Iranische Revolution 1979: Ajatollah löst Schah von Persien ab

Von Berthold Hamelmann


Osnabrück. 1979 verändert die Islamische Revolution den Iran und die politische Weltkarte. Der westlich orientierte Schah Mohammad Reza Pahlavi flüchtet. Ajatollah Ruhollah Chomeini kehrt als politischer und religiöser Führer aus dem Exil zurück und verwandelt das Land in eine Islamische Republik.

Es ist ein brutaler Kurswechsel. Ein islamischer Gottesstaat ersetzt eine konstitutionelle Monarchie. Mohammad Reza Pahlavi, seit September 1941 Schah von Persien und selbst ernannter „König der Könige“, flieht nach immer gewalttätigeren Demonstrationen, die bereits 1977 begonnen hatten, am 16. Januar 1979 ins ägyptische Exil. „Nach Abreise des Schahs Freudentaumel im Iran“, titelt die „Neue Osnabrücker Zeitung“. Damit ist der Weg frei für den 76-jährigen Ruhollah Chomeini, der nach der Rückkehr aus Frankreich sein Staatskonzept von der Herrschaft der Geistlichkeit zum Teil mit Gewalt durchsetzt und danach bis zu seinem Tod am 3. Juni 1989 als iranisches Staatsoberhaupt fungiert.

Agitation aus dem Exil

Der in seiner Heimat hoch geschätzte iranische Ajatolllah Chomeini hatte in der französischen Verbannung alles unternommen, um den Schah zu stürzen. Ein breites Bündnis unter seiner Führung treibt den autokratischen Herrscher letztlich in die Flucht. Dabei hatte der Schah 1978 mit der Abschiebung Chomeinis nach Frankreich seinen langjährigen Kritiker eigentlich mundtot machen wollen, aber genau das Gegenteil erreicht. Binnen weniger Monate mutierte der islamische Geistliche, der seit 1963 gegen den Schah demonstriert und 1978 erstmals zu dessen Sturz aufgerufen hatte, mit Hilfe der Medien zur Leitfigur der revolutionären Bewegung im Iran.

Das Land befindet sich Ende der 70er-Jahre in einem gewaltigen Umbruch. Schah Mohammad Reza Pahlavi will den Iran vom Agrarstaat zur modernen Industrienation entwickeln – mit Führungsanspruch im Nahen Osten. Um das zu erreichen, setzt er zum Schluss vollkommen auf die Unterstützung der USA. Der Monarch entscheidet wie ein absoluter Herrscher. Der luxuriöse Lebenstill der königlichen Familie vergrätzt die iranische Bevölkerung. Exorbitant hohe Militärausgaben ruinieren die Staatsfinanzen. Ende 1978 ist der Iran reif für die Revolution. Verschiedenste Gruppierungen – Liberale, Linke, Bürgerliche, Konservative – verbünden sich. Sie alle haben unter dem brutalen Geheimdienst Savak gelitten, den der Schah skrupellos gegen jede Form der Opposition eingesetzt hatte.

Unterdrückung der Frauen

Nie gelöst wurde der latente Grundkonflikt der iranischen Gesellschaft, nämlich das Verhältnis zwischen Staat und Religion. Mit der von ihm angestoßenen Landreform, einem zentralen Anliegen der „Weißen Revolution“, wollte der Schah beispielsweise das Feudalsystem abschaffen und das Ackerland aus dem Besitz der Großgrundbesitzer an mittellose Bauern verteilen. Der massive Protest der Großbesitzer wurde von der iranischen Geistlichkeit geteilt, die ebenfalls Nachteile fürchtete und selbst die vom Schah initiierte Alphabetisierung als Angriff auf den Islam verstand. Gleiches galt für die vom Schah propagierte Stärkung der Rechte der Frau (z. B. Frauenwahlrecht).

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Für Irankritiker bestand ab 1979 dann auch die augenfälligste Veränderung in der Unterdrückung der Frauen, die fortan in der Öffentlichkeit den Kopf verhüllen mussten, wollen sie nicht von „Revolutionswächtern“ öffentlich gezüchtigt werden.

Heute, 38 Jahre nach Beginn der Islamischen Revolution, hat sich die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für viele trotz guter Voraussetzungen nicht erfüllt. Allein durch seine Bodenschätze, allen voran die größten Erdgas- und +die viertgrößten Erdölvorräte der Welt, besitzt das Land einen hohen Einfluss auf die Versorgung mit fossilen Brennstoffen. Doch die Wirtschaft liegt in weiten Teilen am Boden und ist nicht wettbewerbsfähig. Nach der vorsichtigen Öffnung des Landes und der Aufhebung der Wirtschaftssanktionen im Gefolge des Konfliktes um das iranische Atomprogramm stehen die Zeichen auf wirtschaftliche Entspannung und Zusammenarbeit, auch mit dem Westen.

Politisch unberechenbar

Politisch bleibt der Iran unberechenbar. Der international lange geächtete Staat will zurück zu alter Stärke und setzt auf die Karte „Religion“. Die selbst ernannte Schutzmacht aller Schiiten führt an verschiedenen Stellen Stellvertreterkriege, um in der islamisch geprägten Welt die Nummer eins zu werden. Gegenspieler des Irans ist dabei die sunnitische Führungsmacht Saudi-Arabien.

Die einst engen Verbindungen zu den USA sind nach dem Sturz des Schahs weiter vollkommen gekappt. Überraschenderweise führte die rigorose Abkapselung vom Westen seit 1979 nicht zu einer Verbrüderung mit der damals noch existierenden Sowjetunion oder dem heutigen Russland.

Die Weigerung der aktuellen iranischen Führung, das Existenzrecht Israels anzuerkennen, ähnelt einer Zeitbombe, die die Region in Flammen setzten kann, zumal der Iran islamische Terrorgruppen im Kampf gegen Israel unterstützt. Unter der Herrschaft des Schahs pflegten Israel und der Iran extrem gute Beziehungen – heute ist es eher eine Todfeindschaft.


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