Serie: „Frankreich wählt“ Landschaften, Mode und Chanson: facettenreiches Frankreich


es/ann/Ch.A. Osnabrück. Berühmte Kulturlandschaften wie die Betragne, Burgund und die Provence, Paris als richtungsweisende Modehauptstadt und der Chanson, der traditionelles französisches Liedgut mit modernen Einflüssen vereint. Frankreich ist ein Land mit vielen schönen Facetten.

Blühende Lavendelfelder

Wer Frankreichs berühmte Kulturlandschaften vorm inneren Auge vorbeiziehen lässt, der sieht vor allem: ganz spezielle Farben. Die Bretagne etwa lebt vom Meeresblau – so wie unsere Küsten auch. Doch zu den hellen Sandstränden und weiß gestrichenen Häusern kommt das typische Steingrau von Felsen, Befestigungsanlagen oder historischen Gebäuden, das es bei uns nicht gibt. Die Mischwaldhügel des Elsass hingegen wirken in ihrem Grün deutlich heller als die dunkle Nadelbaummonokultur des benachbarten der Schwarzwaldes.

Durchfährt man das zentralfranzösische Burgund, dann hinterlässt es eine falbe Tönung im Gedächtnis. Die sanft bewegten Landschaften mit viel Wasser sind von den beigegelben Stämmen der Platanen geprägt. Dächer im blassem Ziegelrot, cremeweiße Kühe, falbe Pferde, Brücken aus sandfarbenem Stein unterstreichen diesen Eindruck.

Satter werden die Farben in der südlichen Provence. Gelblicher Sandstein leuchtet und findet sich in den Gebäuden auch der Städte wieder. Berühmt ist die lilafarbene Lavendelpracht entlang der Lavendelstraße oder die ockerfarbene bis rostrote Erde rund um Roussillon im Vaucluse. Ein wenig schmutzig-graugrün allerdings wirkt die Schwemmlandebene der Camargue an der Provence-Küste – um dann beim Näherkommen ganz eigene Farbkontraste zu entfalten. Es verwundert eigentlich nicht, wie viele große Maler dieses Land der ausgeprägten Farben hervorgebracht hat.

Modische Metropole an der Seine

Paris, Mailand, London und New York sind die vier großen Modezentren der Welt. Doch die Metropole an der Seine lebt mit ihren Modeschauen noch von dem Ruf, die richtungsweisendeste zu sein. Das trifft vor allem für die Kreationen der Haute-Couture-Kollektionen zu, bei denen es heute in erster Linie nicht um Tragbarkeit, sondern um Aufmerksamkeit und die Setzung von Modetrends geht.

„In London ist die Mode eine Pflicht, in Paris ein Vergnügen“, erklärte der französischen Schauspieler und Chansonsänger Maurice Chevalier (1888–1972) den feinen Unterschied. Es scheint deshalb kein Wunder, dass sich in Paris einst Schneider zu Künstlern entwickelten und als Modeschöpfer gefeiert wurden. Aber: Als Begründer dieser Haute Couture („gehobene Schneiderei“) der Damenmode gilt ein Engländer: Charles Frederik Worth, Schneider und Modekünstler, der Mitte des 19. Jahrhunderts sein Modehaus in Paris eröffnete, zu dessen Kundinnen die britische Königin Victoria gehörte.

Die Modemetropole an der Seine profitiert weiterhin von der Anziehungskraft ihrer traditionsreichen Modehäuser und deren Designer, die im 20. Jahrhundert die luxuriöse Damenmode prägten: Coco Chanel, Yves Saint Laurent und Christian Dior. „Ein Modell aus Paris“: Das vermittelt immer noch die Vorstellung von Eleganz und Extravaganz, umgesetzt mit exklusiven Design und hochwertigen Materialen.

Chanson vereint

Das Schlagzeug schlägt leise, der Bass setzt ein, eine Gitarre gibt unaufdringlich die Melodie vor. Dann erklingt diese helle Stimme, mit feiner Lethargie erzählt sie von der Zeit der Liebe und des Herzschmerz. „Le temps de l’amour“ sang Francoise Hardy 1962, zu Hochzeiten des Pop-Chansons. Namen wie Edith Piaf, Charles Aznavour, Serge Gainsbourg, Julian Clerc oder eben Hardy sind fest mit unserem „typisch französischen“ musikalischen Bild des Nachbarlandes verbunden.

Ganz wie das deutsche Liedermachertum hat der französische Chanson, was übersetzt ja nichts anderes als Lied bedeutet, seinen Ursprung im politischen: Während der Revolution 1789 waren sie beispielsweise Mobilisierungslieder.

Im 19. Jahrhundert verdrängten dann nach und nach Einflüsse des Realismus die kritischen Töne, später folgte der Einfluss des Schlagers und des Kabaretts. Dennoch verlor der Chanson nie das, was man wohl mit „typisch französisch“ umfassen möchte: Diese Leichtigkeit, Unaufdringlichkeit und eine Spur Melancholie.

Mit dem lasziven „Je t’aime ... moi non plus“ schaffte Serge Gainsbourg 1967 dann den Skandal schlechthin. Und einen Welterfolg für das französische Liedgut. Bis in die 1960 stark am Jazz orientiert, entwickelte sich der Chanson mit der aus Amerika und England herüber schwappenden Beatmusik immer weiter. Heute steht der Chanson vor allem für die Verbindung alter Traditionen und neuer Einflüsse. Sängerinnen wie Zaz oder Alizée vermischen erfolgreich Chanson und Popmusik, Nolwenn Leroy ist mit ihren bretonischen Liedern ein gefeierter Star in Frankreich. So bleibt auch der „nouvelle chanson“ tief verwurzelt in der Tradition französischer Liedermacher.


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