Meister der üppigen Formen Maler Fernando Botero feiert heute 85. Geburtstag

Korpulente Figuren sind sein Markenzeichen: Fernando Botero. Foto: imago/ViennareportKorpulente Figuren sind sein Markenzeichen: Fernando Botero. Foto: imago/Viennareport

Medellín. Eine sehr rundliche Frau liegt hüllenlos mitten auf der Plaza Botero. Ein korpulenter Soldat reitet auf einem Pferd. Und ein üppiger Mann steht nackt und dominant auf dem Rücken einer Frau.

Es gibt wenige Orte auf der Welt mit solch einem ungewöhnlichen Freilichtmuseum, die die Liebe eines Künstlers zu seiner Heimatstadt manifestieren. Die Bronzefiguren des kolumbianischen Bildhauers und Malers Fernando Botero stehen auf der nach ihm benannten Plaza Botero in Medellín. Botero, der heute 85 Jahre alt wird, ist einer der wichtigsten und bekanntesten Künstlers Lateinamerikas der Gegenwart – bekannt für die überproportionalen Formen, meist recht sexualisiert.

„Ich habe nie eine dicke Frau gemalt“, betonte er mal ironisch. Dabei hat er es zu Weltruhm gebracht mit seinen üppigen Damen. Für ihn sind das aber keine dicken Frauen, sondern der künstlerische Ausdruck einer Verherrlichung der Sinnlichkeit und des Lebens. „Ich gebe allem Volumen: einem Tier, einem Mann, einem Pferd, einer Landschaft, was es auch sei. Großzügigkeit und Üppigkeit stehen für mich in enger Verbindung mit der Sinnlichkeit.“

Die Formen sind so ungewöhnlich, dass sie niemanden kalt lassen. Seinen unverkennbaren Stil begann er 1956 in Mexiko zu entwickeln, als er eine Mandoline malte. „Als ich das Loch im Musikinstrument malte, sah ich, dass es sehr klein war und die Mandoline dadurch größer wirkte. Da sagte ich mir: Hier ist etwas geschehen. Ich begann hierüber nachzudenken“, erzählte er in Mexiko-Stadt bei einer Retrospektive über sein Erweckungserlebnis. Ausstellungen erzielen Rekordzahlen, die in Mexiko sahen 300000 Besucher. Einer seiner Galeristen, Luis Fernando Pradilla, sagte „El Tiempo“, Picasso, Miró und Botero seien die Künstler, „die am meisten kopiert und gefälscht werden auf diesem Planeten“. Im Atelier steht ihm niemals jemand Modell. Botero malt aus der Erinnerung und mit seinen Gedanken.

Geboren wurde Botero 1932 in Medellín. Der Vater starb früh und hinterließ der Familie nur wenig. Ein vom Stierkampf begeisterter Onkel schickte Botero mit 15 Jahren in die Torero-Schule. Doch anstatt mit den Stieren zu kämpfen, zeichnete der Junge sie. Er fand Arbeit als Illustrator bei der Zeitung „El Colombiano“ und gewann einen Kunstpreis in Bogotá. Mit dem Geld reiste er nach Europa, wo er vor allem in Italien die Künstler der Renaissance studierte. In Mexiko beschäftigte er sich später mit den Wandgemälden von Diego Rivera und José Clemente Orozco. Auch das Werk von Pablo Picasso und Georges Braque hatten Einfluss auf Botero. In New York entdeckten ihn 1969 zwei deutsche Kunsthistoriker und Kuratoren, Dietrich Mahlow und Klaus Gallwitz, die in Deutschland Ausstellungen mit seinen Werken organisierten. Ab da ging es bergauf mit seiner Karriere. Seine über 3000 Bilder und 300 Skulpturen stehen in Museen und auf öffentlichen Plätzen in 60 Städten und erreichen Rekordpreise.

Mit dem Konflikt in seinem Heimatland Kolumbien setzte sich Botero auch künstlerisch auseinander. Im September überreichte er Präsident Juan Manuel Santos eine Bronzefigur, um den Friedensprozess mit der Farc-Guerilla zu würdigen: eine ziemlich dicke weiße Friedenstaube.


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