, die Bosch in Aachen aufbaute und mit nach Nürnberg nahm, wo sie eine grandiose Entwicklung nahm.

Sowohl Bosch als auch die fördernden Hoteliers legen großen Wert auf eine hochwertige Qualität der Konzerte. So gehörten zu den diesjährigen Künstlern Stars wie die Geigerin Isabelle Faust, der Cellist Peter Wispelwey und der Bariton Roman Trekel. Grandios auch das „Atos Trio“ mit packenden Interpretationen der beiden Klaviertrios von Felix Mendelssohn Bartholdy. Und eine „Sommerakademie“ beschert den Kindern eine altersgerechte Unterhaltung und Teilnahme an dem Festival vor schönster Alpen-Kulisse.

Die zu genießen, dafür blieb Marcus Bosch freilich nicht allzu viel Zeit. Unmittelbar nach Ende des Fests reist er nach Hamburg, wo die Premiere der Höller-Oper auf ihn wartet.

Premiere an der Hamburgischen Staatsoper: 14.9., 18 Uhr. Weitere Infos: www. waldhauskonzerte-flims.ch .


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