Premiere im Theater Dortmund Großer Applaus für Mike Daiseys Stück „Trump“


Dortmund. Ein „Trump Game“ spielt Marcus Lobbes Inszenierung von „Trump“ mit dem Publikum. Mike Daiseys intelligentes Stück feierte am Freitagabend im Dortmunder Theater seine Deutschsprachige Erstaufführung.

Es musste ja nach Deutschland kommen, eines der ersten Theaterstücke über Donald Trump. Im Theater Dortmund hat es am Freitagabend auf die Bühne gefunden. Nein, es ist kein billiges Trump-Bashing mit flammenden Tiraden gegen das vermeintlich Schlechte an Amerikas neuem Präsidenten. Mike Daisey, der Autor des Stücks, geht subtiler vor. Er führt vor, wie Trump arbeitet, wie er zu dem gigantischen Erfolg gekommen ist, den er nun einmal zweifellos hat. „The Trump Game“ heißt das Stück im amerikanischen Original, was das Theater Dortmund schlicht zu „Trump“ gemacht hat. Und ein „Trump: the game“, eine Art von „Monopoly für Betrüger“ spielt denn auch Marcus Lobbes Inszenierung als deutschsprachige Erstaufführung mit dem Publikum.

Am Ende des anderthalbstündigen Abends hat man dann kapiert, welche Trumpfkarte Donald Trump hier spielt: Er ist so gnadenlos ehrlich, auch wenn er lügt. Das spricht dem frustrierten Wahlvolk endlich mal aus dem Herzen. O-Ton aus Trumps Rhetorik in der Stückübersetzung von Anne-Kathrin Schulz: „Ich glaube, Präsident Obama arbeitet mit Islamisten zusammen. Und mit, ,ich glaube‘ meine ich ,man munkelt es‘. Ich mein, ich will sowas ja nicht glauben, aber es passiert wie es passiert, Ihr wisst ja, wie Leute Dinge sagen. Was soll man machen? Es ist fürchterlich, aber lasst uns jetzt nicht weiter drüber reden, aber ich habe es gesagt, tschüsssiiiii“.

„Wahrheit“„ mit Widerhaken

Schon ist eine von seinen „Wahrheiten“ in der Welt. Mike Daisey, Autor und Performer mit Händchen für frische Skandalthemen, aus denen er seit 1997 schon etliche Stücke gebaut und selbst als „Monologist“ performt hat, bringt mehrere solcher Beispiele. Die belegen, dass Wahrheit hier nichts mit gesichertem Wissen oder gar gründlicher Recherche zu tun haben muss. Doch das Gute ist, sagt Daisey mit finsterem Sarkasmus, dass der täglich neue Trump-Schocker Gewöhnung an ihn verhindert. Auch wenn Frauenzeitschriften schon kräftig normalisierten, indem sie Promi-Stories mit Mode, Melania und den Kindern strickten.

Trump traut sich was

Trump traut sich was, während alle Anderen es mit sich machen lassen, auch wenn er ihnen am Ende alles wegnimmt: Diese These bekamen die Premierengäste am eigenen Leibe zu spüren. Im Megastore Dortmund-Hörde, einer Ausweichspielstätte des Schauspiels Dortmund, hat Marcus Lobbes (auch Bühne) eine prachtvolle amerikanische Gartenparty eingerichtet. Grüner Rasenteppich, Lampions, Girlanden, Flaggen und Wimpelchen, Stars und Stripes, wohin das Auge blickt, weiße Stehtische mit Salzstangen und Grüppchen von drei, vier Besucher an ihnen. Sitzen durfte man für sein Eintrittsgeld nicht, typisch Trump, auch das wurde thematisiert.

Und dann hatte der Mann auch noch die Stirn, all‘ die schöne Deko rigoros abzureißen und selbst noch die Stehtische wegzutragen, während die Theaterparty, sprich, das Stück, noch voll im Gang war.

Den Monolog „The Trump Card“ hat das Schauspielteam um Lobbes auf zwei Spieler verteilt. Andreas Beck und Bettina Lieder machen das großartig, performen die riesige Textmenge mit unglaublicher Souveränität und umwerfendem persönlichem Charisma. Sie mischen sich unter die Partygäste und mischen sie emotional auf. Wenn Andreas Beck mit Trump „You‘re fired“ durch den Raum brüllt, dann spürt man die Willkür der Macht physisch.

Der Aufstieg Trumps

Sie erzählen vom Aufstieg des jungen Unternehmers Donald Trump, vom „mutmaßlich“ rassistischen Papa des Präsidenten, Fred Trump und von seinem frühen Karriereberater Roy Cohn, bei dem er all‘ die dirty tricks gelernt haben soll, wie man der die Rolle des reichsten Manns der Welt weiterspielt, obwohl man alle Immobilien-Geschäfte in den Sand setzt. Und natürlich von Stephen Bannon , dem Chefstrategen und eigentlichen Strippenzieher hinter Trump. Mike Daisey sei eben schon lange dran am Phänomen Trump, sagte Anne-Kathrin Schulz bei einer Einführung ins Stück – längst bevor sich seine Präsidentschaft überhaupt habe absehen lassen.

Ob das nun alles wirklich wahr ist, was Mike Daisey in seinem Monolog behauptet, nachdem er mit einer frei erfundenen Doku 2012 über den angeblichen Horror chinesischer IPad-Fabriken aufgeflogen war? „Scheiß drauf“, würde wohl der analytischen Logik von „Trump“ zufolge Roy Cohn , Trumps geistiger Ziehvater, darauf antworten. Weil das eine der typisch ängstlichen Fragen von „verweichlichten liberalen Intellektuellen ist, die keine Ahnung haben, wie Macht funktioniert“. Das Trump-Game geht weiter, ist er sicher, auch ohne Trump. „Und das ist das, was ihr Idioten einfach nicht kapiert,“ sagt Cohn – und entlässt nachdenkliche, von der Inszenierung beeindruckte Zuschauer.


Weitere Aufführungen: 12. März, 14. und 22. April. Kartentel. 0231/5027 222.

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