Osnabrück bündelt seine Kräfte „Jeanne d‘Arc“ ist eine musikalische Wucht

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Die geballte musikalische Kraft auf einer Bühne: Osnabrücker Chöre und das Osnabrücker Symphonieorchester führen Jeanne d’Arc au bûcher von Arthur Honegger auf. Foto: Philipp HülsmannDie geballte musikalische Kraft auf einer Bühne: Osnabrücker Chöre und das Osnabrücker Symphonieorchester führen Jeanne d’Arc au bûcher von Arthur Honegger auf. Foto: Philipp Hülsmann

Sieben Osnabrücker Chöre, Schauspieler, Sängersolisten und das Osnabrücker Symphonieorchester: „Jeanne d‘Arc au Bûcher“ von Arthur Honegger ist in jeder Hinsicht ein wuchtiges Werk. Die Aufführung in der Osnabrückhalle ist gelungen.

Die Bühne mäandert in den Zuschauerraum wie eine Gletscherzunge. Kein Wunder: Sieben Chöre, ein üppig besetztes Sinfonieorchester, Sprecher und Sängersolisten brauchen Platz. Das kostet zwar ein paar Sitzreihen, im Gegenzug bekommt das Publikum aber auch Großes geboten: „Jeanne d‘Arc au bûcher“ von Arthur Honegger, ein „dramatisches Oratorium“ über die französische Nationalheilige, die nach einem Schauprozess auf dem Scheiterhaufen endete.

Aus dem Dunkel zum Licht

In absoluter Dunkelheit beginnt das Werk, und das nicht nur bezogen auf die düster dräuende Musik des Prologs, sondern ganz buchstäblich: Das Licht im Saal wird komplett heruntergefahren, und durchs Dunkel schreitet Erika Simons mit einer Kerze zu einer Kanzel am hinteren Rand der Bühne. Von dort überblickt sie, als singendes Alter ego der Jeanne d‘Arc, die wogende Masse aus Chorsängerinnen und -sängern, Musikerinnen und Musikern, wird Zeugin, wie Jeanne einer Farce von Gerichtsverfahren ausgesetzt wird und für ihre persönlichen Integrität in den Tod geht.

Für dieses Mammutwerk bündelt Osnabrück seine wichtigsten musikalischen Kräfte, wobei die Marienkantorei eine treibende Kraft war. Denn deren Leiter Carsten Zündorf gab die Anregung zu dem Großprojekt, und so versammeln sich nun Marienkantorei, Dom- und Jugendchor (Einstudierung: Clemens Breitschaft), Bach-Chor (Arne Hatje), Johannis-Chor (Christian Joppich) Chor St. Joseph (Godehard Nadler) sowie die Kinderchöre von St. Marien (Majka Wiechelt) und Dom (Julia Arling) hinter dem Osnabrücker Symphonierochester unter der Leitung von Andreas Hotz. Weiterlesen: Probenbesuch bei den Osnabrücker Chören

Hervorragende Chöre

Der hält den Riesenapparat umsichtig zusammen, und die Chorleiter haben im Vorfeld offenkundig ebenfalls sorgfältig gearbeitet – das musikalische Osnabrück kann sich hören lassen. Die Chöre kommentieren und verstärken die gesprochenen Texte, sie schaffen aber auch in Vokalisen und gesummten Passagen musikalische Atmosphäre. Das klingt füllig, auch mal wuchtig und trotzdem differenziert und niemals, trotz der vielen Sängerinnen und Sänger, dick.

Honegger stellt indes das gesprochene Wort, die Handlung deutlich in den Vordergrund, und die Aufführung folgt dem Ansatz, indem es die Texte durch szenische Darstellung stützt – wobei Schauspielchef Dominique Schnitzer und Ausstatterin Christin Treunert dem Stück keinen wirklichen Mehrwert erschließen. Denn Honeggers Musik ist für sich schon illustrativ genug: Sie bedient sich bei der Kirchenmusik, taucht den Prozess gegen Jeanne in burleske, sarkastische Töne, nimmt Anleihen beim Jazz und führt die duftigen Klangfarben des Impressionismus weiter.

All das kommt wunderbar zu Geltung, auch dank der anschaulichen Darstellung durch die Schauspieler Klaus Fischer und Thomas Halle als Erzähler, durch Joanna Kitzl in der Titelrolle und Jan Andreesen als Bruder Dominik. Schließlich darf Mark Hamman als Richter mit namens Porcus seinen Tenor und sein darstellerisches Talent aufblitzen lassen – all das macht den Abend zum außergewöhnlichen Erlebnis. Schade nur, dass die ursprünglich geplante Open-Air-Konzerte nicht zustande gekommen sind. Dafür eignet sich das Stück auch nur bedingt – für einen entspannten Klassikabend unter freiem Himmel ist „Jeanne d‘Arc“ schlicht zu komplex. Eine bunte Opern-Gala hätte da völlig genügt. Weiterlesen: Klassik-Open-Air wird abgesagt


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