Konzert in der Philharmonie Köln Till Brönner - der Vertreter einer besonderen Spezies

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Jazzer und Entertainer: Till Brönner. Foto: Daniel Reinhardt/dpaJazzer und Entertainer: Till Brönner. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Auf seinem neuen Album swingt Till Brönner ganz lässig: „The Good Live“ heißt es, und derzeit ist er damit auf Tour. Doch live hält Brönner einige Überraschungen bereit.

Bei Till Brönner weiß man nie, was einen erwartet. Zuletzt hat er zum Beispiel ein richtig feines Jazzalbum aufgenommen. Es heißt „The Good Live“, und so heißt die Tour, die ihn nun in die Kölner Philharmonie geführt hat. Und so lässig dieses Album mit Kontrabass, Klavier und Jazzbesen swingt, scheint es wie gemacht für einen gepflegten Jazz-at-the-Philharmonic-Abend.

Schon das Intro der Show aber zeigt: Um das neue Album geht es nur am Rande. Stattdessen steht die Elektronik als siebter Mann auf der Bühne, der Turbo, der aus Jazz Jazzrock macht. Das Publikum liebt es: Am Ende steht es förmlich auf den Stühlen, tobt, pfeift, klatscht, als wäre Till Brönner kein Jazztrompeter, sondern ein Entertainer. Ein Superstar. Weiterlesen: Till Brönner und Dieter Ilg

Brönner und eine besondere Spezies

Sein Geheimnis: Er ist das alles in einer Person. Ein Jazzer, der ein breites Publikum erreicht: Das klingt utopisch wie eine Wollmilchsau. Doch früher war das eine eigene Spezies mit Künstlern wie Catharina Valente, Paul Kuhn und Horst Jankowski.

Brönner ist deren legitimen Nachfolger, und so zieht er auch diesen Abend auf: Dreiviertel Konzert, ein Viertel Show. Zunächst beginnt die Band ohne den Chef mit einer Ouvertüre, die zusammenfasst, worum es gehen wird: ein bisschen Swing und viel Fusion, etwas für den Kopf und viel für den Bauch, und eine Portion Glamour. Dann dimmt die Musik herunter, macht Platz für die Stimme von Drummer David Haynes: „Ladies and Gentlemen, please welcome“ und so weiter: That‘s Entertainment. Optisch rundet eine Batterie aus 10 Vintage-Scheinwerfern hinter der Band das Bild ab, und den Kontakt zum Publikum stellt Brönner mit seinen Moderationen her – und der Ton zwischen smart und liebenswert provokant zeigt, dass er sich wohlfühlt auf der Showbühne. Weiterlesen: Till Brönner kommt in die Osnabrückhalle

In erster Linie aber geht es um Musik. Die Band trägt einen satten Sound in die Kölner Philharmonie; dafür sorgen Synthies und jede Menge Effektgeräte, durch die nicht nur Gitarrist Bruno Müller für Klangvielfalt sorgt. Magnus Lindgren verfremdet seinen Saxofonsound mithilfe der Elektronik, und Till Brönner fächert seinen Trompetenklang durch elektronische Register auf, oder er spielt im Dialog mit seinem eigenen Echo. Klanglich erinnert das an Chick Coreas Elektric Band der späten 80er: orchestraler Drive über einem knackigen Funk-Fundament von Bass, Drums und Gitarre. Darüber spielen Brönner und Lindgren rasante Screwball-Dialoge, noch öfter aber tritt der Bandleader selbst für Soli an die Rampe. Da umschmeichelt er seine Zuhörer mit Flügelhornklängen zwischen butterweich und rauchzart, er fordert aber auch heraus. Rasante, scharfkantige Sololinien widersetzen sich Hörerwartungen und folgen Brönners eigenen Gesetzen, und wenn er mit Spitzentönen Gehörgänge und Gehirn frei bläst, weiß man spätestens: Unter dem feinen Sakko des Entertainers schlägt das Herz des Jazzers.


Weitere Konzerte: 7.4. Essen, 11.4. Bremen, 12.4. Hannover, 3.5. Gronau, 15.6. Osnabrück. Tickets gibt es hier.

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