Auch die Mutter saß im Publikum Helmut Lotti feiert Bühnen-Comeback in Osnabrück

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Osnabrück. Helmut Lotti gilt mit seinen Interpretationen klassischer und populärer Musik als erfolgreichster Sänger Flanderns – und doch hat er seine Karriere 2011 auf Eis gelegt. Sechs Jahre später ist er zurück und feiert sein seitdem erstes abendfüllendes Konzert in der Osnabrückhalle vor begeistertem Publikum.

Eine bessere Rückkehr auf die Bühne hätte sich Helmut Lotti vermutlich nicht wünschen können: Eine fast ausverkaufte Osnabrückhalle, in den ersten Reihen ein Fanblock, der schon zu Beginn einen Spruchbanner mit Herz für den belgischen Sänger hochhält, es wird mitgesungen und laut geklatscht – und mitten im Publikum sitzt seine Mutter, die extra in die Hasestadt angereist ist, um zu sehen, wie ihr inzwischen 47-jähriger Sohn nach sechs Jahren Pause das erste Mal wieder so richtig auf der Bühne steht.

 

Entschleunigung war die Devise

Es war 2011 als Lotti während einer Australien-Tour beschloss, auf die Bremse zu treten und die Glühbirne aus dem Rampenlicht herauszudrehen. Entschleunigung war die Devise nach vielen Jahren, in denen er mit seinen Interpretationen klassischer und populärer Musik um die Welt tourte, jede Menge Gold und Platin für seine Platten einheimste und dabei zu Flanderns erfolgreichstem Sänger aufstieg. Stattdessen veröffentlichte er lediglich ein Album für den flämischen Markt und gab nur vereinzelt Konzerte. 2016 folgte aber schließlich das Comeback Album, das auch genau so heißt, und 2017 steht nun die dazugehörige Tour an, deren Uraufführung in Osnabrück gefeiert wird, die er abermals mit dem Golden Symphonic Orchestra unter der Leitung von Wim Bohets bestreitet. (Helmut Lotti im Interview: Ich habe das Toupet gehasst)

Selbstironie

„Mal sehe ich aus wie ein Crooner, dann sehe ich aus wie Wladimir Putin“, sagt Lotti selbstironisch zum Beginn des Konzerts. Tatsächlich besteht eine gewisse Ähnlichkeit zum russischen Staatsoberhaupt. Er spielt damit zum einen darauf an, inzwischen sein Toupet nicht mehr zu tragen, das ihm zum Image des Schwiegermutters Liebling verholfen hat, und nun Halbglatze trägt, zum anderen verweist er auf sein ausgiebiges Programm: Im Laufe seiner Karriere hat der stimmgewaltige Belgier seinen musikalischen Horizont wieder und wieder erweitert. Von Pop bis Klassik, von Swing bis Rock’n’Roll und von Weltmusik Südafrikas bis Russlands deckt der bekennende Elvis-Fan alles ab. Am besten ist er dabei immer in den Momenten, in denen er den Crooner gibt und über die Bühne fegt. Dann scheint Lottis Show am hellsten und dann ist das Golden Symphonic Orchestra am agilsten. Ob Elvis, Queen oder die Beatles – er scheut nicht vor den größten Größen der Popgeschichte und nimmt sich ihren Klassikern wie etwa der „Bohemian Rhapsody“ oder „Hey Jude“ an. Bei Letzterem steigt der Sänger von der Bühne, sucht sich einzelne Besucher aus dem Publikum heraus – natürlich auch seine Mutter – und hält ihnen das Mikrofon zum Mitsingen hin.

Beeindruckende Stimme

Die große Attraktion der Helmut-Lotti-Show ist neben dem hervorragenden Orchester die Stimme des Sängers, die dreieinhalb Oktaven umfasst. Beeindruckend sind die hohen Töne, die er lang und laut zum Ende vieler Stücke hält. So kräftig wie er in der OsnabrückHalle ertönt ist es erstaunlich, dass ausgerechnet seine Interpretation von Leonard Cohens „Hallelujah“ als blassester Moment des Abends zurückbleibt. Und auch, wenn es manchmal ein bisschen zu heimelig wird, wenn Lotti einige Balladen hintereinander singt, und auch wenn die musikalische Bandbreite zwar beeindruckend ist aber in seiner schieren Masse auch sehr beliebig wirkt, so liefert der Sänger doch einen starken Einstand in seinen neuen Karriere-Abschnitt. „Das wird mir immer in Erinnerung bleiben“, sagt er. Auch wenn Musiker oft betonen, dass das heute anwesende Publikum das beste aller Zeiten sei – da ist ein Ton in seiner Stimme, der es einen wirklich glauben lässt.


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