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Premiere im Großen Haus The Addams Family: Ein großer Spaß im Theater Osnabrück


Die Addams Family ist in Osnabrück angekommen. Das Publikum im Theater am Domhof hat sie bei der Musical-Premiere begeistert begrüßt.

Schon irgendwie gruselig, diese Hand. Aber auch lustig, wie sie den Zeigefinger hebt, aus Kisten ragt, ihr Eigenleben pflegt. Sie öffnet auch nach ein paar Takten der Ouvertüre den lila Vorhang: Willkommen bei den Addams!

Seit diese bizarre Familie Ende der 1930er-Jahre als Cartoon geboren wurde, ist sie nicht totzukriegen. Wiedergängern gleich huscht sie durchs Fernsehen, über die Kinoleinwand und, seit 2009, über die Musicalbühne. Andrew Lippa hat eine Bühnenversion geschaffen und dafür der Tochter Wednesday eine Liebesgeschichte angedichtet, natürlich mit einem Jungen, wie er gegensätzlicher nicht sein könnte.

Hoher Wiedererkennungswert

Ein Team um Regisseur Felix Seiler hat das Erfolgsmusical – allein am Broadway lief es mehr als 700-mal – für das Theater Osnabrück eingerichtet. Das passende Ambiente stammt von Nikolaus Webern: Fahrbare Pavillons und Kellergemäuer, raumfüllende Projektionen vom nebelverhangenen Central Park, viel Grau in Grau und als Gegensatz dazu glühendes Lila sorgen für die Gruselatmosphäre im Hause Addams. Und Linda Schnabel hat die Figuren so ausgestattet, dass sich Liebhaber der Fernseh-Addams über den hohen Wiedererkennungswert und Addams-Novizen an der gruselig-komischen Ersterfahrung freuen. #Weiterlesen: „My Fair Lady“ war das letzte Musical am Theater Osnabrück

Zusammen mit Choreografin Kati Farkas treibt Seiler die Geschichte rasant voran. Wortwitz, gespielte Pointen, Bühneneffekte zünden dabei auf dem Punkt; da ist schon viel zum Lachen dabei. Die Geschichte erinnert von fern an die Westside-Story, findet aber zum Happy End. Denn Wednesday Addams und Lucas Beineke überwinden die Gegensätze zwischen bizarren Addams und spießigen Beinekes. Den Weg dahin haben die Textdichter Marshall Brickmann und Rick Elice und wohl auch das Regieteam mit Verweisen auf die Kulturgeschichte gespickt, von Da Vincis „Abendmahl“ bis zum „Wilhelm Tell“ und „Parsifal“. Das alles aber sehr witzig verpackt.

Erneut arbeiten für diese Produktion das Theater und das Institut für Musik der Hochschule Osnabrück, kurz IfM, zusammen. Diesmal aber auf höherem Niveau: Erstmals in der langjährigen Kooperation übernehmen Studierende tragende Rollen. Davon profitieren beide Partner – und Publikum: Die Studierenden agieren ähnlich professionell auf der Bühne wie die alten Theaterhasen. Auch stimmt das Altersgefüge der Bühnenfiguren mit dem Darsteller überein: Jan Friedrich Eggers und Katarina Morfa vom Theater Osnabrück geben das Ehepaar Gomez mit morbider Grandezza, Genadijus Bergorulko und Susann Vent-Wunderlich spielen ebenso überzeugend das Ehepaar Mal und Alice Beineke als bürgerlich-miefiges Gegenstück zur Addams Family. Das verbindende Element bilden aber die IfM-Studierenden Lasarah Sattler und Felix Freund als jugendliches Liebespaar Wednesday Addams und Lucas Beineke – Konstellationen, wie sie durch die erweiterten Casting-Optionen möglich werden. Weiterlesen: Die Kooperation des Theaters und des IfM

Familie mit Kult-Potenzial

Opernsänger Mark Hamman ist zum Onkel Fester ausgestopft und darf sängerische wie darstellerische Klasse ausleben, bis hin zum Stepptanz. Studentin Sandra Bitterli treibt als wunderbarer Pugsley Addams die Handlung mit einem Wundertrank voran, Maciej Bittner schlurft als Frankenstein-Monster Lurch herrlich stoisch über die Bühne, Tobias Rusnak gibt die kreischende Oma mit Witz. Und gleich 16 weitere IfM-Studierende steigen als untote Ahnengalerie aus der Gruft und tanzen und singen perfekt.

Die Addams-Band besteht ebenfalls aus Studierenden. Kapellmeister An-Hoon Song hat hervorragend mit ihnen gearbeitet, und so erklingt Lippas Musikmix mit Saft und Kraft. Der Komponist hat sich ja verwurstet, was für die Musicalbühne taugt, vom Swing über Latin und Tango bis zum Rock, von der Ballade bis zum Stepptanz. Triefende Sentimentalität gehört dazu, grandiose Tanznummern und Soli ebenfalls –kurzum: Diese Familie bereitet Spaß und hat das Potenzial zum Kult.


Die nächsten Vorstellungen: 15., 17. und 24. 3. Kartentelefon: 0541/7600076

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