50 Jahre NOZ Trennung von Ost und West: Berliner Mauer hält 28 Jahre

Von Berthold Hamelmann


Osnabrück. Einer der großen Momente der deutschen Geschichte ereignet sich in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989. Die Berliner Mauer fällt, die Grenzübergänge zwischen dem Ost- und dem Westteil der Stadt sind plötzlich offen. Der Weg zur friedlichen Wiedervereinigung ist frei.

Betonwälle, Stacheldrahtverhaue, Minenfelder, Selbstschussanlagen über fast 160 Kilometer. Es ist ein gigantisches, tödliches Bollwerk, das ab 1961 zum Symbol der deutsch-deutschen Teilung wird. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“. Während einer Pressekonferenz am 15. Juni 1961 kommen dem DDR-Staats- und Parteichef diese Worte über die Lippen. Sie entpuppen sich als plumpe Lüge. Denn tatsächlich liebäugelt die SED seit 1958 mit einer Variante, die unter dem Stichwort „Operation Chinesische Mauer“ die vollständige Abriegelung West-Berlins von der DDR vorsieht. Doch die Schutzmacht der DDR, die Sowjetunion, verfolgt andere Ziele, sperrt sich, gibt lange kein grünes Licht für diese Aktion. Die politische Großwetterlage aber ändert sich.

Kuba-Krise

Der Kalte Krieg, dieser Konflikt zwischen den Westmächten unter der Führung der USA und dem sogenannten Ostblock unter der Führung der Sowjetunion, steuerte gerade mal wieder auf einen nächsten besorgniserregenden Höhepunkt zu. Nach der Berlin-Blockade 1948/49 entwickelte sich die Kuba-Krise. Eine mit verdeckter Hilfe der CIA durch Exilkubaner ausgeführte Invasion in der Schweinebucht von April 1961 endet mit einem Desaster für die Angreifer und brachte Kuba zum engen Schulterschluss mit der Sowjetunion, die unversöhnlicher denn je der USA gegenüberstand.

In der DDR geht es für Walter Ulbricht , DDR-Staatsratsvorsitzender und Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates, und die SED-Führung zu dieser Zeit letztlich ums politische Überleben. Die offene Grenze zwischen dem West- und dem Ostteil Berlins entwickelt sich mehr und mehr zu einer offenen Wunde. Monat für Monat fliehen Tausende Menschen, darunter viele Facharbeiter und Akademiker, über Berlin in den freien Westen. Ulbrichts Land blutet aus. 50000 Ost-Berliner arbeiten zudem Anfang der sechziger Jahre im Westteil der Stadt. Sie sind dadurch privilegiert, erhalten D-Mark und führen ein deutlich besseres Leben als ihre Nachbarn in der DDR. Die D-Mark ist zu dieser Zeit etwa viermal so viel wert wie die Mark der DDR. Das spricht sich herum, das weckt Neid.

Reformen aus dem Osten

Um den Flüchtlingsstrom einzudämmen und die eigene Macht zu festigen, brauchten Ulbricht & Co die Mauer. Im Sommer 1961 gibt die Sowjetunion endlich grünes Licht. Am 13. August 1961 erteilt Ulbricht die Abriegelung der Sektorengrenze in Berlin. Und der damals für Sicherheitsfragen zuständige Sekretär des SED-Zentralkomitees, Erich Honecker, holt die aktuellen Pläne zum Mauerbau aus der Schublade. Das letzte Schlupfloch, um der DDR-Diktatur zu entkommen, wird geschlossen. Für 28 Jahre, bis 9. November 1989.

Jubelnde Menschen sitzen mit Wunderkerzen auf der Berliner Mauer: Nach der Öffnung eines Teils der deutsch-deutschen Grenzübergänge in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 reisten Millionen DDR-Bürger für einen kurzen Besuch in den Westen. Foto: dpa

Die Reformpolitik des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow veränderte ab 1986 alles. Perestroika (Umbau) und Glasnost (Offenheit) setzten friedlich nie für möglich gehaltene Prozesse in Gang. Als erste Staaten führten Polen und Ungarn politische Reformen durch und setzten die DDR unter Druck. Das sture Festhalten an ihrem sturen Kurs isolierte die SED-Regierung zunehmend auch im eigenen Land, dem unmittelbar vor dem Mauerfall die wirtschaftliche Pleite drohte. Der Unmut und der Protest machten sich in den weltweit beachteten Montagsdemonstrationen Luft. Am 9. Oktober 1989 gehen 70000 Menschen in Leipzig für Reformen friedlich auf die Straße und erhöhten den Druck auf die DDR-Regierung. Am 1. November tritt der DDR-Ministerrat zurück, das gesamte SED-Politbüro folgt einen Tag später. Am 9. November laufen Beratungen über eine neue Ausreiseregelung. Um 18 Uhr gibt SED-Sekretär Günter Schabowski bei der legendären Pressekonferenz bekannt, dass Reise-Neuregelungen „ab sofort, unverzüglich“ gelten. Agenturmeldungen sprechen davon, dass die DDR die Grenzen öffne. Und die Ostberliner Bevölkerung schaut nach, strömt in immer größerer Zahl zu den Übergängen. Die Grenztruppen sind überfordert, schießen aber nicht und geben dem Druck nach. Nachts sind alle Berliner Grenzübergänge offen. Die Berliner Mauer hat den Schrecken verloren.


Die Berliner Mauer vervollständigte während ihres Bestehens die fast 1400 Kilometer lange innerdeutsche Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR. Dieser bis zu fünf Kilometer breite Streifen begann am Dreiländereck Bayern, Sachsen, Böhmen und endet an der Lübecker Bucht.