„Die längste Gehirn-OP meines Lebens“ Studio Braun zu Gast in der Osnabrückhalle

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Osnabrück. Das Komiker-Trio Studio Braun ist anlässlich ihrer Werkschau „Drei Farben Braun“ nach Osnabrück gekommen. Die Meister des Gaga-Humors beweisen einmal mehr: Sie verstehen nicht nur das Spiel mit den Worten, Sie verstehen das Spiel mit dem Publikum.

Blitze und Donner schlagen auf der Projektionsleinwand nieder, eine Stimme erklingt weihevoll aus den Lautsprechern des Kongresssaals in der Osnabrückhalle und verkündet die „Sage von Pissos“, an deren Ende „drei Braune Säulen“ der deutschen Humorlandschaft entstehen. Ein angemessener Einstieg für Heinz Strunk, Jacques Palminger und Rocko Schamoni, die als Studio Braun seit mehr als 20 Jahren die deutsche Humorszene durchschütteln.

Wohlwissend, dass ihre Shows sowohl von den Fans als auch von den weniger informierten Besuchern als großes Faszinosum gesehen werden, bemerkte Jacques Palminger zu Beginn, er blicke hier in Gesichter von Menschen, „die keine Ahnung haben, was hier in den nächsten dreieinhalb Stunden passiert.“ Es sei wie Apassionata, nur ohne Pferde: „Wir sind drei Dompteure, die auf der Bühne stehen und die Peitsche schwingen.“ Dieser Wink in Richtung Publikum wird im Laufe des Abends immer weniger subtil.

Wie alles begann

Und so beginnt das Trio ihre Werkschau zum neuesten, biografischen und „ziemlich schweren und ziemlich teuren“ Buch „Drei Farben Braun“. Das Buch ist eine Reise durch die Jugend der drei Künstler, die Anfänge und die verschiedenen Stationen ihrer Karriere, gespickt mit peinlichen Kinderfotos und Backstage-Bildern.

Von Kunstaktionen im öffentlichen Raum, wie etwa die freiwillige Werbung für Fanta-Limonade im Hamburger Schanzenviertel mit dem Slogan „Fanta immer ganz auftrinken“, über die legendären Telefonstreiche, aus denen ein ganzes Comedy-Genre entstehen sollte, bis hin zu großen Theaterproduktionen inklusive Massen-Schlafanzugparty in Hamburg und Berlin. Jacques Palminger nennt das Projekt Studio Braun zusammenfassend „die längste Gehirn-OP meines Lebens.“

Zwischen Meta-Humor und Herrenwitz

Palminger, Schamoni und Strunk lesen, musizieren und improvisieren sich mit beneidenswertem Wortschatz und Wortgewandtheit durch ihr dadaistisches Programm. Manche Gags zünden nicht, aber manche Gäste sind so angefixt von den Worten der drei Hamburger, dass sie in fast extatisches Lachen verfallen, sobald derbe Reizworte fallen, während der Rest des Saals schmunzelt.

Studio Braun sind Profis genug um zu erkennen, dass nicht alle Besucher ihren durchaus anspruchsvollen Meta-Humor zwischen den Herrenwitzen heraushören. Also schwingen die Dompteure tatsächlich ihre Peitsche, lassen das Publikum die Punchline ihres Songs „Schäferstündchen“ laut mitsingen – der nicht ganz ausverkaufte Saal ruft freudig „Määh!“ zurück.

Noch deutlicher wird es, wenn Rocko Schamoni gen Ende der Show singt „Ihr findet alles geil“. So bedient das Trio gleichzeitig Freunde des Gaga-Humors, der durchaus als Kritik am kulturellen Establishment verstanden werden kann, und die Anhänger des Fäkalhumors, von Studio Braun liebevoll „Sexualschmunzeleien“ genannt.

Stärke liegt in der Improvisation

Die drei spielen ihre gewohnten Rollen: Strunk, der miesgelaunte Gescheiterte, Schamoni, „der Mann für’s Grobe und Klumpige“ und Palminger, der abgehobene Exaltierte. Das Zusammenspiel wirkt wenig lustvoll.

Dabei liegt die Stärke des Trios in der Improvisation. Das wird deutlich, als Rocko Schamoni sich während der Lesung ein paar Kartoffelchips in den Mund schiebt, mit vollem Mund schmatzend weiter liest und Strunk von der Seite raunt „Das ist wohl deine Art von Humor, was?“ Von dem darauffolgenden kurzen Schlagabtausch hätte man an diesem Abend gerne mehr gehört.

Grandios ist es auch, als Jacques Palminger als hausmannskostverspeisender Gott dem ratsuchenden Strunk auferlegt, seinen Tauchschein im Gazastreifen zu absolvieren. Zwar wird Palmingers Darstellung als Video an die Leinwand geworfen, doch der Monolog ist offensichtlich improvisiert – und wirklich witzig.

(Weiterlesen: Studio Braun als „Fraktus“ in der Osnabrücker Lagerhalle)


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