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Stirbt das Berlinern aus? Blumig und unverblümt

Von Christine Adam

Das Selbstporträt von Heinrich Zille (1858-1929) hängt im Heinrich-Zille-Museum in Berlin. Foto: dpaDas Selbstporträt von Heinrich Zille (1858-1929) hängt im Heinrich-Zille-Museum in Berlin. Foto: dpa

Osnabrück. Es wäre ja jammerschade, wenn künftig niemand mehr so richtig berlinern könnte. Ob die Aufnahme des Personalpronomens „icke“ in den Duden den Trend noch umkehren kann oder eher ein Sprachbegräbnis erster Klasse ist, bleibt die große Frage. Ein Kommentar.

Denn Berlin ist seit dem Mauerfall bekanntlich ziemlich „schnieke“ geworden. Wer irgendwie in sein will, lebt nicht mehr in New York, sondern in Berlin. Diese Zugewanderten machen von allen Seiten Druck aufs einstige Sprachbiotop. Deshalb scheint sich das Ur-Berlinerische allmählich zu „vaduften“.

Schade eigentlich, denn dieser Dialekt ist so herrlich blumig und gleichzeitig unverblümt. Leicht altertümliche Beleidigungen wie „Du Backpfeifenjesicht“ reizen doch eher zum Schmunzeln als zur Gegenwehr.

Das Berlinerische flutscht auch so schön „jeschmeidich“ über die Zunge, weil es harte Konsonanten meidet. Wenn sich da jemand im Kiez mit der einen oder anderen Molle mit Kompott (Bier mit Kurzem) den Deez janz jemütlich anjeballat hat, klingt das doch gleich viel harmloser als im Hochdeutschen.