Risken-Stiftung gibt kein Geld mehr Bad Rothenfelde: „lichtsicht“-Biennale in Gefahr


Bad Rothenfelde. 2017 läuft die letzte „lichtsicht Projektions-Biennale“ in Bad Rothenfelde. Die Heinrich W. Risken-Stiftung finanziert das Format nicht weiter. Die Biennale hatte seit 2007 mit Kunst auf Documenta-Niveau begeistert.

„Wir wollten für die lichtsicht Projektions-Biennale immer nur die Initialzündung geben. Jetzt ist der Zeitpunkt dafür gekommen, dieses Engagement zu beenden“, sagte Heinrich W. Risken, Mäzen und Stifter der Heinrich W. Risken-Stiftung unserer Redaktion. Die Stiftung hatte das Kunstprojekt seit seiner ersten Ausgabe 2007 mit erheblichen Mitteln finanziert. Vor zwei Jahren waren mit dem Uhrenhersteller Rolex und dem Juwelier Rüschenbeck erstmals Sponsoren mit in die Finanzierung des Kunstevents eingestiegen. Dennoch soll die „lichtsicht“, die vom 29. September 2017 bis zum 28. Januar 2018 zum sechsten Mal stattfinden wird, nach den Worten von Heinrich W. Risken mit ihrem zehnjährigen Bestehen eingestellt werden. Die Stiftung verstehe sich nicht nur als Kulturveranstalter, sagte Risken. Hier weiterlesen: Zehn Jahre „lichtsicht“ mit Retrospektive.

Mit Wilson und Kentridge

Die zunächst von dem zweifachen Documenta-Leiter Manfred Schneckenburger und ab 2015 von Peter Weibel, dem Leiter des Zentrums für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe, kuratierte Ausstellung mit Projektionskunst hatte mit brillanten Beiträgen und einem einmaligen Präsentationsort schnell überregional gepunktet. Zuletzt hatte Peter Weibel mit Robert Wilson und William Kentridge Stars der internationalen Kunstszene für das Kunstereignis in dem Kurort bei Osnabrück gewinnen können. Mit den insgesamt über einen Kilometer langen und elf Meter hohen Gradierwerken, Holzbauwerken zur Salzgewinnung, steht in Bad Rothenfelde eine exorbitant große Projektionsfläche für die Videobeiträge der Biennalen zur Verfügung. Die sechste und vorerst letzte Ausgabe der „lichtsicht“ wird als „Best of“ der bisherigen Ausgaben konzipiert werden. Hier weiterlesen: Wie war die „lichtsicht“ 2015? Die Besprechung.

Keine Unterstützer

„Wir haben mit der lichtsicht Biennale alles erreicht. Wir haben ein Format erarbeitet, dass es verdient hätte, eine Zukunft zu haben. Leider wird das nicht unterstützt“, blickt Heinrich W. Risken auf das zehnjährige Engagement seiner Stiftung zurück. Peter Weibel unterstützt diese Kritk. Die Biennale sei „kein privates Hobby, sondern eine Leistung für die Allgemeinheit“, sagte Weibel unserer Redaktion auf Anfrage. Das hohe finanzielle Engagement für das Kunstereignis könne ein Einzelner nicht mehr allein tragen. „Es ist zu erwarten, dass die öffentliche Hand die Biennale weiter trägt“, sagte der Kurator. Aus seiner Sicht besonders tragisch: In Bad Rothenfelde drohe das Aus für ein Format, das inzwischen oft kopiert werde. Peter Weibel nannte als Beispiele Präsentationen von Lichtkunst in Baden-Württemberg, im österreichischen Graz sowie in den französischen Städten Nancy und Lyon. Hier weiterlesen: Kulturförderpreis für heristo.

Bürgermeister winkt ab

Nach Darstellung von Heinrich W. Risken hat die Suche nach weiteren Unterstützern des Kunstformates aber zu keinem Ergebnis geführt. Wie Risken sagte, habe er in Gesprächen in der Gemeinde, beim Landkreis Osnabrück und beim Land Niedersachsen keine positiven Rückmeldungen erhalten. Eine „Fortsetzung durch die öffentliche Hand“ könne es mit Blick auf die hohen Kosten der Biennale nicht geben, sagte der Bad Rothenfelder Bürgermeister Klaus Rehkämper auf Anfrage. Als „Leuchtturmveranstaltung“ habe die Biennale in der Region viel bewegt. Nun müsse überlegt werden, ob es eine Fortsetzung in „abgespeckter Form“ geben könne. Dafür seien Gespräche aufzunehmen, sagte Rehkämper. Das wird auch beim Landkreis Osnabrück so gesehen. Der Landkreis könne sich nur engagieren, wenn auch andere Förderer gefunden würden, sagte Sprecher Burkhard Riepenhoff auf Anfrage. Immerhin wertet der Landkreis die „lichtsicht“ als „kulturelles Aushängeschild für das Osnabrücker Land“. Hier weiterlesen: „lichtsicht“ 2015 - interaktive Kunst im Test.

Vier Monate Kunst

Die sechste und vorerst letzte Ausgabe der „lichtsicht“ wird 2017 nach der Ankündigung „zwanzig aufsehenerregende Beiträge aus den fünf vorausgehenden Biennalen“ präsentieren. Damit werde „ein wichtiges Stück visueller Mediengeschichte hautnah zu erleben“ sein. Diese Ausgabe der Biennale wird von Peter Weibel und Manfred Schneckenburger gemeinsam kuratiert werden. Mit rund vier Monaten wird diese Edition eine besonders lange Laufzeit haben.


Wer nimmt an der „lichtsicht 6“ teil? Die Künstlerliste

AES+F (RUS): The Feast of Trimalchio

Michael Bielicky & Kamila B. Richter (CZ/D): Why Don’t We?

Holger Förterer (D): Feuerwall

Harald Fuchs (D): Energieverlust/ H2O

Eyal Gever (ISR): Water Dancer

Mihai Grecu (RO/F): The Impenetrable

Detlef Hartung & Georg Trenz (D): Generatio

Ryoji Ikeda (J/F): the radar [bad rothenfelde]

William Kentridge (ZA): More Sweetly Play the Dance

Sigalit Landau (ISR): Dead Sea

Moon Kyungwon & Jeon Joonho (KR): Heitere Landschaft - Welcome Mr Courbet / Cheerful Landscape - Welcome Mr Courbet

Klaus Obermaier (A): Dancing House

rosalie (D): Marathon der Tiere

Martin Rosenthal (D): 90 Grad

Robert Seidel (D): Advection

Kanjo Také (J/D): Mikado

Urbanscreen (D): Strukturen

Katarina Veldhues & Gottfried Schumacher (D): Phantom

Claudia Wissmann (D): Prime Time

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