Brücken zwischen Ost und West 13. Morgenland Festival startet mit Fokus Libanon

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Osnabrück. Der Libanon zu Gast in Osnabrück: Das Morgenland Festival hat das Land am Mittelmeer zum Länderschwerpunkt erkoren. Und so trafen die Besucher des Festivals schon am ersten Wochenende auf zahlreiche Musiker, die entweder aus dem Libanon stammen oder dort leben.

Mit tiefer Stimme singt Rabih Lahoud in der Lagerhalle „Ya insan“, „Oh Mensch“. Begleitet vom Pianisten Clemens Pötzsch, verwandelt er seinen Stimmduktus, verfällt in eine sanfte Tonlage, schraubt sich alsbald in Countertenor-Gefilde, derweil Trompeter Marcus Rust die arabisch geprägten Melodie-Linien aufnimmt und variiert. Masaa heißt die Band, die europäischen Jazz mit der Musik des Mittleren Ostens zu einer einzigartigen, homogenen Melange verschmilzt. Sänger Lahoud ist der Frontmann der Band. Er wuchs im Libanon auf, kam aber schon bald nach Deutschland, um hier Musik zu studieren. In Osnabrück wurde er jetzt zu einer Art musikalischem Ankermann, denn bereits bei der Eröffnung des Morgenland Festivals in der Marienkirche spielte er eine zentrale Rolle.

Dort verband sich Lahouds fantastische Stimme mit den getragenen Klängen der Orgel, bis sich ein Saxofon einmischte. Dann setzten sich die Musiker in Bewegung: Von der Orgelempore schritten sie zum Altar der Marienkirche und trafen dort auf einen Ney-Spieler, der die orientalische Längsflöte virtuos beherrscht. Er begab sich in ein schillerndes Zwiegespräch mit dem Saxofon – bis auch der Orgelspieler zum Konzertflügel auf der Bühne vor dem Altar gewechselt war. Der Dialog, der hier zwischen der Musik des Ostens und Westens stattfand, wurde auf eine geografisch-physische Ebene gehoben.

Musik verbindet

Pianist Florian Weber hatte diese Kooperation exklusiv für das Morgenland Festival initiiert: Zusammen mit Rabih Lahoud, der deutschen Flötistin und Saxofonistin Anna-Lena Schnabel und dem syrischen Ney-Virtuosen Moslem Rahal bildete Weber dieses außergewöhnliche Ensemble, das musikalische Brücken zwischen Morgen- und Abendland baute.

Fulminant wurde das grenzüberschreitende Klangerlebnis, als der Salam-Syria-Projektchor unter der Leitung von Jörg Mall sich zu dem Quartett gesellte, um von Weber arrangierte, traditionelle arabische Lieder zu interpretieren. Bei dem Lied „Al Eyn“ bekamen sie zusätzlich Unterstützung von dem Bassisten Tony Overwater und dem deutschen Perkussionisten Ruven Ruppik, die zuvor mit der libanesischen Sängerin Rima Khcheich in der Marienkirche aufgetreten waren. Mit ihrem Ensemble aus niederländischen und deutschen Musikern verbandelte sie modernen Jazz mit den Liedern der arabischen Klassik.

„Haflet Taraf“ heißt ein moderner Song von dem libanesischen Komponisten Rabih Mroué. „Es wird viel Blabla über den Frieden gesprochen, aber die wenigsten tun etwas“, übersetzte Khcheich den Inhalt des Liedes und sprach damit vielen aus der Seele, die sich mit den Kriegen in der Welt und ihren Folgen nicht abfinden wollen. Die Flüchtlingssituation hatte den künstlerischen Leiter, Michael Dreyer, motiviert, den Libanon in den Fokus seiner diesjährigen Veranstaltungen zu stellen.

Regelmäßige Besucher des Festivals wissen, dass er gern Musiker einlädt, die ungewöhnliche Klangerlebnisse ermöglichen. So traf in der Lagerhalle der französische Kontrabassist Renaud Garcia-Fons auf Derya Türkan, der die Kemençe spielt, eine türkische Kastenhalslaute. Es traten zwei Saiteninstrumente, die unterschiedlicher nicht sein können, in eine spannende Konversation: Hier die kleine, geradezu filigrane, dreisaitige Istanbul-Kemençe, dort der eigentlich behäbige Kontrabass, der von Garcia-Fons allerdings so virtuos gehandhabt wird, als sei er ein Teil von ihm. Ausgefallene Streich- und Klopftechnik sowie der Einsatz einer Loop-Station, mit der er ein kontinuierliches Fundament für die weltmusikalischen Melodien und Improvisationen bildete, sorgten beim Publikum für Begeisterung.

Stehende Ovationen provozierte schließlich der Auftritt von Masaa. Drei Zugaben forderte das Publikum von Rabih Lahoud und seiner Band, weil es sich an der außergewöhnlichen Jazzvariante nicht satthören konnte.


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