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12.06.2017, 16:52 Uhr NDR SETZT DAS FORMAT AUS

Jury-Skandal um „Sachbücher des Monats“

Ein Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann


Ein Juryentscheid um Sachbücher sorgt für Streit. Im Bild: Sachbücher auf der Leipziger Buchmesse. Foto: dpaEin Juryentscheid um Sachbücher sorgt für Streit. Im Bild: Sachbücher auf der Leipziger Buchmesse. Foto: dpa

Osnabrück. Der NDR setzt die „Sachbücher des Monats“ aus. Vollkommen zu recht. Das Votum für ein rechtslastiges Pamphlet ist ein Skandal.

Nein, von einem Rechtsruck im deutschen Feuilleton muss nicht gleich gesprochen werden. Aber auch so zeigt der Skandal um die Empfehlungsliste „Sachbücher des Monats“, dass die Kompassnadel mancher Feuilletons bisweilen arg im Kreis rotiert. Orientierung sieht anders aus.

Punkt eins: Juroren setzen sich nicht zusammen, um ihre Voten noch einmal kritisch zu diskutieren. Die Mitglieder der Sachbuch-Jury haben einzeln abgestimmt. Die Ergebnisse gingen dann ohne weitere Sichtung an die Öffentlichkeit. Das ist ein Unding. Der aktuelle Fall der Empfehlung Sieferles eines als „rechtslastig“ offenbar vorsichtig umschriebenen Buches entzieht der Jury-Arbeit jede Legitimation.

Punkt zwei: Der Fall Sieferle sollte manchen Kulturredakteur nachdenklich machen. 2016 waren in einzelnen Feuilletons noch hymnische Nachrufe auf den Auschwitz-Verharmloser zu lesen. Wie konnte das sein?

Punkt drei: Der Fall Sieferle zeigt, in welchem Maß das linke Milieu anfällig für rechtsradikale Gedanken sein kann. Sieferles Schwenk von Marx zu völkischem Denken erinnert an Horst Mahler, der erst RAF-Terroristen verteidigte und inzwischen rechtsradikal denkt. Wie finster.


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