Dreifacher Oscar-Gewinner Leinwandstar Jack Nicholson feiert 80. Geburtstag

Von Tobias Sunderdiek


Osnabrück. Ein Charakterkopf wird am 22. April 80 Jahre alt: Jack Nicholson. Seit den 60ern verkörpert er in Hollywood den Antihelden. Erfolgreich ist er damit noch immer.

Das „Time Magazine“ bezeichnete sein Lächeln mal als das „eines Haies“. Und Millionen haben sein oft diabolisches Grinsen in Filmen genossen: Jack Nicholsons Stärke ist ein Antiheldentum, gewiss auch sein Charakterkopf. Ein Heldenstrahlelächeln ist ihm fremd.

Das Talent des Schauspielers, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, wurde früh in den Studios des Billigfilmers Roger Corman geformt: Ob er nun als Masochist in „Kleiner Laden voller Schrecken“ (1960) an einen sadistischen Zahnarzt gerät, in Horrorfilmen wie „Schloss des Schreckens“ (1963) oder Monte Hellmans Western „The Shooting“ (1966) auftrat: Seine ersten Rollen waren beeindruckend, wenn auch weitgehend unbemerkt.

Das änderte sich 1969: Die Gegenkultur der 60er verlangte neue Gesichter und bekam ein solches in Jack Nicholson als Nebendarsteller in Dennis Hoppers „Easy Rider“ (1969). Was darauf folgte, waren Rollen bei Roman Polanski („Chinatown“, 1974), Michelangelo Antonioni („Beruf: Reporter“) oder in Milos Formans „Einer flog über das Kuckucksnest“ (1975), in dem Nicholson den Insassen einer Nervenheilanstalt spielte. Der Film wurde zum Kassenerfolg, und seinem Hauptdarsteller brachte er den ersten Oscar ein, den ersten von dreien sowie einen Ehren-Oscar. Auch seine Darstellung als wahnsinnig werdender Familienvater in Stanley Kubricks „Shining“ (1980) wurde gefeiert.

In den 80ern änderte sich jedoch die Kultur Hollywoods. „New Hollywood“-Experimente wurden weniger, die Blockbuster-Filme wichtiger. Nicholsons Image als ungewöhnlicher Charakter geriet in gewisser Weise zum Klischee, etwa als Bösewicht in Tim Burtons „Batman“ (1989) oder als US-Präsident in „Mars Attacks!“ (1996).

Dennoch: Auch in Mainstream-Filmen wie „Zeit der Zärtlichkeit“ (1983) oder der Fantasy-Komödie „Die Hexen von Eastwick“ (1987) überzeugte Nicholson: Er konnte selbst in Filmen wie diesen ein gewisses Maß an Anti-Establishment einbringen. Oder zumindest doch das Image davon.

Als Superstar konnte er aber auch Herzensprojekte realisieren: Wie etwa „The Two Jakes“ (1990), eine zu Unrecht gefloppte „Chinatown“-Fortsetzung, bei der er auch Regie führte. Auch adelte er Independent-Filme wie „About Schmidt“ (2002) mit seiner Präsenz, oder überzeugte als Mafiaboss in Martin Scorseses „The Departed“ (2006). Nachdem er sieben Jahre nicht mehr vor die Kameras getreten war, überraschte kürzlich die Ankündigung, dass er in einem US-Remake des deutschen Festivalerfolges „Toni Erdmann“ mitspielen könnte. In gewisser Weise ist dies ein passendes Pendant zu seiner Lebensrolle: Wie Toni Erdmann, der als „Alt-68er“ sich gegen die glatte Oberflächenkultur von heute wendet, ist auch Nicholson ein Kind der 60er. Ein Hollywood-Star, aber auch ein Künstler, der in der Rebellion geboren wurde.


0 Kommentare