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05.04.2017, 17:34 Uhr KOMMENTAR

Ablenkungsmanöver mit Teodor Currentzis?

Ein Kommentar von Ralf Döring


Der Exzentriker: Teodor Currentzis zur Zeit seiner Aufnahme der „Così fan tutte“ vor drei Jahren. Foto: Alice Calypso for MalinaDer Exzentriker: Teodor Currentzis zur Zeit seiner Aufnahme der „Così fan tutte“ vor drei Jahren. Foto: Alice Calypso for Malina

Teodor Currentzis wird Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters: Das ist ein Knaller. Aber sicher keine rein musikalische Entscheidung.

Als die Berliner Philharmoniker auf Suche nach einem Rattle-Nachfolger waren, hat schon manch einer geunkt, Teodor Currentzis wäre die richtige Wahl. Gesagt wurde das nur halb im Spaß: Der Grieche ist eine der spannendsten Erscheinungen im derzeitigen Dirigentenkosmos. Keiner strahlt schillernder, keiner überrascht mehr, und für heftige Kontroversen ist er auch immer gut. Das hat seine „Don Giovanni“-Einspielung eindrücklich gezeigt. Weiterlesen: Der „Don Giovanni“ in Currentzis‘ Einspielung

Nun beginnt aus dem Spaß tatsächlich Ernst zu werden. Denn nachdem er bisher die Musikwelt mit seinem Orchester MusicAeterna vom russischen Perm aus erobert hat, tritt Currentzis jetzt seine erste feste Stelle bei einem deutschen Toporchester an. Eine wunderbare Chance für ihn. Weiterlesen: Currentzis mit dem „Don Giovanni“ live in Dortmund

Aus Sicht des SWR sprechen indes sicher mehr als nur musikalische Gründe für den exzentrischen Griechen. Denn nach der Orchesterfusion muss die Rundfunkanstalt einiges gut machen, und wer eignet sich besser für ein Ablenkungsmanöver als Currentzis? Er wird den Südwesten musikalisch ordentlich durchrütteln, das steht fest. Den brutalen Einschnitt in die Orchesterlandschaft kann allerdings nicht einmal er kaschieren.


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