Konzert mit der Vierten von Bruckner Osnabrücker Symphonieorchester in romantischer Stimmung

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Gute Kombination: Daniel Ochoa singt, begleitet vom Osnabrücker Symphonieorchester unter Andreas Hotz, Goethe-Lieder von Hans Sommer. Foto: Swaantje HehmannGute Kombination: Daniel Ochoa singt, begleitet vom Osnabrücker Symphonieorchester unter Andreas Hotz, Goethe-Lieder von Hans Sommer. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Bruckners Sinfonien stellen für jedes Orchester eine Herausforderung dar. Das Osnabrücker Symphonieorchester hat sich am Montag dafür jugendliche Unterstützung geholt.

Kaum ein Komponist löst so viel Fragen aus, birgt so viel Diskussionsstoff wie eine Sinfonie von Anton Bruckner. Auch für Orchestermusiker stellt das immer etwas Besonderes dar; so groß der Apparat auch ist, der an diesem Montagabend im Europasaal der Osnabrückhalle auf dem Podium sitzt: Verstecken geht bei Bruckner nicht. Jede Unentschiedenheit im Zugriff offenbart sich ziemlich gnadenlos. Und ausgerechnet da holt Generalmusikdirektor Andreas Hotz Nachwuchsmusiker auf die Bühne?

Die „Romantische“ mit jugendlicher Verstärkung

Sicher ist es ein Risiko, für Bruckners vierte Sinfonie Es-Dur, die sogenannte „Romantische“, die Verstärkung beim Nachwuchs zu suchen. Aber das Orchester hat gut mit den jungen Leuten gearbeitet: Erstmals ist, mit finanzieller Hilfe der Felicitas und Werner Egerland Stiftung, eine Orchesterakademie ins Leben gerufen worden. Ziel war es, jungen Musikern die Chance zu geben, einmal mit einem Profiorchester zu arbeiten; immerhin 17 haben sich gefunden, die den Qualitätsvorstellungen des Orchesters entsprochen haben. Sie sitzen also nun mit auf dem Podium, einer sogar am ersten Cello-Pult. Und man musste nun schon genau hinschauen, um die jugendliche Verstärkung zu erkennen – auf den ersten Blick waren die Akademistinnen und Akademisten nicht auszumachen. Schöne Geste, dass Hotz sie zum Schlussapplaus gesondert aufstehen lässt. Weiterlesen: Ein Besuch bei der Orchesterakademie

Entscheidend aber ist: Sie waren auch akustisch nicht auszumachen. Allzu oft kommt das Osnabrücker Symphonieorchester ja nicht in den Genuss, eine Brucknersinfonie zu spielen. Denn ein Orchester dieser Größenordnung muss da seine Bordmittel durch etliche hinzuverpflichtete Musiker auf Bruckner-Sollstärke aufstocken. Allein angesichts knapper Kulturbudgets kann sich das Orchester so einen Spaß nicht oft leisten. Was schade ist. Denn die Musikerinnen und Musiker wissen viel mit dieser Musik anzufangen.

Wie muss Bruckner klingen?

Sicher muss man nicht mit allem einverstanden sein, was Hotz anbietet: Er hält das Blech manchmal zurück, um die Streicher nicht zu überdecken, gleichzeitig dominiert die Pauke, und die folkloristischen Passagen könnten ein bisschen mehr Spritzigkeit durchaus vertragen. Aber das Entscheidende ist: Hotz findet eine eigene, plausible Lesart. Er realisiert einen warmen, dunklen Grundklang, der Entfaltungsräume beansprucht. Hotz wählt daher relativ breite Tempi, die das Werk auch gut vertragen kann. Allerdings erwächst daraus paradoxerweise die Gefahr einer gewissen Kleinteiligkeit: Das Orchester muss durch Betonungen und minimale Zäsuren gewissermaßen Stützpfeiler einziehen, damit die Spannungsbögen nicht durchhängen. Trotzdem kommt eine hörenswerte und diskussionswürdige Interpretation zustande. Und ein Plädoyer dafür, die Orchesterakademie weiterzuführen. Es müssen ja nicht permanent 17 Nachwuchsmusiker sein. Weiterlesen: Das Osnabrücker Symphonieorchester spielt Mahlers Vierte

Eingeleitet wird der Abend durch eine spannende Entdeckung: Ein Zyklus mit Goethe-Orchesterliedern des Liszt-Schülers Hans Sommer. Die Tonsprache des um 1920 entstanden Zyklus lässt den Einfluss von Richard Strauss erkennen, aber Sommer findet für Gedichte wie „Der Fischer“, „An den Mond“ bis zu „Wanderers Nachtlied“ bildhafte, filigran gezeichnete Musik, und Bariton Daniel Ochoa interpretiert den Gesangspart mit warmer, wandlungsfähiger, eindringlicher Stimme. Von beidem würde man gern mehr hören: von Ochoa sowieso. Und Hans Sommer soll ja auch einige Opern geschrieben haben. Grandiose Entdeckung: Die Oper „Das Lied der Nacht“


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