Guardians Vol. 2 – die Kritik Guardians of the Galaxy Vol. 2: Konfetti im kosmischen Nichts

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Berlin. Guardians of the Galaxy Vol. 2: Es geht um nichts, die Helden sind neurotisch und viel zu bunt: Wieso funktioniert „Guardians 2“ trotzdem so gut?

Wie gut ist James Gunns „Guardians of the Galaxy Vol. 2“? Unsere Kritik:

Lustvolle Selbstverschwendung in „Guardians of the Galaxy Vol. 2“

Eine der aufwendigsten Kreaturen aus „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ ist ein galaktischer Riesenkraken. Nicht genug damit, dass Regisseur James Gunn dieses Prachtstück digitalen Monsterdesigns gleich in der Eröffnungssequenz zu Brei schlägt. Er verlegt den spektakulären Kampf auch noch in die Unschärfe. Held der Szene ist das Baumwesen Baby Groot, das im Vordergrund launige Tanz-Moves hinlegt, während seine Freunde in den Schlund der Bestie stürzen. Willkommen in der verschwenderischen Welt der Marvel-„Guardians“, in der ein guter Gag auch mal mehrere Millionen Dollar kosten darf. ( Guardians of the Galaxy: Wieso nimmt Netflix ausgerechnet jetzt Teil 1 aus dem Programm?)

„Guardians of the Galaxy“: der recycelte Plot

Vor drei Jahren wurden die „Guardians of the Galaxy“ zur erfolgreichsten Neueinführung eines Marvel-Teams; mit einem Budget von 170 Millionen Dollar machte der Film an der Kinokasse eine Dreiviertel Milliarde. Es ist also logisch, wenn „Guardians 2“ den bewährten Plot nur behutsam variiert. Wieder kriegen die Helden wertvolle Artefakte in ihre Finger (bzw. Pfoten und Äste), hinter denen dann alle Völker und Armeen des bekannten Weltalls her sind: die Sovereigns zum Beispiel, eine Nation goldener Gen-Selbstoptimierer. Oder die Ravager, ein Trupp übler Weltraum-Marodeure, denen sich nun auch Sylvester Stallone angeschlossen hat. Und während die Guardians im ersten Abenteuer von Gegnern zur verschworenen Gemeinschaft wurden, verteidigen sie ihre Patchwork-Familie nun gegen feindselige Blutsverwandte. Denn abgesehen vom Bäumchen Groot, das sich als Ableger selbst reproduziert hat, kämpft sich diesmal wirklich jeder an finsteren Vätern oder Ersatzvätern ab – Peter Quill (Chris Pratt), sogar an beidem. (Fünf Post-Credit-Szenen: Was verrät „Guardians of the Galaxy Vol. 2“ im Abspann?)

Die Guardians betreiben neurotische Arbeit am Über-Ich

Peters verschollener Erzeuger entpuppt sich als der gottähnliche Erzschurke Ego (Kurt Russell). Dessen diabolischer Plan ist es, das ganze All in sich selbst zu verwandeln. Ein Universum, das aus nichts als dem eigenen Vater besteht? Drastischer wurde das Leiden am Über-Ich nie in Szene gesetzt. Gunn, von dem auch das Drehbuch stammt, gehört offenbar dringend auf die Couch.

Die Guardians of the Galaxy – ein einziger Komplementärkontrast

Ein Mensch, eine Amazone, ein Waschbär, ein Baum: Die Guardians sind ein einziger Komplementärkontrast, und so sehen auch die Filmsets aus – vom Art-Déco-Schick der Sovereigns, über Yondus Industrial-Rostlaube bis hin zur wie von Jeff Koons zusammengekitschten Welt, in der Ego lebt. Dass dieses Sammelsurium nicht auseinanderfällt, verdankt sich einer Selbstironie, die selbst im nonchalanten Marvel-Universum einzigartig ist. Action und Effekte sind in dieser immer wieder sehr lustigen „Guardians“-Fortsetzung grundsätzlich ihre eigene Persiflage. James Gunn inszeniert die Helden dabei, als wären sie ihre eigenen Zuschauer: Die Guardians jubeln beim Absturz ihres Raumschiffs wie in der Achterbahn, sie lachen über ihre bizarren Alien-Körper und holen das Naschzeug raus, wenn ihre Freunde in die Schlacht ziehen. (Weiterlesen: Was passiert in Avengers 3: Infinity War?)

Sogar den Soundtrack stecken Peter, Rocket und Gamora als Mix-Tape selbst in den Rekorder. (Daher der Zusatz „Vol. 2“ im Titel; als „Awesome Mix Vol. 1“ führte der Soundtrack von Teil 1 die Album-Charts an.) Die Hits vergangener Jahrzehnte bedienen im „Guardians“-Kosmos eine heitere Nostalgie, mit der ältere Fans ihre Sci-Fi-Begeisterung der 80er aufleben lassen. Es ist kein Zufall, wenn die Schüsse einer Feindesflotte einmal wie Arcade-Automaten klingen, wenn David Hasselhoff einen Gastauftritt bekommt und Peter Quill sich im dramatischsten Moment in Pac-Man verwandelt. Zwei Stunden lang feiern die Guardians gemeinsam mit ihren Fans eine funky Party, an deren Ende sogar die Asche kremierter Helden wie Holi-Puder durchs All schwebt. Konfetti in kosmischen Nichts: Ein schönes Bild für das jubelnde „Anything goes“ dieses Films, der in jeder Szene beides zugleich ist: übervoll, aber auch leer. . (Thor 3: Ragnarok – was verrät der erste Trailer?)



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